Steigende Kosten für Regelenergie durch höheren Bedarf und mangelnden Wettbewerb

Steigende Kosten für Regelenergie durch höheren Bedarf und mangelnden Wettbewerb

Höhere Kosten für Regelenergie wegen gestiegenen Bedarf und geringem Wettbewerb – Maßnahmen zur Kosteneindämmung zeigen erste Wirkung

Die Kosten für Regelenergie, die für die Stabilität des Stromnetzes notwendig ist und Stromerzeugung und -verbrauch zu jedem Zeitpunkt in Balance hält, erhöhten sich im vergangenen Jahr um fast zehn Prozent auf mehr als 170 Millionen Euro. 2012, als das System auf einen freien Regelenergiemarkt umgestellt wurde, waren es 157 Millionen Euro. 2011 (dem Jahr vor der Systemumstellung) waren die Kosten zwar deutlich niedriger, „ein direkter Vergleich der Kosten vor der Systemumstellung mit den jetzigen Zahlen, wie von der IG Windkraft wiederholt angestellt, hinkt allerdings“, betont Martin Graf, Vorstand der Regulierungsbehörde E-Control. „Die IG Windkraft war bisher ein Marktteilnehmer, der durch Inhalt und Fakten bekannt war. Leider agiert man in letzter Zeit eher nach dem Motto ´kritisieren ist leichter als Vorschläge erarbeiten‘ und hat als einziges Ziel die Renditeoptimierung auserkoren.“ Auch haben sich zahlreiche Rahmenbedingungen seit der Systemumstellung geändert, so Graf. „Die Rechtsgrundlage, die Entwicklung der Börsenstrompreise, aber auch die elektrischen Lastflüsse quer durch Europa haben sich seither maßgeblich verändert – auch das erschwert einen Vergleich und schafft neue Herausforderungen für die Übertragungsnetzbetreiber.“

Höherer Bedarf an Regelenergie, hohe Preise durch geringen Wettbewerb

Für die Zunahme der Kosten für Regelenergie gibt es mehrere Gründe. Zum einen ist der Bedarf an Regelenergie gestiegen, weil sich mehr volatile und schwieriger planbare Windenergie im Netz befindet. Oft weichen zudem die Prognosen der Windstromerzeugung für den nächsten Tag stark von der tatsächlichen Stromerzeugung ab, weil etwa der Zeitpunkt und die Höhe einer starken Windfront falsch eingeschätzt wurden. Aufgrund der steigenden Anzahl von Windanlagen verursacht dies einen höheren Bedarf an Regelenergie. „An einzelnen Tagen entstehen dadurch Kosten in Millionenhöhe“, berichtet Graf. Eine Verwendung von zeitnahen Prognosen für die kurzfristigere Vermarktung der Abweichungen von der ursprünglichen Prognose des Vortages durch die OeMAG (Abwicklungsstelle für Ökostrom) wird derzeit evaluiert. „Es muss gelingen, den Bedarf an Regelenergie bei der Vermarktung des erzeugten Windstromes zu verringern“, sagt Graf. Der andere Grund für die gestiegenen Kosten, sind die sehr hohen Preise am Regelenergiemarkt. Seit 2012 entsteht der Preis für alle Regelreserveprodukte in einem freien Markt, wie dies von der EU vorgegeben ist. „Es gibt aber nur wenige Player, die am österreichischen Regelenergiemarkt teilnehmen. Der Wettbewerb ist gering“, erklärt Martin Graf. Derzeit sind auf dem Markt vor allem die großen heimischen Energieversorger tätig. Projekte auch die Windkraftindustrie in diesem Markt zu integrieren sind leider bisher gescheitert.

Eintritt für neue Anbieter wird erleichtert

„Um den Wettbewerb zu erhöhen, wird der Eintritt in den Regelenergiemarkt durch gezielte Maßnahmen erleichtert“, sagt Graf. Durch neue Anbieter erhofft sich Graf sinkende Preise für die Regelenergie. So könnten auch verstärkt Industriebetriebe mit einem hohen Stromverbrauch bzw. eigenen Stromerzeugungsanlagen am Regelreservemarkt teilnehmen. Derzeit bietet ein erst Industrieunternehmen am Regelreservemarkt an. Graf: „Zukünftig soll auch das Pooling erleichtert werden. Damit können etwa Betreiber kleinerer Anlagen – sowohl auf Erzeugungs- als auch Verbraucherseite – sich zusammentun und Regelenergie anbieten.“ Zusätzlich bringt seit Anfang 2014 ein spezielles Netznutzungsentgelt eine finanzielle Gleichstellung potenzieller neuer Teilnehmer mit Verbrauchern am Regelreservemarkt und damit einen Beitrag zur Eindämmung der Kosten.

Kosten durch internationale Kooperation gesenkt

Um die Kosten für die Regelenergie einzudämmen, wurden bereits im vergangenen Jahr einige Maßnahmen getroffen. So sind die Kosten der Beschaffung durch die Austrian Power Grid AG (Regelzonenführer für Österreich) durch internationale Kooperationen gesunken. Eine gemeinsame Beschaffung der Primärregelreserve mit der Schweiz und ein gegenseitiges Anrechnen beim Abruf von Sekundärregelenergie mit Slowenien wurden 2013 erfolgreich umgesetzt und haben bisher einen zweistelligen Millionenbetrag eingespart. Seit Ende April ist eine ähnliche Regelung auch mit Deutschland und seinen Nachbarländern in Betrieb. „Wir erwarten uns dadurch deutliche Kosteneinsparungen“, betont Graf. Ende des Jahres soll eine weitere Kooperation mit Deutschland starten, an weiteren Kooperationsprojekten wird gearbeitet.

Graf: „Alle Beteiligten müssen an einem Strang ziehen“

Im ersten Quartal dieses Jahres sind die Kosten für die Regelenergie zwar nochmals gestiegen, zuletzt haben aber die gesetzten Maßnahmen Wirkung gezeigt, sagt Vorstand Graf. „Die Preise für Regelleistung sind zuletzt deutlich gefallen und liegen teils auch unter dem deutschen Niveau. Wenn es gelingt, neue Teilnehmer in den Markt zu holen und die weiteren Maßnahmen umzusetzen, sind wir zuversichtlich, dass die Kosten nachhaltig sinken“, sagt Graf. Wichtig wäre auch, den Bedarf an Regelenergie bei der Vermarktung des erzeugten Windstromes durch die OeMAG zu verringern. „Wir tun alles, um das Gesamtsystem billiger zu machen. Es ist aber nötig, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen, konstruktiv mitarbeiten und das eine oder andere Mal das Eigeninteresse hinten anstellen“, appelliert Graf. Wie sich die Kosten für die Regelenergie weiter entwickeln, hänge von dem Verhalten aller Beteiligten ab.