Zurück Großhandelsmärkte: Hitze, Trockenheit und anhaltender Nahost-Konflikt bestimmen Preise
Die Folgen des Konflikts im Nahen Osten sind an den europäischen Gasgroßhandelsmärkten weiterhin deutlich spürbar. Der Konflikt und die Sperre der Straße von Hormus betreffen rund ein Fünftel des globalen Angebots für Flüssiggas (LNG), welches für die europäische Gasversorgung wesentlich ist. Durch den globalen Charakter des LNG-Marktes ist der Wettbewerb zwischen europäischen und asiatischen Käufern um vorhandene LNG-Ladungen ein wesentlicher Faktor für die Preisbildung. Fortschritte in den Friedensgesprächen und die Unterzeichnung der Absichtserklärung zwischen den USA und dem Iran am 18. Juni ermöglichten eine Wiederaufnahme des Transports durch die Straße von Hormus. Zwar bewegte sich der Schiffsverkehr weiterhin auf reduziertem Niveau, dennoch führte die Aussicht auf wiederaufgenommene Handelsströme im Vergleich zum Krisenbeginn im März 2026 zu einer spürbaren, wenn auch volatilen Entspannung der Großhandelspreise für Gas. Am österreichischen Handelsplatz CEGH fiel der Spotpreisindikator CEGHEDI auf unter 45 EUR/MWh und somit auf das niedrigste Niveau seit Beginn der militärischen Auseinandersetzung im März 2026.
Mit dem Bruch des Waffenstillstands am 8. Juli wurden schlagartig neue Risikoprämien eingepreist. Die Erwartung länger andauernder Angebotseinschränkungen in einer relevanten Phase der Speicherbefüllung bewirkte einen Preissprung auf bis zu 65 EUR/MWh – dies markierte den vorläufigen Höchststand des aktuellen Handelsjahres bzw. das höchste Niveau seit Januar 2023. Ankündigungen neuer Friedensverhandlungen und einer Einigung zwischen dem Iran und dem Oman über geschützte Transitrouten in der Straße von Hormus führten zu temporären Preisrückgängen auf unter 55 EUR/MWh, gegensätzliche Wortmeldungen der Konfliktparteien jedoch wieder zu Preissteigerungen. Aktuell liegt der kurzfristige Day-Ahead Gaspreis bei 62 EUR/MWh (Datenstand 14.08.2026) und somit empfindlich über dem Durchschnittpreis von 36 EUR/MWh im August des Vorjahres. Auch die Wetterbedingungen stützten das hohe Gaspreisniveau im Spothandel. Außergewöhnliche Hitzewellen erhöhten den Kühlbedarf und damit die Gasnachfrage der europäischen Stromerzeuger. Ähnlich hohe Temperaturen in Asien verschärften zugleich die Wettbewerbssituation um kurzfristig verfügbares LNG.
Der Stromgroßhandel war im Handelsjahr 2026 von unterschiedlichen Rahmenbedingungen und Herausforderungen geprägt. Zu Jahresbeginn ereignete sich zunächst eine unerwartet lange Kälteperiode, welche im Kontext eingeschränkter Kraftwerksverfügbarkeiten zu erheblichen Preisausschlägen im Spothandel führte. Mit steigenden Temperaturen und einer erhöhten Verfügbarkeit von erneuerbarer Erzeugung etablierten sich im Frühjahr zunächst geringere Preisniveaus und Häufungen von Überschussstrom mit negativen Preisen um die Mittagsstunden. Durch die Preisentwicklungen im Gasmarkt kam es zu erheblichen Anpassungen der Gasverstromungskosten, die ein wesentlicher Parameter für die Preisbildung an den Tagesrandzeiten sind. Von besonderer Bedeutung für den österreichischen Spothandel war die im Jahresverlauf immer stärker ausgeprägte Trockenheit, die zu außergewöhnlichen Einschränkungen der Wasserkrafterzeugung und somit zu verstärkter Importtätigkeit führte.
All diese Faktoren trugen zu steigenden Spotpreisen im Stromgroßhandel bei. Seit Mai 2026 lag der monatliche Day-Ahead Durchschnittspreis (Base) bei über 100 EUR/MWh und somit erheblich über den Preisniveaus der zurückliegenden drei Vergleichsjahre.
In den Sommermonaten wurde zudem in Phasen ausgeprägter Hitze zusätzlicher Strombedarf für Kühlungszwecke generiert. In der letzten Hitzewelle im August kam es aufgrund von unzureichendem Kühlwasser auch zu wesentlichen Einschränkungen nuklearer Erzeugungskapazitäten in Zentraleuropa, die zu erheblichen Anpassungen der grenzüberschreitenden Handelsströme führte. Unter diesen Bedingungen erreichten die Spotpreise für österreichische Lieferung im August im Durchschnitt beachtliche 144 EUR/MWh (Base) bzw. 219 EUR/MWh in den Abendstunden (Datenstand 14.08.2026).
Quelle: E-Control vergrößern