Informationen für Gasgroßabnehmer

Informationen für Gasgroßabnehmer

Gasflüsse seit 11. Mai aus Russland etwas zurückgegangen, aber weiterhin aufrecht

Der Gasfluss über einen Übergabepunkt für den Transit im Osten der Ukraine ist – laut unseren Informationen – aufgrund der Kriegshandlungen seit den Nachtstunden beeinträchtigt. Das bedeutet, dass der Transit von Gas nach Österreich und Europa über diesen einen Übergabepunkt nicht mehr möglich ist. Ein Teil der Gasmengen konnte bereits auf einen anderen Übergabepunkt umgelagert werden. Der Gasfluss über die Nordstream 1, die die Hauptroute für den Gastransit nach Europa darstellt, ist weiterhin konstant. In Baumgarten wird derzeit zwar ein leicht gesunkener Gasfluss verzeichnet, für die Versorgung mit Gas hat die Situation im Moment aber keinerlei Auswirkungen.

Die E-Control und alle beteiligten Unternehmen beobachten die Situation genau und informieren, sobald es Neuigkeiten gibt.

Frühwarnstufe seit 30. März 2022 – keine Einschränkungen

Seit 30. März 2022 gilt aufgrund der Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg die Frühwarnstufe für die österreichische Gasversorgung gemäß Notfallplan (https://www.bmk.gv.at/themen/energie/energieversorgung/erdgas.html).

Die Transportflüsse von russischem Erdgas in die EU und nach Österreich sowohl über die Ukraine als auch über andere Transportwege sind weiterhin uneingeschränkt. Die Speicher in Österreich sind mit rund 28,2 TWh (Stand 26. Mai 2022) gefüllt. Dies ist ein für den April normaler Speicherfüllstand.

Dennoch sind aufgrund der anhaltenden kriegerischen Auseinandersetzung in der Ukraine vermehrt Vorkehrungen zu treffen, um auf mögliche Szenarien bestmöglich vorbereitet zu sein. Dabei ist das Worst-Case-Szenario ein kompletter Stopp der russischen Gaslieferungen nach Europa. In diesem Fall wäre es wesentlich, den Gasverbrauch insgesamt zu reduzieren, damit die Substitutionsmöglichkeiten (u.a. Speicherentnahmen, zusätzliche Importe über anderen Importrouten) für ein längeren Zeitraum zur Verfügung stehen.

Mit der Ausrufung der Frühwarnstufe ist die erhöhte Wachsamkeit, die seit dem 24. Februar 2022 in den zuständigen Behörden bereits durch Bildung von Krisenteams und regelmäßigen Sitzungen und Abstimmungen eingerichtet worden ist, formalisiert und weiter verstärkt worden.  

Was bedeuten die einzelnen Stufen des Notfallplans?

Frühwarnstufe (Stufe 1):

Sie wird ausgerufen, wenn es konkrete und zuverlässige Hinweise gibt, dass es zu einer Verschlechterung der Gasversorgung kommen könnte. Dies war in der Woche vom 4. April der Fall, da von russischer Regierungsseite angekündigt wurde, dass Gaslieferungen ab sofort in Rubel zu bezahlen sind.

In der Frühwarnstufe erfolgt vor allem eine engmaschigere Überwachung des Gasmarktes und Analyse der Situation sowie Informationen und Kommunikation an die und mit den relevanten nationalen und europäischen Stellen. Energielenkende Maßnahmen sind nicht Teil der Stufe 1.

Alarmstufe (Stufe 2):

Die Alarmstufe wird ausgerufen, wenn sich die Wahrscheinlichkeit für eine Verschlechterung der Gasversorgungslage zB durch die konkrete Ankündigung von offiziellen, zuständigen Quellen für Liefereinschränkungen oder Lieferstopp erhöht.

Der aktuelle Gasbedarf von Industrie wird abgefragt, und durch engere Abstimmung mit den Speicherbetreibern sollen Engpässe vermieden werden. Durch freiwillige Sparaufrufe soll der Verbrauch von Gas reduziert werden. Die Industrie wird auch aufgefordert, nach Möglichkeit Alternativen zu Erdgas zu nutzen.

Notfallstufe (Stufe 3):

Die Ausrufung der Notfallstufe kann dann notwendig sein, wenn mit hoher Wahrscheinlichkeit Einschränkungen in den Gaslieferungen zu erwarten sind und die aktuelle Nachfrage durch marktkonforme Maßnahmen nicht mehr gedeckt werden kann.

Priorität hat die Versorgung geschützter Kunden, der Haushaltskunden und grundlegender sozialer Dienste.

Für alle weiteren Gasverbraucher können jedoch weitergehende Energielenkungsmaßnahmen notwendig sein wie die Substitution von Erdgas durch andere Energien, aber auch hoheitlich angeordnete Verbrauchseinschränkungen oder vollständige Verbrauchsreduktionen insbesondere für Großabnehmer sind hier möglich, immer mit dem Ziel, dass die Gasversorgung von geschützten Kunden wie Haushalten und sozialen Diensten zu gewährleistet bleibt und die wirtschaftlichen Auswirkungen auf ein Mindestmaß beschränkt werden.

Voraussetzung für diese einschneidenden Energielenkungsmaßnahmen in der Notfallstufe ist eine auf Basis des Energielenkungsgesetz 2012 erlassene sog. Energielenkungs-Maßnahmen-Verordnung der Bundesministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie. Der Erlass dieser Verordnung ist kurzfristig auf parlamentarischem Weg möglich und bedarf der Zustimmung des Hauptausschusses des Nationalrates.

Wer wird im Notfall hoheitlich eingeschränkt?

Gemäß § 26 Energielenkungsgesetz 2012 können Unternehmen ohne weiteres Verfahren vorübergehend von der Belieferung ausgeschlossen bzw. in der Belieferung beschränkt werden. Großabnehmer können einer gesonderten, spezifischen Regelung unterzogen werden. Immer mit dem Ziel, Haushalte und soziale Dienste weiter mit Gas zu versorgen.

Großabnehmer sind in der Erdgas-Energielenkungsdaten-Verordnung 2017 definiert. Dies sind alle Endverbraucher mit einer vertraglich vereinbarten Höchstleistung von mehr als 50 000 kWh pro Stunde. Die Großverbraucher haben Meldepflichten aus dieser Verordnung (§ 9 und § 10 G-EnlD-VO 2017).

Mit welchen Vorlaufzeiten ist bei Energielenkungsmaßnahmen zu rechnen?

Das Ziel des zuständigen Ministeriums und der E-Control ist es, jegliche notwendigen Maßnahmen ehestmöglich zu kommunizieren, um den Verbrauchern möglichst viel Zeit zu geben, sich darauf vorzubereiten.

Wir gehen dabei in einer Situation der Einschränkung oder bei einem vollständigen Ausfall der russischen Gaslieferungen zum jetzigen Zeitpunkt (Ende der Heizsaison) davon aus, dass mehr ein energetisches als ein leistungsmäßiges Problem (wie zB in einem verbrauchsstarken Monat wie Januar) vorliegen wird und dies für einen längeren Zeitraum. Durch Speicherentnahmen können die fehlenden Gasmengen nur zu einem Teil und zeitlich beschränkt ersetzt werden, abhängig vom Zeitpunkt und Höhe der Einschränkungen der russischen Gaslieferungen, Verfügbarkeit alternativer Gastransportrouten und Gasmengen (auch aus Solidaritätslieferungen) und dem aktuellen (temperaturabhängigen) Gasverbrauch.

Daher sollten Großverbraucher alle verfügbaren Möglichkeiten zur Substitution von Erdgas durch andere Energieträger (mit Ausnahme von Strom), zeitliche Verlagerung der Produktion etc. evaluieren, um auf das Worst-Case-Szenario jederzeit vorbereitet zu sein.

Wenn dies nicht ausreicht, sind als nächster Schritt hoheitliche Energielenkungsmaßnahmen vorgesehen, die Vorgaben für prozentuelle Senkungen des Energieverbrauchs für einen festgelegten Zeitraum (Woche, Monat) umfassen.

Wer kontrolliert die Einhaltung der Maßnahmen?

Die Einhaltung der hoheitlichen Maßnahmen wird von den Netzbetreibern bzw. Systemoperatoren (AGGM) überwacht und allfällige Verstöße an die E-Control gemeldet.