Informationen zur Gasversorgung im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine

Informationen zur Gasversorgung im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine

Stand 25. Juni 2022

Lagebericht

Ein aktueller Lagebericht wird auf der Seite des Markt- und Verteilergebietsmanagers AGGM veröffentlicht und täglich aktualisiert.

Zusammenfassend (Stand 30. Juni 2022):
Gasfluss: Versorgung des täglichen, österreichischen Bedarfs aktuell weiterhin gesichert. 
Speicherstand: 42,7 TWh (44,7%; +0,1%). 

Weitere Informationen zu den bisherigen Ereignissen (chronologisch).


Häufige Fragen und Antworten im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine

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Deutschland hat heute die Alarmstufe ausgerufen. Wird Österreich jetzt nachziehen?

Deutschland hat heute (23.6.) die Alarmstufe ausgerufen. Wird Österreich jetzt nachziehen?

Die aktuelle Situation in Deutschland ist im Moment deutlich anders als in Österreich. Die Gasflüsse nach Deutschland sind erheblich mehr eingeschränkt als jene nach Österreich.

In Österreich kommt nach wie vor so viel Gas an, dass nicht nur der tägliche Verbrauch damit gedeckt werden kann, sondern auch weiterhin eingespeichert wird. Die Voraussetzung für die Ausrufung der Alarmstufe laut Notfallplan ist in Österreich somit derzeit (noch) nicht gegeben. Selbstverständlich wird die Situation weiterhin beobachtet und es ist die Ausrufung der Alarmstufe zu einem späteren Zeitpunkt nicht auszuschließen.

Was würde es bedeuten, wenn die Alarmstufe in Österreich ausgerufen werden würde?

Was würde es bedeuten, wenn die Alarmstufe in Österreich ausgerufen werden würde?

Würde Österreich die Alarmstufe ausrufen, würde es in erster Linie zu Sparaufrufen in der Bevölkerung kommen. Energie einzusparen – in welcher Form auch immer – ist aber unabhängig davon das Gebot der Stunde. Und dabei können auch bei Gas bereits jetzt im Sommer Maßnahmen getroffen werden, um in der kalten Jahreszeit weniger Gas zu verbrauchen. Hier geht es zum Beispiel darum, Fenster abzudichten, die Gastherme bereits jetzt warten zu lassen, beim Duschen (wenn mit Gas geheizt wird) weniger Wasser zu verbrauchen usw. Aber auch der Verzicht auf die Klimaanlage im Sommer hilft dabei, Energie einzusparen.

Was geschieht, wenn es zu Einschränkungen oder einem Ausfall bei den Gaslieferungen aus Russland kommen sollte?

Was geschieht, wenn es zu Einschränkungen oder einem Ausfall bei den Gaslieferungen aus Russland kommen sollte?

Grundsätzlich verursacht ein Ausfall von einzelnen Gaslieferungen nicht automatisch auch ein Versorgungsproblem. Sollte es jedoch zu so massiven Einschränkungen beim Gasimport kommen, dass diese durch andere Bezugsquellen und Speicherkapazitäten nicht mehr substituierbar wären, um eine Vollversorgung zu gewährleisten, so würden auf der Grundlage des Energielenkungsgesetzes verbrauchsmindernde Maßnahmen gesetzt werden.

Welche Ziele verfolgt ggf. die Energielenkung?

Welche Ziele verfolgt ggf. die Energielenkung?

  1. Aufrechterhaltung der Gas- und Stromversorgung
  2. Schutz besonderer Kundengruppen (Haushalte, soziale Dienste)
  3. Gleichbehandlung aller Kunden (ausgenommen siehe 2.)
  4. Minimierung volkswirtschaftlicher Schäden
    1. Aufrechterhaltung von Lieferketten
    2. Ausreichende Vorlaufzeiten
    3. Möglichst hohe Flexibilität für die Kunden
    4. Aufrechterhaltung von Preismechanismen
    5. Aufrechterhaltung des europäischen Marktes
    6. Selektive Maßnahmen nach wirtschaftlichen Kriterien

Welche Maßnahmen werden ggf. im Rahmen einer Energielenkung in welcher Reihenfolge ergriffen?

Welche Maßnahmen werden ggf. im Rahmen einer Energielenkung in welcher Reihenfolge ergriffen?

Grundsätzlich hängt die Ausgestaltung der Maßnahmen naturgemäß von der jeweils aktuellen Situation ab. Eine bestimmte Reihenfolge ist nicht zwingend vorgesehen, im Sinne der Schadensvermeidung wäre aber eine Kaskade von Maßnahmen geplant. Wie sich eine solche Kaskade darstellt, können Sie exemplarisch im folgenden Beispiel sehen:

 

Wie schnell müssen im Energielenkungsfall die Gasbezugsmengen der Gewerbe- und Industrieunternehmen reduziert werden?

Wie schnell müssen im Energielenkungsfall die Gasbezugsmengen der Gewerbe- und Industrieunternehmen reduziert werden?

Eine Kürzung der Gasbezugsmengen für die Gewerbe- und Industrieunternehmen wird jedenfalls nicht überraschend, sondern mit einer Vorlaufzeit von zumindest mehreren Tagen erfolgen, damit ein geordnetes Zurückfahren der Produktionsprozesse möglich ist.

Kann man als Unternehmer aus wichtigen Gründen Ausnahmen von Liefereinschränkungen beantragen und wenn ja und nach welchen Kriterien?

Kann man als Unternehmer aus wichtigen Gründen Ausnahmen von Liefereinschränkungen beantragen und wenn ja und nach welchen Kriterien?

Nein. Grundsätzlich gilt die Maxime, alle Branchen (mit Ausnahme der gesetzlich geschützten Kunden) möglichst gleich zu behandeln. Zu Liefereinschränkungen wird es nur in absoluten Notsituationen kommen und diese sind grundsätzlich nicht „verhandelbar“. Hier gilt es auch, eine gesamtstaatliche Solidarität zu praktizieren

Wer kontrolliert die Einhaltung der Maßnahmen?

Wer kontrolliert die Einhaltung der Maßnahmen?

Die Einhaltung der hoheitlichen Maßnahmen wird von den Netzbetreibern bzw. Systemoperatoren (AGGM) überwacht und allfällige Verstöße an die E-Control gemeldet.

Wie erfährt ein Unternehmen, ob es von einer Energielenkungsmaßnahme betroffen ist?

Wie erfährt ein Unternehmen, ob es von einer Energielenkungsmaßnahme betroffen ist?

Im Fall des in Kraft Tretens einer Energie-Lenkungsmaßnahmen-Verordnung werden deren Inhalte, insbesondere die jeweiligen Aufrufe oder auch Anforderungen breit kommuniziert. Dies umfasst u.a. Kommunikationskanäle wie:

Welche Behörde ist im Fall einer Energielenkung die Ansprechpartnerin für Gewerbeunternehmen?

Welche Behörde ist im Fall einer Energielenkung die Ansprechpartnerin für Gewerbeunternehmen?

Die Entscheidung darüber, ob der Energielenkungsfall ausgerufen wird und welche Maßnahmen zu treffen sind, obliegt der Bundesministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK). Im Fall der Energielenkung fungiert die E-Control in Abstimmung mit dem BMK als zentrale Kommunikationsstelle für die Marktteilnehmer und stellt Informationen zur Verfügung.

Welche rechtlichen Grundlagen hat die Energielenkung für Gas?

Welche rechtlichen Grundlagen hat die Energielenkung für Gas?

Maßgebliche Grundlage ist das Energielenkungsgesetz 2012 sowie die seitens der BMK zu erlassende Erdgas-Lenkungsmaßnahmen-Verordnung.

Weitere Informationen zu den bisherigen Ereignissen (chronologisch)


Weitere Informationen zu den bisherigen Ereignissen (chronologisch)

Verringerte Gasmengen aus Russland auch in Österreich

Im Vergleich zu den vorangegangenen Tagen trifft seit Donnerstag, 16. Juni, weniger Gas aus Russland in Österreich ein.  Die Gazprom begründet das mit einem technischen Gebrechen bei einem Kompressor. Die angekündigten Liefermengen entsprichen etwa dem erwarteten Verbrauch bzw. liegen sie auch darüber. Alternativ hat die OMV angekündigt, darüber hinausgehende Gasmengen am Spot-Markt beschaffen zu können, sofern das nötig sein sollte. 

 „Wir überwachen die Situation genau und sind mit der OMV in engem Austausch. Der Konzern hat angekündigt, auch am Spot-Markt Mengen beschaffen zu können, sollte das notwendig werden“, heißt es aus dem Klimaschutzministerium. 

Und weiter: „Zur Stunde gibt es keine Anzeichen für einen Lieferstopp, wir sind aber auf alle Szenarien vorbereitet.“

(16. Juni 2022)

Welche Gründe hat die Reduktion der Gasflüsse über die Nordstream 1 Pipeline?

Am 14. Juni hat Gazprom eine Einschränkung der Gaslieferungen von 30% über die Nordstream 1 Pipeline bekannt gegeben. Dies liege an Problemen bei der Wartung eines Gaskompressors, was vom Hersteller bestätigt wurde. Wie lang sich die Wartung dadurch verzögert, konnte aktuell noch nicht gesagt werden. Die Gaslieferungen nach Österreich sind in Summe weiterhin stabil, die Gasversorgung ist nicht beeinträchtigt.
(14. Juni 2022)

Wie ist die aktuelle Situation bezüglich der Gasversorgung in Österreich?

Die Transportflüsse von russischem Erdgas in die EU und nach Österreich sind sowohl über die Ukraine als auch über andere Transportwege weiterhin stabil.

Hier finden Sie weitere, visualiesierte Informationen zu den Gasflüssen:
auf der Website der Austrian Gas Grid Management AG (AGGM)
auf der Website der Gas Connect Austria

Ist Österreich vom reduzierten Gastransit durch die Ukraine betroffen?

Der Gasfluss über einen Übergabepunkt für den Transit im Osten der Ukraine ist – laut unseren Informationen – aufgrund der Kriegshandlungen seit den Nachtstunden des 11. Mai beeinträchtigt. Das bedeutet, dass der Transit von Gas nach Österreich und Europa über diesen einen Übergabepunkt nicht mehr möglich ist. Ein Teil der Gasmengen konnte bereits auf einen anderen Übergabepunkt umgelagert werden. Der Gasfluss über die Nordstream 1, die die Hauptroute für den Gastransit nach Europa darstellt, ist weiterhin konstant. Im für Österreich wichtigen Gasknotenpunkt in Baumgarten, deren Gasfluss überwiegend über die Ukraine-Route erfolgt, wird derzeit aufgrund der Nachfrage in Europa zwar ein leicht gesunkener Gasfluss verzeichnet, für die Versorgung mit Gas hat die Situation im Moment aber keinerlei Auswirkungen auf Österreich.

Die E-Control und alle beteiligten Unternehmen beobachten die Situation genau und informieren, sobald es Neuigkeiten gibt.
(11. Mai 2022)

Was bedeutet es für Österreich, dass die Gaslieferungen nach Polen, Bulgarien und Finnland, sowie für Händler aus Dänemark, Deutschland und den Niederlanden ausgesetzt wurden?

Seit Mittwoch, 27. April 2022, hat Gazprom Export die Gaslieferungen nach Polen und Bulgarien ausgesetzt. Nach derzeitigen Informationen hängt dies mit der Bezahlung der Gaslieferungen zusammen. In der Folge wurden auch Lieferungen an Finnland, sowie an die Händler TeraGas(NL), Orested (DK), und Shell Energy Europe (D) eingestellt.  

Die Gasflüsse nach Österreich erfolgen weiterhin im geforderten Ausmaß. Das heißt, es gibt für Österreich weiterhin keine Einschränkung bei der Gasversorgung.
Die Leitung, über die Polen versorgt wird, ist die sogenannte Jamal-Leitung. Diese wird für die Versorgung von Österreich nicht genutzt. 

Österreich bekommt Gas vor allem über die Ukraine Route und Nordstream 1, und hier finden die Gasflüsse nach wie vor im normalen Ausmaß statt. Auch in den vergangenen Wochen hat es schon immer wieder einmal Einschränkungen bei der Jamal-Leitung gegeben, ohne dass dies Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit gehabt hätte.
Die Situation wird laufend engmaschig beobachtet, und es findet dazu ein permanenter Austausch mit Ministerien, aber auch den Netzbetreibern, Großverbrauchern und anderen Marktteilnehmern statt.
(27. April 2022)

Warum wurde der Notfallplan für die Gasversorgung ausgerufen?

Das Krisenkabinett der Bundesregierung hat am 30. März gemeinsam mit der E-Control die Frühwarnstufe im Notfallplan für die Gasversorgung ausgerufen. Grund dafür war die Ankündigung Russlands, wonach Gaslieferungen künftig nur noch in Rubel bezahlt werden sollen. Als direkte Folge der Frühwarnstufe wurde seither das bereits seit 24. Februar bestehende Überwachungs- und Monitoring-System noch weiter verdichtet.
(30. März 2022)

Was bedeuten die einzelnen Stufen des Notfallplans?

Frühwarnstufe (Stufe 1):

Sie wird ausgerufen, wenn es konkrete und zuverlässige Hinweise gibt, dass es zu einer Verschlechterung der Gasversorgung kommen könnte.

In der Frühwarnstufe erfolgt vor allem eine engmaschigere Überwachung des Gasmarktes und Analyse der Situation sowie Informationen und Kommunikation an die und mit den relevanten nationalen und europäischen Stellen. Energielenkende Maßnahmen sind nicht Teil der Stufe 1.

Alarmstufe (Stufe 2):

Die Alarmstufe wird ausgerufen, wenn sich die Wahrscheinlichkeit für eine Verschlechterung der Gasversorgungslage zB durch die konkrete Ankündigung von offiziellen, zuständigen Quellen für Liefereinschränkungen oder Lieferstopp erhöht.

Der aktuelle Gasbedarf von Industrie wird abgefragt und durch engere Abstimmung mit den Speicherbetreibern sollen Engpässe vermieden werden. Durch freiwillige Sparaufrufe soll der Verbrauch von Gas reduziert werden. Die Industrie wird auch aufgefordert, nach Möglichkeit Alternativen zu Erdgas zu nutzen. Energielenkende Maßnahmen sind nicht Teil der Stufe 2.

Notfallstufe (Stufe 3):

Die Ausrufung der Notfallstufe kann dann notwendig sein, wenn mit hoher Wahrscheinlichkeit Einschränkungen in den Gaslieferungen zu erwarten sind und die aktuelle Nachfrage durch marktkonforme Maßnahmen nicht mehr gedeckt werden kann.

Priorität hat die Versorgung geschützter Kunden, der Haushaltskunden und grundlegender sozialer Dienste.

Für alle weiteren Gasverbraucher können jedoch weitergehende Energielenkungsmaßnahmen notwendig sein wie die Substitution von Erdgas durch andere Energien, aber auch hoheitlich angeordnete Verbrauchseinschränkungen oder vollständige Verbrauchsreduktionen insbesondere für Großabnehmer sind hier möglich, immer mit dem Ziel, dass die Gasversorgung von geschützten Kunden wie Haushalten und sozialen Diensten zu gewährleistet bleibt und die wirtschaftlichen Auswirkungen auf ein Mindestmaß beschränkt werden.

Voraussetzung für diese einschneidenden Energielenkungsmaßnahmen in der Notfallstufe ist eine auf Basis des Energielenkungsgesetz 2012 erlassene sog. Energielenkungs-Maßnahmen-Verordnung der Bundesministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie. Der Erlass dieser Verordnung ist kurzfristig auf parlamentarischem Weg möglich und bedarf der Zustimmung des Hauptausschusses des Nationalrates.