Haushalte könnten sich durch häufigeren Anbieterwechsel mehr als 30 Millionen Euro sparen

Haushalte könnten sich durch häufigeren Anbieterwechsel mehr als 30 Millionen Euro sparen

Heimische Wechselrate bei Strom 2011 gesunken – Bei Wechselzahlen wie 2010 in Deutschland Einsparungen von mehr als 30 Millionen Euro möglich

 

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Würden die österreichischen Haushalte so oft wie die deutschen ihren Strom- oder Gaslieferanten wechseln, könnten sich die heimischen Haushaltskunden zusätzlich mehr als 30 Millionen Euro sparen. „Die österreichischen Konsumenten lassen viel Geld liegen“, betonen Walter Boltz und Martin Graf, die Vorstände des Energieregulators E-Control, angesichts dieser Zahlen. In Österreich wechselten im vergangenen Jahr 1,5 Prozent der Haushalte ihren Strom- und ein Prozent ihren Gaslieferanten. Damit sparten sich diese Haushalte zusammen 7,6 Millionen Euro. Bei Wechselraten wie in Deutschland würde diese Summe auf 38,4 Millionen Euro steigen. In der Bundesrepublik wählten 2010 sechs Prozent der Haushalte einen neuen Strom- und 6,7 Prozent einen neuen Gaslieferanten. 2011 ist mit einer weiteren Steigerung der Wechselraten in Deutschland zu rechnen.

„Heimische Haushalte wechselfaul“

In Österreich kann zwar mittlerweile seit elf bzw. zehn Jahren der eigene Strom- oder Gaslieferant frei gewählt werden, doch die wenigsten Konsumenten machen davon Gebrauch. Das bestätigt der neue Marktbericht der E-Control. „Die heimischen Haushalte sind sehr wechselfaul“, konstatiert Vorstand Walter Boltz. 2011 ging die Wechselrate bei Stromhaushaltskunden vom bisherigen Höchststand mit 1,8 Prozent im Jahr 2010 auf 1,5 Prozent zurück. Noch niedriger als die Welchselrate der Stromkunden ist jene der Gaskunden, hier konnte im vergangenen Jahr aber zumindest eine positive Entwicklung verzeichnet werden. Die Wechselrate der Haushalte stieg von 0,6 Prozent (2010) auf 1,0 Prozent im Jahr 2011, das ist die höchste Wechselrate seit der Gasmarktöffnung 2002. „Von den dauernden Preiserhöhungen durch die etablierten Lieferanten hatten offensichtlich doch einige Kunden die Nase voll und wechselten zu einem anderen Anbieter“, erklärt Boltz die gestiegene Zahl der Gasanbieterwechsler. Generell wechselfreudiger sind die Großkunden. Immerhin 4,6 Prozent der heimischen Industriekunden wechselten im vergangenen Jahr ihren Stromanbieter, 6,1 Prozent ihren Gaslieferanten.

Geringe Wettbewerbsintensität

Die insgesamt nach wie vor geringen Wechselzahlen zeigen, dass es weiter an Wettbewerb auf den heimischen Energiemärkten mangelt. Dies wurde auch in dem vergangene Woche vorgestellten Bericht der EU-Kommission zum europäischen Energiebinnenmarkt kritisiert. Gerade bei den Haushalten ist die Marktmacht der etablierten Versorger deutlich zu spüren. So sind beispielsweise die Großhandelspreise für Strom seit 2008 um etwa ein Fünftel gesunken – die Haushalte profitieren von den niedrigeren Börsenpreisen aber nicht. „Ein intensiverer Wettbewerb würde dazu führen, dass Energieversorger diese Preisvorteile an ihre Kunden unmittelbar weitergeben müssten“, sagt Vorstand Graf.

Etwas mehr Dynamik am Gasmarkt

In den Gasmarkt ist zuletzt durch die steigende Zahl neuer günstigerer Gasanbieter etwas mehr Dynamik gekommen. Die Marktkonzentration im österreichischen Gasmarkt ist aber weiterhin sehr hoch. Die EnergieAllianz dominiert den Haushaltskundenmarkt, die Econgas jenen für Großkunden. „Durch Zusammenschlüsse im Vertrieb zu Beginn der Gasmarktliberalisierung konnte sich der Wettbewerb nie richtig entfalten“, erklärt Boltz.

Strom für Haushalte und Gewerbe teurer, für Industrie billiger

Strom wurde im vergangenen Jahr für die Mehrheit der Kunden teurer. Sowohl Haushalte (+ 1,72 Prozent) als auch Gewerbekunden (+ 0,22 Prozent) mussten 2011 für Strom tiefer in die Tasche greifen. Für Industriekunden dagegen wurde der Strom billiger. „Preissenkungen sollten an alle Verbrauchergruppen vom Haushalt bis zur Industrie in vergleichbaren Ausmaß weitergegeben werden“, sagt Martin Graf.

Preiserhöhungen bei Gas

Für Gaskunden war 2011 ein teures Jahr. „Über alle Kundengruppen hinweg gab es im vergangenen Jahr flächendeckend Preiserhöhungen“, erläutert Vorstand Boltz. Besonders betroffen von den Preissteigerungen waren Kleinkunden, bei den Großkunden dürften die Erhöhungen geringer ausgefallen sein. Im zweiten Halbjahr 2011 stiegen die Gaspreise für Gewerbebetriebe sowie für Haushaltskunden in Einfamilienhäusern um sechs und bei Mehrfamilienhäusern sogar um acht Prozent, wie aus dem Marktbericht der E-Control hervorgeht.

Stromverbrauch 2011 zurückgegangen

Beim Stromverbrauch hat 2011 die schwache Konjunktur Spuren hinterlassen: Im vergangenen Jahr ist in Österreich aufgrund der schlechteren wirtschaftlichen Entwicklung der Stromverbrauch im vergangenen Jahr leicht nach unten gegangen, und zwar um 0,2 Prozent von 68.931 Gigawattstunden (GWh) im Jahr 2010 auf 68.823 GWh 2011. „So erfreulich dieses Ergebnis aus Sicht der Umwelt ist – von einer nachhaltigen Änderung des Verbrauchsverhaltens kann allerdings nicht gesprochen werden“, schränkt Martin Graf ein. Für die nächsten Jahre sei damit zu rechnen, dass der Energieverbrauch wieder steigen werde.

Stromimporte stiegen um 25 Prozent

Die in Österreich produzierte Strommenge ging gemäß physikalischer Bilanz der E-Control 2011 um 7,6 Prozent auf 65.688 Gigawattstunden zurück (2010 waren es 71.075 GWh). Hauptgrund dafür: Da es 2011 vergleichsweise wenig regnete, führten die Flüsse und Seen weniger Wasser – dadurch konnten die vielen heimischen Wasserkraftwerke weniger Strom produzieren. Die österreichische „Stromhandelsbilanz“ hat sich 2011 klar verschlechtert. Während die Stromimporte im vergangenen Jahr um ein Viertel auf knapp 25.000 GWh hochschnellten, gingen die österreichischen Stromexporte um vier Prozent auf rund 16.800 GWh zurück.

Weniger Gas an Kunden abgegeben, mehr Gasimporte

Im Gasbereich sind die Entwicklungen ähnlich: Auch hier ist die abgegebene Menge an die Endkunden gesunken, es wurde weniger Gas im Inland produziert und mehr Gas aus dem Ausland importiert. Konkret sind 2011 gemäß physikalischer Bilanz der E-Control mit 95.634 Gigawattstunden um 6,3 Prozent weniger Gas an Kunden abgegeben worden als im Vorjahr (2010 waren es noch 102.016 GWh), die Gasimporte sind um 17,1 Prozent auf 488.199 GWh gestiegen. Im Gegensatz zum Strombereich sind bei Gas aber auch die Exporte gestiegen – um 14,1 Prozent auf 384.467 GWh.