E-Control: Neues Gasmarktmodell beschlossen

E-Control: Neues Gasmarktmodell beschlossen

Der Vorstand der E-Control Austria hat am 25. Mai die Verordnung zur Neugestaltung des Netzzuganges und Bilanzierung für den österreichischen Gasmarkt beschlossen. Das neue Gasmarktmodell tritt ab 1.1.2013 in Kraft.
  • Presseaussendung, am 30.5.2012

    E-Control: Neues Gasmarktmodell beschlossen

    Der Vorstand der E-Control Austria hat am 25. Mai die Verordnung zur Neugestaltung des Netzzuganges und Bilanzierung für den österreichischen Gasmarkt beschlossen. Das neue Gasmarktmodell tritt ab 1.1.2013 in Kraft.

Die Rahmenbedingungen für das neue Gasmarktmodell stehen nun fest. Nach sechs Monaten umfangreicher Diskussion und Konsultationen mit nationalen und internationalen Marktteilnehmern hat die E-Control den Verordnungsrahmen für neue Regeln des Netzzuganges und der Bilanzierung in allen drei Marktgebieten (Tirol, Vorarlberg und Marktgebiet Ost) fertig gestellt.

„Das neue Marktmodell stellt die Gasunternehmen zwar vor große Herausforderungen, bringt diesen aber auch zahlreiche Vorteile. So werden vor allem auch Kleinkunden von der Öffnung der internationalen Gasdrehscheibe für den Inlandsmarkt profitieren.“, erläutern die beiden Vorstände der E-Control DI Walter Boltz und Mag. (FH) Martin Graf den neuen Regulierungsrahmen. Die Änderungen im Marktmodell betreffen nicht nur die heimischen Gasunternehmen, sondern sind aufgrund etlicher neuer Regelungen auf den grenzüberschreitenden Transportstrecken auch international von großer Bedeutung. Die Veränderungen im österreichischen Gasmarktmodell sind auf europarechtliche Entwicklungen, nämlich aufgrund des Dritten Energiebinnenmarktpakets, zurückzuführen.

Netzzugang in den Fernleitungsnetzen wird deutlich einfacher

Ein vertraglicher One-stop Shop und eine koordinierte engpassfreie Kapazitätsverwaltung werden bestehende Barrieren für neue Gasanbieter beseitigen und neue Handelsmöglichkeiten zur Belebung des Wettbewerbes schaffen. Ein liquider Gashandelsplatz stärkt aber auch die Rolle der österreichischen Gaswirtschaft im europäischen Umfeld und erhöht die Versorgungssicherheit durch vielfältigere Bezugsmöglichkeiten.

Neues Bilanzierungsmodell erleichtert den Markteintritt

Durch die Umstellung sämtlicher Kleinkunden auf die Tagesbilanzierung bekommen die Gaslieferanten eine höhere Flexibilität, ihr Bezugsportfolio zu gestalten. Die Markteintrittsbarrieren werden durch die Möglichkeit einer Tagesbandeinspeisung weiter reduziert. „Das bedeutet, dass Lieferanten durch die Tagesbandeinspeisung eine sogenannte Bandeinspeisung, also ohne stündliche Strukturierung des Gasbezugs, vornehmen können. Das bedeutet für neue Anbieter eine wesentliche Erleichterung und soll zu geringeren Kosten für Gaskunden führen.“, erläutert Martin Graf. Die Strukturierung über die Stunde erfolgt dabei aus dem Linepack, der sogenannten Netzatmung.

Auch die Erfahrungen aus Deutschland zeigen, dass der Wettbewerb durch das neue Bilanzierungsmodell bei den Kleinkunden belebt wird. „Wir gehen davon aus, dass auch Gewerbe- und Industriekunden von den neuen Bilanzierungsregeln profitieren und sich für eine Tagesbilanzierung entscheiden werden.“, erwartet Walter Boltz.

Inkrafttreten ab 1.1.2013 mit Übergangsregelungen

Der Gesetzgeber hat für die Einführung des neuen Regelwerkes einen engen Zeitplan vorgegeben. Sämtliche Vertragsstrukturen und das neue Zusammenspiel der Markteilnehmer zur Sicherstellung eines einheitlichen Marktgebietes sowie die Umstellung der Netztarife auf das neue Entry-Exit Modell sind bis 1.1.2013 umzusetzen. Die zentrale Buchungsplattform, Day-Ahead Auktion nicht genutzter Kapazitäten sowie die Bündelung der Transportkapazität an den Grenzübergabepunkten wird ab 1.4.2013 in Kraft treten. „Damit bekommen die Marktteilnehmer mehr Zeit, ihre Systemumstellungen fristgerecht vorzubereiten.“, so Martin Graf.

Direkter Zugang zum deutschen Großhandelsmarkt spätestens bis 1.10.2013


Für die beiden westlichen Marktgebiete in Tirol und Vorarlberg wurden Regeln so ausgestaltet, dass ein direkter Zugang zu dem deutschen Handelsplatz vorgesehen wird.
„Die Integration der Marktgebiete in Tirol und Vorarlberg mit dem benachbarten Marktgebiet in Deutschland ist eine große Herausforderung für die Marktteilnehmer und gleichzeitig auch eine Chance sowohl für die Gaskunden in Tirol und Vorarlberg, aber auch für die Gaslieferanten, vom grenzüberschreitenden Wettbewerb zu profitieren.“, erläutert Martin Graf die Wettbewerbsimpulse durch den neuen Regulierungsrahmen.

„Die Einführung des neuen Marktmodells Gas und die angestrebten Verbesserungen im Sinne der Gaskunden in Österreich werden regelmäßig evaluiert werden, um weitere Verbesserungen umsetzen zu können.“, schließen die beiden Vorstände.