Energiegemeinschaften

Energiegemeinschaften

Eine Überlegung, die schon länger von vielen privaten Besitzern von Photovoltaikanlagen angestellt wird, lautet: Ich kann meinen selbst erzeugten Strom leider nicht vollständig selbst verbrauchen, aber warum kann ich diesen Strom eigentlich nicht meiner Nachbarin zur Verfügung stellen – oder meinem Bruder, meiner Schwiegermutter? 

In der alten, der analogen und mechanischen, Welt lautete die Antwort darauf: Weil es nun mal nicht geht, denn wie auch? Der Strom lässt sich ja nicht in ein Paket stecken, das der Tante in den Nachbarort geschickt werden kann. Und wie hätte man früher wissen sollen, wie viel Strom die Nachbarn, denen man den überschüssigen Strom vielleicht sogar schenken würde, gerade verbraucht haben, wenn die Sonne scheint? 

In der neuen, digitalen und vernetzten, Welt lautet die Antwort nun aber: Ja, warum eigentlich nicht? Es entstehen sogenannte Energiegemeinschaften.

Bereits seit 2018 sind die gesetzlichen Grundlagen für die gemeinschaftliche Nutzung von Erzeugungsanlagen in Mehrparteienhäusern in Kraft. Einige Projekte wurden hier bereits umgesetzt und vor allem Bauträger haben diese Art der gemeinschaftlichen Erzeugungsanlagen bereits fix im Portfolio.

Im Jahr 2020 werden nun regulatorische Vorgaben der EU in nationales Recht umgesetzt, das Energiegemeinschaften auch über Grundstücksgrenzen und sogar über Ortsgrenzen hinweg ermöglichen wird.

Dabei werden zwei Varianten unterschieden:

  • Erneuerbare Energiegemeinschaften (Englisch: Renewable Energy Communities; kurz RECs)
  • Bürgerenergiegemeinschaften (Englisch: Citizen Energy Communities; kurz CECs)

In beiden Fällen wird eine Gemeinschaft als Rechtsperson geschaffen und gemeinschaftlich erzeugte Energie mit Mitgliedern geteilt, sprich weitergegeben. Gespeicherte Energie kann später Mitgliedern geliefert werden und der eigene Netzbezug kann in der Gemeinschaft koordiniert werden („sharing economy“).

Merkmale von Erneuerbaren Energiegemeinschaften und Bürgerenergiegemeinschaften 

  Erneuerbare Energiegemeinschaften Bürgerenergiegemeinschaften
Lokalität Fokus auf lokaler Ebene  keine lokale Einschränkung
Energieform 100% Erneuerbare Energien; nicht nur aus elektrischer Energie, sondern auch aus Wärme, Kälte und biogenen Treibstoffen beziehen sich ausschließlich auf Strom und schließen nicht-erneuerbare Technologien per se nicht aus
Kontrolle/
Entscheidungsmacht
Anteilseigner oder Mitglieder in der Nähe der Projekte natürliche Personen, Gebietskörperschaften, einschließlich Gemeinden und KMUs, die nicht primär im Energiesektor tätig sind
Aktivitäten Erzeugung, Verteilung, Verbrauch, Teilen, Verkauf und Speicherung von 100% Erneuerbarer Energie; Aggregation und andere Energiedienstleistungen     Die Funktionalität wird hier um weitere Dienstleistungen zu Themen wie Pooling, Energieeffizienz und E-Ladestationen erweitert und sogar der Betrieb von Netzen wird eingeräumt.
Zweck Hauptzweck nicht im Erwirtschaften von Gewinn, sondern in Erbringung von Vorteilen für die Mitglieder Hauptzweck nicht im Erwirtschaften von Gewinn, sondern in Erbringung von Vorteilen für die Mitglieder

Wie sieht die E-Control diese Neuerungen?

Wir sehen in den Energiegemeinschaften ein wesentliches Instrument des zukünftigen Strommarktes, weshalb es wichtig ist, die Grundideen und Grundzüge der Richtlinien umzusetzen. Es müssen die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit die Energiegemeinschaften auch tatsächlich zu einem Massenphänomen werden können. Dabei müssen die Modelle administrierbar bleiben, und für alle Beteiligten müssen die gewohnten Rechte und Pflichten – insbesondere Versorgungsqualität und freie Lieferantenwahl – garantiert sein. Potenzielle negative Auswirkungen auf das Gesamtsystem oder auf andere Marktteilnehmer sollten, soweit möglich, begrenzt werden. Wir sehen unsere Rolle darin, einen entsprechenden Beitrag zu leisten, damit Hindernisse abgebaut werden und die Energiegemeinschaften potenziell am Markt teilnehmen können. Gleichzeitig muss jedoch die Kostenverursachungsgerechtigkeit im Fokus bleiben sowie sichergestellt werden, dass es zu keinen großen Umverteilungen der Netzkosten kommt. 

Was können wir für Sie tun?

Aktuell gibt es noch keine gesetzlichen Regelungen. Unsere Expertinnen und Experten stehen natürlich dennoch jederzeit gerne zur Verfügung, um mit Ihnen die Entwicklungen und bestehenden Ansätze zu diskutieren. Gerne können wir Sie auch bei bestehenden Projekten unterstützen und stehen auch für Vorträge und Diskussionen bereit. Für alle weiteren Fragen stehen Ihnen wie gewohnt unsere Energie-Hotline und unsere Schlichtungsstelle zur Verfügung.