2012 mehr Grünstrom, aber auch deutlich mehr Kosten

2012 mehr Grünstrom, aber auch deutlich mehr Kosten

Anteil geförderten Ökostroms im vergangenen Jahr trotz höheren Stromverbrauchs gestiegen – Vor allem Windkraft und Photovoltaik legten stark zu – Ausbauziele für 2015 werden voraussichtlich übertroffen – Kosten für Ökostromförderung steigen an

  • Presseaussendung, am 17.10.2013

    E-Control: 2012 mehr Grünstrom, aber auch deutlich mehr Kosten

    Anteil geförderten Ökostroms im vergangenen Jahr trotz höheren Stromverbrauchs gestiegen – Vor allem Windkraft und Photovoltaik legten stark zu – Ausbauziele für 2015 werden voraussichtlich übertroffen – Kosten für Ökostromförderung steigen an

Der Anteil des mit staatlichen Mitteln geförderten Ökostroms an der Abgabe an Endverbraucher ist 2012 im Vergleich zu 2011 deutlich gestiegen – und das obwohl auch der Stromverbrauch im vergangenen Jahr zugenommen hat. Das geht aus dem heute präsentierten neuen Ökostrombericht der Regulierungsbehörde E-Control hervor. Obwohl die Abgabe an Endverbraucher um 1,2 Prozent von 55.076 Gigawattstunden (GWh) auf 55.748 gestiegen ist, hat sich der Anteil des geförderten Ökostroms im vergangenen Jahr auf elf Prozent (6.152 GWh) erhöht. 2011 waren es aufgrund eines schlechten Wind- und Wasserjahres 9,9 Prozent (5.452 GWh). „Der Ökostromausbau hat deutlich an Fahrt gewonnen“, sagt E-Control-Vorstand Martin Graf, der aber einen sparsameren Umgang mit Energie für unumgänglich hält. „Zwar konnte der Zuwachs beim Stromverbrauch 2012 zur Gänze mit den zusätzlich erzeugten Ökostrommengen gedeckt werden. Aber die Bilanz würde natürlich wesentlich besser aussehen, wenn der Stromverbrauch nicht gestiegen, sondern zumindest stabilisiert werden hätte können.“ Die größten Zuwächse gab es 2012 bei Windkraft, Kleinwasserkraft und Photovoltaik.

Windstrom legte um mehr als ein Viertel zu

Die aus Windkraft erzeugte Strommenge legte im vergangenen Jahr mit 26,7 Prozent um mehr als ein Viertel zu und steuert mittlerweile 4,3 Prozent zum gesamten Strom-Endverbrauch bei. „Mehr als ein Drittel des gesamten geförderten Ökostroms kommt damit bereits aus der Windkraft“, erläutert Martin Graf. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 87 Anlagen mit einer installierten Leistung von 251 Megawatt neu errichtet. Der mit Abstand meiste Windstrom wird in Niederösterreich und Burgenland erzeugt.

Strom aus Sonnenkraft um knapp 160 Prozent gestiegen

Die größte Steigerung der Ökostrommenge gab es bei der Photovoltaik. Im vergangenen Jahr wurde mit einer Steigerung von 157 Prozent zweieinhalb Mal so viel Sonnenstrom produziert wie 2011. „Der gesamte Beitrag des Sonnenstroms ist mit einem Anteil von knapp 0,2 Prozent an der Gesamtabgabemenge allerdings nach wie vor bescheiden“, sagt Graf. Die Zahl der Photovoltaikanlagen stieg im vergangenen Jahr von 6.253 auf 11.056 Anlagen, die installierte Leistung hat sich mit einem Plus von 215 Prozent mehr als verdreifacht. Am meisten Sonnenstrom kam aus der Steiermark, Oberösterreich und aus Niederösterreich.

 

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Knapp elf Prozent mehr Strom aus Kleinwasserkraft

Die produzierte Strommenge durch Kleinwasserkraft ist im vergangenen Jahr um knapp elf Prozent gestiegen. Dies ist zum einen auf die bessere Wasserführung im vergangenen Jahr zurückzuführen. Zum anderen ist der Anteil der Kleinwasserkraft immer davon abhängig, wie viele der Anlagen in das Ökostrom-Förderregime ein- bzw. austreten. „Aufgrund des niedrigen Marktpreises 2012 haben sich im vergangenen Jahr einige Kleinwasserkraftbetreiber wieder für Förderungen entschieden“, erläutert Graf.

Geringe Steigerungen bei fester Biomasse und Biogas

Bei der festen Biomasse und bei Biogas kam es ebenfalls zu Steigerungen, wobei diese mit 0,7 bzw. 6,7 Prozent im Vergleich mit den anderen Ökostromtechnologien geringer ausfielen. Der Anteil von fester Biomasse an der Abgabe an Endverbraucher lag 2012 bei 3,6 Prozent, jener von Biogas bei einem Prozent. „In den vergangenen Jahren sind rohstoffabhängige Technologien wie Biomasse stark unter Druck geraten, da die Rohstoffpreise stark schwanken und zuletzt sehr hoch waren“, erklärt Martin Graf. Für die E-Control macht die Förderung von Biomasseanlagen mittels Ökostrom-Einspeisetarifen nur dann Sinn, „wenn es sich um hocheffiziente Anlagen handelt, die nicht nur Strom, sondern auch Wärme erzeugen.“ Weniger Strom produziert wurde im vergangenen Jahr durch flüssige Biomasse, Deponie- und Klärgas sowie durch Geothermie.

Die Entwicklung der wichtigsten unterstützten Ökostromtechnologien im Überblick:
• Kleinwasserkraft +10,8%
• Windkraft +26,7%
• Feste Biomasse +0,7%
• Biogas +6,7%
• Photovoltaik +157,0%

Ausbauziel für 2015 wird übertroffen werden

Österreich verfügt traditionell über einen hohen Anteil erneuerbarer Energie an der Stromerzeugung – 2012 betrug dieser insgesamt 73 Prozent (2011: 63 Prozent). Der Anteil geförderten Ökostroms soll laut Ökostromgesetz bis 2015 auf 15 Prozent steigen. „Dieses Ziel wird sogar übertroffen werden“, sagt Graf. Aufgrund der einzelnen Vorgaben aus dem Ökostromgesetz würde sich 2015 ein Anteil von 17,7 Prozent ergeben. Auch die Ziele für 2020 seien in Summe aus heutiger Sicht erreichbar. „Entscheidend dafür ist aber, wie sich der Stromverbrauch zukünftig entwickeln wird“, sagt Graf, der sich einen stärkeren Fokus auf Energieeffizienz wünscht.

 

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Foto 1: Der Anteil geförderten Ökostroms ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. „2012 war das Jahr des Ökostroms“, sagt E-Control-Vorstand Martin Graf. Foto 2: Die Ökostromkosten werden für einen Durchschnittshaushalt 2014 auf 83 Euro pro Jahr steigen. Im Bild: E-Control-Vorstand Martin Graf. Foto 3: Die Ökostromförderungen (Unterstützungsvolumen) erhöhten sich 2012 um 17,9 Prozent auf 363 Millionen Euro. Im Bild: Harald Proidl, Leiter Ökoenergieabteilung der E-Control und Martin Graf, Vorstand E-Control (v.l.). Copyright aller Fotos: E-Control/Anna Rauchenberger. Abdruck für Pressezwecke honorarfrei.

Ökostromförderungen stark gestiegen

Mehr Strom aus Sonne, Wind & Co. bedeutet höhere Förderungen. Durch die zusätzlichen Ökostrommengen ist das Vergütungsvolumen – das ist die Summe der ausbezahlten staatlich garantierten Einspeisetarife für Ökostrom inklusive dem Marktpreis des Stroms – im vergangenen Jahr um knapp 75 Millionen auf insgesamt 657 Millionen Euro gestiegen (2011: 581,8 Millionen). Das ist eine Erhöhung um
12,9 Prozent. Noch höher ist die Steigerung beim Unterstützungsvolumen (exklusive Marktpreis). Aufgrund des gesunkenen Marktpreises erhöhten sich die Förderungen um 17,9 Prozent auf 363 Millionen Euro. Der marktbasierte Gegenwert liegt somit bei 294 Millionen Euro. Das ist ein Anstieg von 55 Millionen Euro gegenüber 2011, damals lag das Unterstützungsvolumen bei 308 Millionen Euro. „Die erzielten Steigerungen beim Ökostrom wurden teuer erkauft“, kommentiert Martin Graf. „Und das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht. Auch für das heurige Jahr ist mit einem deutlichen Anstieg der Förderungen aufgrund des geringeren Marktpreises und weiteren zusätzlichen Strommengen zu rechnen.“

Ökostromkosten für Haushalte steigen

Die Kosten für die Ökostromförderung werden von den Energiekunden bezahlt. Im Jahr 2013 betragen die Ökostromkosten für einen Durchschnittshaushalt mit einem Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden 65 Euro (inkl. USt), was einer Steigerung um 66 Prozent entspricht. 2012 waren es noch 39,2 Euro pro Jahr. Im kommenden Jahr ist mit einer weiteren Steigerung der Ökostromkosten zu rechnen. 2014 wird ein Haushalt mit 83 Euro nochmals um etwa ein Viertel mehr bezahlen als im heurigen Jahr. Auch die Gewerbe- und Industriekunden werden stärker zur Kasse gebeten werden. Erste Hochrechnungen für das Jahr 2017 lassen einen Anstieg der Summe der Ökostromförderungen für Haushaltskunden auf knapp unter 100 Euro erwarten.