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Aktuelle Informationen zur Gasversorgung

Aktuelle Fragen und Antworten zur Gasversorgung

Lagebericht

Ein aktueller Lagebericht wird auf der Seite des Markt- und Verteilergebietsmanagers AGGM veröffentlicht und täglich aktualisiert. 

Nachfolgend finden Sie Antworten auf aktuell häufige Fragen. Dieser Beitrag wird fortlaufend aktualisiert, sollte sich an der Situation etwas ändern.

Müssen österreichische Kundinnen und Kunden aktuell mit Einschränkungen bei der Gasversorgung rechnen?

Der Blick in die Gasspeicher und auf die Verbräuche der letzten Jahre sagt uns: Nein, über den Sommer bekommen die Haushalte kein Problem mehr. Selbst wenn alle Lieferungen aus Russland gestoppt würden, reichen die Vorräte in den Gasspeichern und die übrigen Gaslieferungen aus.

In Österreichs Gasspeichern lagern derzeit knapp 53,9 TWh. Dieser Füllstand der Speicher in Österreich liegt im hohen, durchschnittlichen Bereich für die Jahreszeit. Derzeit wird in die Gasspeicher weiter Gas eingespeichert.
(Stand 11. August 2022)

Was bedeutet die neuerliche Ankündigung der Gazprom, den Gasfluss über Nord Stream 1 weiter zu drosseln?

Vom 11. bis 21. Juli 2022 haben an der Nord Stream 1 Pipeline geplante Wartungsarbeiten stattgefunden. Seit Donnerstag, 21. Juli ist wieder Gas über diese Leitung nach Europa und somit auch nach Österreich geflossen.

Nachdem die Lieferungen in den letzten Tagen etwa auf dem Niveau von vor Wartungsbeginn (11. Juli; rund 40 Prozent Auslastung der Kapazität) lagen, , hat es nun Ankündigungen der Gazprom gegeben, die Gasflüsse über die Nord Stream 1 ab Mittwoch, 27. Juli neuerlich zu kürzen. Angekündigt wurde, dass ab dann der Gasfluss über die Nord Stream 1 auf 20 Prozent der technischen Kapazität reduziert werden soll. Das ist die Hälfte dessen, was unmittelbar vor Wartungsbeginn geflossen ist.

Die anderen Gasflüsse sind im Augenblick weitgehend konstant. Der wesentliche Teil der Gasflüsse aus Russland kommen weiterhin über die Ukraineroute nach Österreich.

Kann das 80 Prozent-Ziel auch mit einer Reduktion der Nord Stream 1-Leitung auf 20% erreicht werden?

Wir gehen davon aus, dass das 80-Prozent-Ziel nach wie vor erreichbar ist. Das hat mehrere Gründe:

Mit 27. Juli wurden von der ASGM die Informationen zur zweiten Ausschreibung der Strategischen Reserve veröffentlicht. Bei der ersten Ausschreibung konnten bereits 7,7 TWh Gas lukriert werden, die jetzige zweite Ausschreibung hatte das Ziel, die Summe von 20 TWh zu erreichen, was laut ASGM gelungen ist. Es wurden bei der 2. Ausschreibung somit 12,3 TWh beschafft. 8,5 TWh stammen laut Angabe der ASGM aus nicht russischen Quellen. 

Auch während der Wartung der Nord Stream 1 konnten die heimischen Gasspeicher – zwar in geringerem Ausmaß, aber trotzdem – weiter befüllt werden. Sollten die Gasflüsse über die Ukraine – die für Österreich hauptsächlich ausschlaggebend sind – weiterhin konstant bleiben und auch über die Nord Stream 1 zumindest 20 Prozent nach Europa kommen, ist davon auszugehen, dass die Speicher weiterhin befüllt werden können.

Derzeit ist ein Abkommen mit Deutschland zum Speicher Haidach in Abstimmung und soll in nächster Zeit unterfertigt werden. Davon ist abhängig, welche zusätzlichen Speicherkapazitäten in die Berechnung einfließen-

Nicht vergessen werden darf zudem, dass in den letzten Wochen ja bereits zusätzliche Gasmengen beschafft worden sind, die aber erst nach Österreich transportiert und eingespeichert werden müssen. Das hilft auf jeden Fall auch für das 80 Prozent-Ziel.

In Summe kann man sagen: wir werden die Gasflüsse nach Österreich in den nächsten Tagen weiterhin intensiv beobachten, aber wenn es jetzt nicht zusätzlich zu Problemen bei oder einem Stopp der Gaslieferung kommt, kann das 80 Prozent-Ziel trotzdem erreicht werden.

Wem gehört das Gas, das in österreichischen Speichern gelagert ist?

Grundsätzlich gehört das Gas immer dem, der es gekauft und eingespeichert hat. Dies sind Versorger von österreichischen Endverbrauchern ebenso wie nationale und internationale Gashändler, die zum Teil selbst wiederum an Versorger verkaufen oder direkt an große Industriekunden oder aber auch am österreichischen Marktplatz, also der „Gasbörse“. Eigentümer der neuen, strategischen Reserve hingegen ist der Staat Österreich.  

Wieviel des in österreichischen Speichern gespeicherten Gases ist für Verbraucher in Österreich?

Der größte Teil des eingespeicherten Gases ist nicht bestimmten nationalen Märkten zugeordnet. Die Händler und Unternehmen, denen das eingelagerte Gas gehört, verkaufen es zum Teil nach bereits abgeschlossenen Lieferverträgen, zum Teil aber auch je nach Preis und Nachfrage. Auch sie können den genauen Bedarf ihrer Kunden im Voraus nur abschätzen. Daher kann im Voraus keine genaue Zahl angegeben werden, wieviel Gas wohin fließen wird.

Für die kürzlich eingeführte strategische Reserve, welche die Republik Österreich kauft und einspeichert, gilt dies natürlich nicht. Diese, von der Austrian Gas Grid Management (AGGM) per Ausschreibung zu beschaffenden 20 TWh stehen für den Notfall nur für österreichische Verbraucher ab 1. November zur Verfügung. Diese Menge entspricht dabei rund dem durchschnittlichen Gasverbrauch Österreichs von zwei Wintermonaten.

Könnte Österreich das ganze, in österreichischen Speichern gelagerte Gas für österreichische Verbraucher behalten?

Theoretisch wäre das im äußersten Notfall im Rahmen der Energielenkung denkbar. Praktisch kann eine Gasversorgungskrise aber nur im europäischen Zusammenspiel gemeistert werden. Denn Österreich hat weder nennenswerte eigene Gasvorkommen, noch Häfen, an denen Flüssiggas angeliefert werden könnte, noch direkte Grenzen zu Nachbarländern, die im größeren Stil Erdgas fördern. Um also überhaupt zu Erdgas zu kommen, ist Österreich auf die Durchleitung des Gases durch andere europäische Länder angewiesen. Ein möglichst freier Zugang aller Marktteilnehmer zu den europäischen Märkten und den Kapazitäten der europäischen Gasinfrastruktur ist die Voraussetzung dafür, dass die Versorgung aller Beteiligten – also auch Österreichs – sichergestellt werden kann.

Mit 11. Juli starten die geplante Wartungsarbeiten bei Gaspipeline Nordstream 1. Wie sehr ist Österreich davon betroffen?

Von 11. bis 21. Juli wird die Nordstream 1 für die geplante Wartung komplett außer Betrieb gehen. Das bedeutet, dass während dieser zehn Tage keine Gaslieferungen über diese Leitung nach Europa und somit auch nicht nach Österreich kommen. Der Großteil der russischen Gaslieferungen nach Österreich erfolgt allerdings über die Ukraine-Route, für die keine Einschränkung angekündigt ist. Daher wird auch trotz der routinemäßigen Abschaltung der Nordstream 1 Leitung die Versorgung in Österreich gesichert sein.  

Es ist allerdings davon auszugehen, dass die angekündigten Wartungsarbeiten der Nordstream 1 Auswirkungen auf das Befüllen der heimischen Gasspeicher haben. Die Befüllung wird während des Wartungszeitraums geringer ausfallen als in den letzten Wochen. Auch mit gewissen Ausspeicherungen ist zu rechnen, wie es auch in den letzten Jahren während der Instandhaltungsphasen der Nordstream 1 im Juli zu beobachten waren.

Trotz dieser Phase der Wartungsarbeiten und den damit verbundenen Lieferunterbrechung über die Nordstream 1 Leitung wird das Ziel, die heimischen Speicher bis zur Heizsaison zu 80% zu füllen, nicht gefährdet, sofern die übrigen Lieferwege das bisherige Niveau halten und vor allem die Nordstream 1 nach den angekündigten zehn Tagen mit annähernd gleicher Kapazität wie in den vergangenen Wochen wieder in Betrieb geht.

Deutschland hat am 23.6. die Alarmstufe ausgerufen. Wird Österreich jetzt nachziehen?

Die aktuelle Situation in Deutschland ist im Moment deutlich anders als in Österreich. Die Gasflüsse nach Deutschland sind erheblich mehr eingeschränkt als jene nach Österreich.

In Österreich kommt nach wie vor so viel Gas an, dass nicht nur der tägliche Verbrauch damit gedeckt werden kann, sondern auch weiterhin eingespeichert wird. Die Voraussetzung für die Ausrufung der Alarmstufe laut Notfallplan ist in Österreich somit derzeit (noch) nicht gegeben. Selbstverständlich wird die Situation weiterhin beobachtet und es ist die Ausrufung der Alarmstufe zu einem späteren Zeitpunkt nicht auszuschließen.

Was würde es bedeuten, wenn die Alarmstufe in Österreich ausgerufen werden würde?

Würde Österreich die Alarmstufe ausrufen, würde es in erster Linie zu Sparaufrufen in der Bevölkerung kommen. Energie einzusparen – in welcher Form auch immer – ist aber unabhängig davon das Gebot der Stunde. Und dabei können auch bei Gas bereits jetzt im Sommer Maßnahmen getroffen werden, um in der kalten Jahreszeit weniger Gas zu verbrauchen. Hier geht es zum Beispiel darum, Fenster abzudichten, die Gastherme bereits jetzt warten zu lassen, beim Duschen (wenn mit Gas geheizt wird) weniger Wasser zu verbrauchen usw. Aber auch der Verzicht auf die Klimaanlage im Sommer hilft dabei, Energie einzusparen.

Ist Österreich vom rediuzierten Gastransit durch die Ukrainer betroffen?

Der Gasfluss über einen Übergabepunkt für den Transit im Osten der Ukraine ist – laut unseren Informationen – aufgrund der Kriegshandlungen seit den Nachtstunden des 11. Mai beeinträchtigt. Das bedeutet, dass der Transit von Gas nach Österreich und Europa über diesen einen Übergabepunkt nicht mehr möglich ist. Ein Teil der Gasmengen konnte bereits auf einen anderen Übergabepunkt umgelagert werden. Der Gasfluss über die Nordstream 1, die die Hauptroute für den Gastransit nach Europa darstellt, ist weiterhin konstant. In Baumgarten wird derzeit zwar ein leicht gesunkener Gasfluss verzeichnet, für die Versorgung mit Gas hat die Situation im Moment aber keinerlei Auswirkungen.

Die E-Control und alle beteiligten Unternehmen beobachten die Situation genau und informieren, sobald es Neuigkeiten gibt.

(11. Mai 2022)

Was bedeutet es für Österreich, dass die Gaslieferungen nach Polen und Bulgarien ausgesetzt wurden?

Seit Mittwoch, 27. April, hat Gazprom Export die Gaslieferungen nach Polen und Bulgarien ausgesetzt. Nach derzeitigen Informationen hängt dies mit der Bezahlung der Gaslieferungen zusammen.

Die Gasflüsse nach Österreich erfolgen weiterhin im geforderten Ausmaß. Das heißt, es gibt für Österreich weiterhin keine Einschränkung bei der Gasversorgung.
Die Leitung, über die Polen versorgt wird ist die sogenannte Jamal-Leitung. Diese wird für die Versorgung von Österreich nicht genutzt. 

Österreich bekommt Gas vor allem über die Ukraine Route und Nordstream 1 und hier finden die Gasflüsse nach wie vor im normalen Ausmaß statt. Auch in den vergangenen Wochen hat es schon immer wieder einmal Einschränkungen bei der Jamal-Leitung gegeben, ohne dass dies Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit gehabt hätte.
Die Situation wird laufend engmaschig beobachtet und es findet dazu ein permanenter Austausch mit Ministerien, aber auch den Netzbetreibern, Großverbrauchern und anderen Marktteilnehmern statt.
(Stand 27. April 2022)

Warum wurde der Notfallplan für die Gasversorgung ausgerufen

Das Krisenkabinett der Bundesregierung hat am 30. März gemeinsam mit der E-Control die Frühwarnstufe im Notfallplan für die Gasversorgung ausgerufen. Grund dafür war die Ankündigung Russlands, wonach Gaslieferungen künftig nur noch in Rubel bezahlt werden sollen. Als direkte Folge der Frühwarnstufe wurde seither das bereits seit 24. Februar bestehende Überwachungs- und Monitoring-System noch weiter verdichtet.
(Stand 30. März 2022)

Wie geht es nach dem Winter weiter, wenn sich die politische Lage nicht ändert? Der nächste Winter kommt ja gewiss.

Es ist nicht davon auszugehen, dass sich die politische Situation im Sommer grundlegend entspannt.

Auch wenn die Versorgungssituation diesen Winter nicht gefährdet ist, müssen nationale und europäische Maßnahmen gesetzt werden, um die Speicherbefüllung im kommenden Sommer zu unterstützen. Die E-Control ist an der Erarbeitung von Vorschlägen beteiligt.
(24. Februar 2022)

Welche Alternativen gibt es zu Gas aus Russland?

Österreich kann über andere Transportwege Flüssiggas (liquefied natural gas, LNG) oder verstärkt Mengen an anderen Großhandelsmärkten einkaufen. LNG wird z.B. in Schiffterminals in Italien angelandet und kann dann über Pipelines von dort nach Österreich gelangen. Auch kann noch auf andere Produzenten von Erdgas ausgewichen werden, wie beispielsweise Norwegen.
(24. Februar 2022)

Welcher Anteil der Gaslieferungen aus Russland kommt über die Ukraine nach Österreich?

Auf diesem Weg gelangen rund 50%-60% der russischen Gaslieferungen nach Österreich. Der Anteil an russischem Gas, der über die Ukraine in die EU kommt, liegt bei ca. 10%.
(24. Februar 2022)

Was geschieht, wenn – z.B. kommenden Winter – doch nicht genug Gas zur Verfügung steht?

In diesem Fall träte die sogenannte „Energielenkung“ auf Basis des Energielenkungsgesetzes 2012 in Kraft. Es würden dann, beginnend mit großen Verbrauchern wie z.B. Industriebetrieben, für bestimmte Verbrauchergruppen Einschränkungen für den Gasverbrauch durchgesetzt werden. Hierbei gibt es vorbereitete Abstufungen. Haushaltskunden sind dabei sogenannten „geschützte Verbraucher“ die damit als allerletzte von Verbrauchseinschränkungen betroffen wären.
(24. Februar 2022)

Wie wird sich die Situation auf die Gaspreise – auch für Haushalte – auswirken?

Genau lässt sich das derzeit noch nicht voraussagen, da es, neben der politischen Situation, auch von der Nachfrage und damit u.a. auch vom Wetter und dem Verlauf des übrigen Winters abhängt. Sicher ist, dass die Gaspreise auf absehbare Zeit hoch bleiben werden.
(24. Februar 2022)