Der rückläufige Gasabsatz und die hohen Investitionen führen zu gestiegenen Gasnetztarifen

Der rückläufige Gasabsatz und die hohen Investitionen führen zu gestiegenen Gasnetztarifen

Per 1. Jänner 2011 werden die Netznutzungsentgelte durch eine Novelle der Gas-Systemnutzungstarife-Verordnung (GSNT-VO 2008 Novelle 2011) angepasst.

Die Rahmenbedingungen für die Gas-Netznutzungsentgelte sind für das heurige Jahr ungünstig und führen erstmals seit Liberalisierung des Erdgasmarktes mit 1. Oktober 2002 zu Steigerungen der Netzentgelte.

Die branchenspezifische Teuerungsrate liegt mit 2,36% im Durchschnitt der letzten Jahre und hat sich gegenüber dem Vorjahr verringert. Hauptfaktor der Tariferhöhungen ist neben den notwendigen und massiven Investitionen in die Erweiterung der Infrastruktur auch der gravierende Mengenrückgang, in den die Heizperioden 2007 bis 2009.

Deutlicher Mengenrückgang beim Gasabsatz
Als Mengenbasis wird ein 3-Jahresmittel der letzten verfügbaren Jahre herangezogen. Die berücksichtigten Mengen des Jahres 2007 und 2009 sind die geringsten seit dem Jahr 2001. Dieser Mengenrückgang im Vergleich zur Tarifierungsbasis des Vorjahres von 8 % ist sowohl witterungs- als auch konjunkturbedingt. Zusätzlich zu den warmen Wintern 2007 und 2009 hat auch die Wirtschaftskrise zu einer Verringerung des Gasabsatzes geführt.

Investitionen tragen zu Versorgungssicherheit bei
Langfristig ist aber mit einem leicht steigenden Gasabsatz zu rechnen, wobei insbesondere neue Gaskraftwerke steigenden Gasverbrauch verursachen werden. Die langfristige Planung sieht daher notwendige, zusätzliche Kapazitäten im Fernleitungsnetz zur Sicherung der Versorgung vor - was aber kurzfristig zu Kostensteigerungen führt. Als größter Effekt hat sich die Investition in die Südschiene mit bisher rund 280 Mio. Euro ausgewirkt. Werden die durchschnittlichen Investitionen der Jahre 2003 bis 2009 für die Jahre 2010 und 2011 fortgeschrieben und um die Investitionen in das Projekt "Südschiene" ergänzt, zeigt sich ein deutlicher Sprung der Investitionstätigkeit und eine damit einhergehende Kostensteigerung.

Um auch im Verteilnetz Investitionen und zusätzliche Betriebskosten während der Anreizregulierung abdecken zu können, wurden der Investitions- und Betriebskostenfaktor eingeführt, die zusätzliche Anreize für Investitionen im Verteilnetz bringen. Diese beiden Faktoren stellen sicher, dass Verteilnetzbetreiber ihre bestehenden Gasnetze sicher und zuverlässig betreiben können und darüber hinaus auch Erweiterungen zur Gewinnung neuer Kunden ermöglicht werden. Für Ausbauinvestitionen werden im Rahmen der Kostenbasis Abschreibungen sowie Kapitalkosten berücksichtigt. Unter Ausbauinvestitionen werden einerseits Erweiterungen des Netzes sowie andererseits für die Versorgungssicherheit wesentliche Investitionen (z.B. Sanierung von PVC-Rohrleitungen und Graugussleitungen) verstanden. Neben der Berücksichtigung der höheren Kapitalkosten, bei entsprechendem Nachweis durch die Unternehmen, werden weiters für ausgewählte Projekte der Netzebene 1 (z.B, Südschiene) während der Bauphase angemessene Fremdkapitalzinsen berücksichtigt und fließen damit in die Tarifermittlung ein. Dieses Anreizsystem minimiert das Risiko für die Netzbetreiber, wodurch die Unternehmen Vorfinanzierungen leichter gewährleistet können.

„Wie auch im Strom führt die Anreizregulierung Gas zu einer moderaten Kostenentwicklung, die notwendige Investitionen in die Gasinfrastruktur ermöglicht und gleichzeitig auch keinen zusätzlichen Beitrag zur bereits hohen Inflation darstellt,“ erklärt Walter Boltz, Geschäftsführer der Energie-Control Austria. Und weiter: „Dass durch die Mengenentwicklungen der letzten – warmen – Jahre die Tarifierungsmenge gesunken ist und es dadurch in einzelnen Bundesländern zu Tariferhöhungen kommen musste, ist bedauerlich“.

„Trotz der ungünstigen Rahmenbedingungen, sowie der Berücksichtigung des Investitions- und Betriebskostenfaktors ist es gelungen, die durchschnittliche Tariferhöhung auf lediglich 7,6 % zu begrenzen.“, so Martin Graf, Leiter Tarife der E-Control. Und weiter: „Seit Beginn der Liberalisierung des österreichischen Gasmarktes im Oktober 2002 konnten wir die Kosten um mehr als 2,5 % bzw. um über 13 Mio. Euro senken.“

Im nächsten Jahr werden für die Tarif- und Kostenprüfungen voraussichtlich bessere Rahmenbedingungen gegeben sein. Für 2010 ist zu erwarten, dass die Abgabemenge konjunkturbedingt wieder steigen wird. Darüber hinaus wird aufgrund der Umsetzung des 3. Liberalisierungspaketes eine Neuordnung des Gasmarktes umzusetzen sein.

Weitere Informationen:
E-Control
Mag. Bettina Ometzberger
Tel.: +43-1-24 7 24-202