Erdgasspeicher in Österreich

Die österreichischen Gasspeicher befinden sich ausschließlich im Marktgebiet Ost in den Konzessionsgebieten der beiden Gas- und Ölproduzenten OMV Austria Exploration & Production GmbH und RAG Austria (RAG AG) und werden von diesen auch technisch betrieben. Die Speicher sind ausgeförderte Gasfelder (Porenspeicher), die für den Speicherbetrieb technisch umgerüstet wurden.

Die Vermarktung der Speicherkapazitäten in Österreich erfolgt seit 2022 durch die folgenden vier Speicherunternehmen:

  • OMV Gas Storage GmbH (OGS)
  • RAG Energy Storage GmbH (RES)
  • Uniper Energy Storage Austria (Uniper)
  • SEFE Storage GmbH 
Entwicklungen im österreichischen Speichermarkt

Zu Beginn der Liberalisierung waren zwei Speicherunternehmen in Österreich tätig, OMV und RAG. Im Laufe der vergangenen Jahre wurden zusätzliche Speicherkapazitäten im Konzessionsgebiet der RAG geschaffen. Dabei ist RAG nicht als Speicherunternehmen aufgetreten, sondern als technischer Betreiber der Speicher. Erstmals fand diese Form der Zusammenarbeit 2007 bei der Inbetriebnahme des Speicher Haidach statt, für den RAG als technischer Betreiber und Wingas GmbH & Co KG und Gazprom Export als Vermarkter der Kapazitätsrechte agierten, gefolgt vom Projekt 7 Fields, ebenfalls mit RAG als technischen Speicherbetreiber und Uniper Energy Storage Austria (vormals E.ON Gas Storage) als Kapazitätsvermarkter. Damit sind neben OMV und RAG drei weitere Speicherunternehmen, die Speicherprodukte vermarkten, in den österreichischen Speichermarkt eingetreten.

Im Zuge der Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben der Europäischen Union in nationales Recht haben Speicherunternehmen eine gesellschaftsrechtliche und organisatorische Entflechtung vorzunehmen. Die Unabhängigkeit des Speicherunternehmens muss dabei u.a. durch eine gesellschaftsrechtliche Ausgliederung aus dem vertikal integrierten Erdgasunternehmen, durch Ressourcenausstattung, Handlungsunabhängigkeit des Leitungspersonals, Aufstellung eines Gleichbehandlungsprogramms und -beauftragten sowie der vertraulichen Behandlung von wirtschaftlich sensiblen Informationen sichergestellt werden. Die entflochtenen Speicherunternehmen, von denen die Speicherkapazitäten vermarktet wurden, waren bis Juli 2022 SEFE Storage GmbH (vormals astora), Uniper Energy Storage GmbH, GSA LLC, OMV Gas Storage GmbH und RAG Energy Storage GmbH.

Mit Bescheid der E-Control vom 18.7.2022 wurde auf Basis einer neu geschaffenen Rechtslage im Gaswirtschaftsgesetz 2011 festgestellt, dass GSA LLC seine Rechte als Speicherunternehmen von Gesetzes wegen verloren hat. Die Kapazitäten des Speichers Haidach werden seit 1. August 2022 im Auftrag der E-Control von der RAG Energy Storage GmbH (100% Tochter der RAG Austria AG) sowie der SEFE Storage GmbH (vormals astora) vermarktet.

Auch beim Netzzugang gab es im Zusammenhang mit dem Gaswirtschaftsgesetz 2011 und in Folge des neuen Marktmodells eine grundlegende Änderung, nämlich dahingehend, dass seit 01.01.2013 nunmehr das Speicherunternehmen beim Netzbetreiber einmal jährlich für das jeweils folgende Kalenderjahr die für die Ein- und Ausspeicherung maximal vorzuhaltende Kapazität bucht.

Mit der Novelle 2021 zur Gas-Marktmodell-Verordnung 2020 wurde das Inkrafttreten des neuen Bilanzierungsmodells um ein Jahr auf den 1. Oktober 2022 verschoben. Die Auswirkungen auf den Speicherbereich resultieren vor allem aus der Umstellung der Stundenbilanzierung auf eine Tagesbilanzierung.

Am 24. März 2022 wurde im Nationalrat ein Abänderungsantrag für eine strategische Gasreserve für Österreich beschlossen. Diese soll erstmals zum 1. November 2022 im Ausmaß von zunächst ca. 12,6 TWh (auf Basis des Jänner-Gasverbrauchs) bereitstehen, finanziert vom Bund, operativ beschafft und vorgehalten vom Verteilergebietsmanager AGGM, über eine eigens dafür gegründete Tochtergesellschaft, Austrian Strategic Gas Storage Management GmbH (ASGM). Diese vorzuhaltenden Mengen wurden in einem weiteren Schritt auf 20 TWh erhöht, die zunächst bis 30. September 2025 zur Verfügung stehen sollte. Die strategische Gasreserve wurde aber am 17. November 2023 aufgrund der anhaltenden Unsicherheiten in Verbindung mit Erdgaslieferungen aus Russland in die EU und nach Österreich bis 1. April 2026 verlängert. Mit einer weiteren in 2024 durchgeführte n Novelle 5 GWG 2011 wurde die strategische Gasreserve im Ausmaß von 20 TWh gem. § 169 Abs 9 GWG 2011 am 6. Juli 2024 bis 1. April 2027 prolongiert und dementsprechend seitens ASGM Speicherverträge verlängert bzw. neu abgeschlossen.

Auf Basis der gesetzlichen Rahmenbedingungen erfolgte bis zum 1. April 2026 eine Evaluierung. Wegen der weiterhin instabilen geopolitischen Lage und zur Sicherung der Versorgung in Österreich wurde die Weiterführung der strategischen Gasreserve in Höhe von 20 TWh im Hauptausschuss des Nationalrates im Juli 2026 beschlossen und über die Strategische Gasreserve-Verlängerungs-Verordnung (SGRVV) bis 1. April 2029 verlängert. Eine erneute Evaluierung ist für den Zeitraum 1. April 2027 bis 31. Oktober 2027 vorgesehen.

Die Ausschreibung der Speicherkapazitäten für die Speicherjahre 2027/2028 und 2028/2029 erfolgte seitens ASGM am 3. September 2026, wobei aus Kosteneffizienzgründen (Reduktion der Netznutzungsentgelte sowie der Speicherkosten) keine Ein- und Ausspeicherleistung vorgesehen worden ist, da die Reserve ausschließlich für den Krisenfall vorgehalten wird. Die Kosten für die Speicherjahre 2027/28 und 2028/29 belaufen sich auf je 38,75 Mio. Euro. Die strategische Gasreserve entspricht ca. einem Viertel des durchschnittlichen jährlichen Gasverbrauchs in Österreich mit ca. 82,5 TWh im Zeitraum 2021-2025.

Starker Ausbau der Speicherkapazitäten seit 2010

Die Speicherkapazitäten wurden seit 2010 durch den Ausbau von 7Fields, Haidach und Aigelsbrunn wesentlich erhöht und betrugen zum 1. September 2026 ca. 100,3 TWh Arbeitsgasvolumen, d.h. wurden ca. verdoppelt (2010 52 TWh Arbeitsgasvolumen). 

Aufgrund der Umschichtung der bisher von GSA LLC im Speicher Haidach vermarkteten Speicherkapazitäten (ca. 21,3 TWh) auf SEFE Storage GmbH (vormals astora) (ca. 7,3 TWh) und RAG Energy Storage (ca. 14 TWh) hält RAG Energy Storage mit ca. 36% (36,2 TWh) Arbeitsgasvolumen den größten Anteil an Speicherkapazitäten in Österreich.

Gemäß entsprechenden Anpassungen in § 170 (26) GWG 2011 wurde der Speicher Haidach per 20.12.2022 über die Penta West-Leitung an das österreichische Marktgebiet (Fernleitungsebene) bei laufendem Betrieb ohne Unterbrechungsnotwendigkeit angeschlossen. Da jedoch die Kapazitäten ausschließlich auf unterbrechbarer Basis zur Verfügung stehen, wurde mit einer weiteren Novelle des GWG 2011 über § 170 (27) GWG 2011 eine Anschlussverpflichtung an das Verteilnetz gesetzlich verankert, um die notwendige Erhöhung der Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Die Fertigstellung dieses Anschlusses an die Netzebene 1 (Verteilernetz) mit einer Entry Kapazität von 600.000 Nm³/h erfolgte im Sommer 2024. Dadurch kann der Speicher Haidach zukünftig auch für die direkte Ausspeisung ins Marktgebiet Ost genutzt werden, während die Befüllung weiterhin über Deutschland erfolgt.

Zudem ist auch der slowakische Speicherkomplex LAB an den virtuellen Handelspunkt über die March-Baumgarten-Gasleitung (MAB) angebunden, Speicherunternehmen sind Nafta und Pozagas.

Technisch maximale Speicherkapazitäten je Speicherunternehmen

Speicherkapazitäten in Österreich, Stand 1. September 2026, Speicherpoolbetrachtung
Speicherunternehmen/  Speicher Einspeicherrate in MWh/h Anteil an gesamter Einspeicherrate Entnahmerate in MWh/h Anteil an gesamter Entnahmerate Arbeitsgasvolumen in MWh Anteil an gesamten Arbeitsgasvolumen
OMV Gas Storage Speicherpool 8.100 23% 12.846 28% 26.770.980 27%
RAG Energy Storage Speicherpool 14.005 40% 15.605 35% 36.184.000 36%
Uniper Energy Storage 7fields 6.189 17% 9.284 21% 17.825.000 18%
SEFE Storage Haidach 6.900 20% 7.411 16% 19.498.900 19%
Summe Österreich 35.194 100% 45.146 100% 100.278.880 100%

Stand 1. September 2026; Quelle: Homepages der Speicherunternehmen, https://agsi.gie.eu

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