Verordnung zur Festlegung eines Netzkodex mit Netzanschlussbestimmungen für Stromerzeuger (RfG Network Code)

Überblick

Der RfG Network Code (RfG NC) beschreibt Anforderungen an neue Stromerzeugungsanlagen für den Anschluss an Stromnetze. Diese Anforderungen steigen mit steigender Größe der Erzeugungsanlagen von Typ A bis Typ D, wobei Anforderungen für Typ A bereits für Leistungen größer gleich 0,8 kW und kleiner 1 MW gelten. Viele dieser Anforderungen müssen noch auf nationaler Ebene konkretisiert werden. Die Bestimmungen des RfG NC werden am 27. April 2019 anwendbar und ersetzen dann die entsprechenden Teile der TOR (Technische und Organisatorische Regeln für Betreiber und Benutzer von Netzen). Der RfG Network Code enthält erschöpfende (abschließend geregelte) und nicht-erschöpfende (national zu regelnde) Anforderungen an Stromerzeugungsanlagen für den Anschluss an die Stromnetze sowie Verfahrensdefinitionen und Fristenläufe. Neu sind, neben detaillierterer Regelung mancher technischer Anforderungen, vor allem die Betriebserlaubnisverfahren sowie Konformitätstests und -simulationen.

 

Ziele

  • faire Wettbewerbsbedingungen im Elektrizitätsbinnenmarkt
  • Gewährleistung der Systemsicherheit bei vermehrter Integration erneuerbarer Energieträger in das Stromnetz
  • angemessene, transparente und diskriminierungsfreie Nutzung der Fähigkeiten von Stromerzeugungsanlagen durch die Netzbetreiber
     

Wesentliche Inhalte des RfG Network Code

Anforderungen an Stromerzeugungsanlagen

  • grundsätzlich nur für neue Stromerzeugungsanlagen
  • für synchrone und nicht synchrone Stromerzeugungsanlagen je Leistungskategorie (Typ A bis D)
  • „erschöpfende“ Anforderungen gelten unmittelbar
  • „nicht erschöpfende“ Anforderungen müssen national näher bestimmt werden

Verfahren und Prozesse

  • Genehmigung der „nicht erschöpfenden“ Anforderungen und Streitschlichtung
  • Anwendung auf bestehende Stromerzeugungsanlagen bzw. Änderung der Kategorie-Schwellwerte
  • Betriebserlaubnisverfahren
  • Freistellung von Anforderungen
  • Ausnahme für aufkommende Technologien
  • Compliance (Tests, Simulationen, Monitoring)

Umsetzungsfristen

  • Bestimmungen sind 3 Jahre nach Veröffentlichung anwendbar
  • Netzbetreiber oder Übertragungsnetzbetreiber legen binnen 2 Jahren nach Inkrafttreten nationale Anforderungen zur Genehmigung vor
  • Der Regulator genehmigt die Anforderungen binnen 6 Monaten

Der RfG Network Code unterscheidet synchrone und nicht-synchrone Stromerzeugungsanlagen verschiedener Leistungskategorien, wobei die Anforderungen mit der Leistungskategorie steigen:

  • Typ A
    0,8 kW
    Grundsatzanforderungen an Frequenzhaltung, um großflächige kritische Netzzustände zu vermeiden; beschränkte automatische Regelungen
  • Typ B
    1MW
    automatische Regelungssysteme, Schutzeinstellungen, Robustheit, Fernwirktechnik
  • Typ C
  • 50 MW
    Spannungshaltung (Blindleistung), erweiterte Frequenzhaltung, Systemmanagement u. Systemwiederherstellung
  • Typ D
    75 MW oder > 110 kV
    umfangreiche Betriebsführungs- u. Stabilitätsanforderungen inkl. Regelreservefähigkeiten

Umsetzung

Ein Großteil der Bestimmungen des RfG Network Code ist spätestens ab 27.04.2019 anzuwenden. Bis dahin gelten jedenfalls noch die entsprechenden Teile der technischen organisatorischen Regeln (TOR). Die wesentlichen Fristenläufe für die Umsetzung sind in folgender Grafik dargestellt:

Wesentliche Meilensteine bei der Umsetzung des RfG Network Code

Wesentliche Meilensteine bei der Umsetzung des RfG Network Code vergrößern

Die Erarbeitung der nicht-erschöpfenden Anforderungen an Stromerzeugungsanlagen auf nationaler Ebene ist durch die Netzbetreiber bis spätestens zum 17.05.2018 abzuschließen, wobei folgende Grundsätze anzuwenden sind:
 

  • Verhältnismäßigkeit und Diskriminierungsfreiheit
  • Transparenz
  • Optimierung zwischen höchster Gesamteffizienz und geringsten Gesamtkosten für alle beteiligten Akteure
  • Verantwortung der Übertragungsnetzbetreiber für die Gewährleistung der Systemsicherheit

Österreichs Energie hat für die Erarbeitung dieser Anforderungen sowie der Betriebserlaubnisverfahren einen „Expertenpool“ aus Vertretern der Netzbetreiber und Stromerzeuger eingerichtet. Im Jahr 2017 ist eine Beteiligung der Öffentlichkeit mittels Informationsveranstaltungen und einer Konsultation geplant.

E-Control ist gemäß RfG-VO verpflichtet, Kriterien für die Gewährung von Freistellungen von Anforderungen, ein Register der Freistellungen sowie eine Liste der Stromerzeugungsanlagen, die als aufkommende Technologien anerkannt wurden zu veröffentlichen. Nähere Informationen finden Sie untenstehend.

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