Österreichs Stromkunden 2014 praktisch atomstromfrei

Im vergangenen Jahr ist  der Anteil von Atomstrom bei Haushalten und Industrie in Österreich auf praktisch null gesunken – Ökostromanteil kletterte auf knapp 90 Prozent.

Der 2014 an österreichische Kunden gelieferte Strom war praktisch atomstromfrei, der Anteil von Strom aus erneuerbaren Energieträgern kletterte auf knapp 90 Prozent. Das besagt der neue Stromkennzeichnungsbericht der Energieregulierungsbehörde E-Control. Haushalte erhielten aufgrund der im Nationalrat beschlossenen vollständigen Stromkennzeichnungspflicht bereits 2013 keinen Graustrom mehr, 2014 wurde auch an die Industrie faktisch kein Graustrom geliefert. Der Anteil von Graustrom betrug im vergangenen Jahr in Österreich aufgrund schiefer Wirtschaftsjahre einiger Energielieferanten 0,27 Prozent (2013: 6,8 Prozent), das ergibt rechnerisch einen Atomstromanteil von 0,1 Prozent (2013: 2,55 Prozent).

„Österreichs Stromkunden sind de facto atomstromfrei“, sagt E-Control-Vorstand Martin Graf. Insgesamt gab es 2014 für 99,7 Prozent der Strommenge entsprechende Herkunftsnachweise, 2013 waren es 93,2 Prozent. „Der Strom in Österreich hat nun endgültig durchgehend ein Mascherl. Bei so gut wie jeder Kilowattstunde ist bekannt, um welchen Strom es sich handelt“, betont Martin Graf.

Vorstand Martinm Graf bei der Präsentation des Stromkennzeichungsberichts 2015

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"Österreichs Stromkunden sind de facto atomstromfrei!" Martin Graf

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Ökostromanteil kletterte auf knapp 90 Prozent

Der Anteil von Strom aus erneuerbaren Quellen stieg in der Stromkennzeichnung 2014 um 10,5 Prozentpunkte auf 89,1 Prozent. „Neun von zehn gelieferten Kilowattstunden waren zu 100 Prozent mit Ökostrom gekennzeichnet“, betont Graf. Der Anteil fossiler Energieträger (Kohle, Öl, Gas) sank um vier Prozent auf 10,4 Prozent. Die bekannten sonstigen Energieträger (vorwiegend Bioabfälle und Klärschlamm) blieben unverändert bei 0,3 Prozent. Der Anteil von Graustrom sank auf nahezu null. „Diese Entwicklungen sind vor allem auf die gesetzlich beschlossene vollständige Stromkennzeichnungspflicht und eine äußerst sorgfältige Umsetzung der Stromlieferanten zurückzuführen“, erläutert Graf.

Durchschnittlicher österreichischer Strommix 2014:

  • 89,10 % bekannte erneuerbare Energieträger (2013: 78,6 %)
  • 10,36 % bekannte fossile Energieträger (14,35 %)
  • 0,26 % bekannte sonstige Primärenergieträger (0,27 %)
  • 0,27 % Graustrom/Strom unbekannter Herkunft laut ENTSO-E-Mix (6,8 %)

Weniger CO2-Emissionen

Die Umweltbilanz hat sich im vergangenen Jahr deutlich verbessert. Die CO2-Emissionen pro verbrauchter Kilowattstunde Strom gingen 2014 um knapp 45 Prozent auf 58,04 Gramm CO2 zurück. 2013 waren es 103,33 Gramm CO2 pro Kilowattstunde. Der radioaktive Abfall sank im vergangenen Jahr auf 0,002 Milligramm pro Kilowattstunde, 2013 waren es 0,05 Milligramm.

Nachweise zu knapp 70 Prozent aus Österreich

Die 2014 für die Stromkennzeichnung eingesetzten Herkunftsnachweise stammten zu 69,11 Prozent aus Österreich, 2013 waren es 73,10 Prozent. Knapp ein Fünftel der Nachweise kam aus Norwegen (18,25 Prozent). Kleinere Mengen an Zertifikaten stammten aus Schweden, Slowenien, Deutschland, den Niederlanden, Finnland und aus Frankreich (siehe Tabelle). Alle eingesetzten Nachweise wurden korrekt ausgestellt und eingesetzt. 

26 neue Grünstromlieferanten, neuer Rekord bei Ökostrommenge

Die Zahl der Ökostromlieferanten hat sich 2014 um knapp ein Viertel auf 107 erhöht. Zu den bislang 81 Grünstromlieferanten kamen innerhalb eines Jahres 26 neue dazu. Die Gesamtabgabemenge aller Ökostromanbieter (inklusive Landesenergieversorger, die reine Grünstromanbieter sind) hat sich beinahe verdoppelt auf 30.456 Gigawattstunden, 2013 waren es noch 17.412 Gigawattstunden, 2012 waren es 9.184 Gigawattstunden. „Innerhalb von drei Jahren hat sich die Menge des abgegebenen Ökostroms mehr als verdreifacht“, verdeutlicht Martin Graf die markanten Steigerungen der vergangenen Jahre. Die Erhöhungen sind vor allem auf den Umstieg einiger großer Lieferanten auf einen reinen Grünstrommix zurückzuführen. „Noch nie gab es so viele Ökostromlieferanten und noch nie wurde so viel Ökostrom an Kunden geliefert“, sagt Martin Graf.

Anteil gekennzeichneten Stroms kontinuierlich gestiegen

In den vergangenen Jahren sind der Graustromanteil und damit auch der Anteil von Atomstrom in Österreich stark gesunken. Seit 2007 ging der Anteil von unbekanntem Graustrom von 20 Prozent auf nahezu null zurück, faktisch der gesamte an Endverbraucher gelieferte Strom in Österreich ist mittlerweile gekennzeichnet. „Die Entwicklung der vergangenen Jahre ist beeindruckend. Der hohe Anteil an gekennzeichnetem Strom zeigt die hohe Relevanz und Akzeptanz der Stromkennzeichnung in Österreich“, betont Martin Graf.

Importe und Exporte von Nachweisen halten sich in Österreich die Waage

Die Anforderungen an die Stromkennzeichnung werden europaweit immer stärker vereinheitlicht. Dadurch steigt der Bedarf an handelbaren Nachweisen. Österreichs Handelsbilanz von Nachweisen für Strom ist in etwa ausgeglichen, es werden in etwa so viele Zertifikate exportiert wie importiert. Länder wie Belgien, Schweden oder Norwegen, die eine vergleichbare Größe wie Österreich haben, importierten 2013 deutlich größere Mengen an Nachweisen als Österreich.

Immer mehr europäische Länder steigen auf herkunftsbasiertes Modell um

Immer wieder fordern NGOs, die Stromkennzeichnung nicht herkunftsbasiert abzuwickeln, sondern an tatsächliche Lieferverträge zu knüpfen. „Wir haben Verständnis für dieses Anliegen, es gibt aber gute Gründe, das System so zu belassen wie es ist“, sagt E-Control-Vorstand Graf. Das jetzige System sei sehr transparent und das einzige, das in der Praxis effizient durchführbar sei. „Das herkunftsbasierte System ist das effizienteste, das es gibt. Nicht umsonst steigen immer mehr Länder in Europa auf das in Österreich angewandte herkunftsbasierte System um.“ Ein auf Lieferverträgen basierendes System wäre in der Praxis nur schwer und mit einem unverhältnismäßig hohen Verwaltungsaufwand umsetzbar. Außerdem bestünde dann die Gefahr von Doppelzählungen. Auch Börsenstrom müsste berücksichtigt werden – dessen Herkunft ist aber schwer nachvollziehbar, da eine Kilowattstunde Strom oft mehrmals gehandelt wird. Auch gesamteuropäisch betrachtet wäre die Umstellung auf ein vertragsbasiertes System ein Rückschritt.

Wunschzustand heimischer Stromkunden zu knapp 90 Prozent erreicht

Der Großteil der Österreicher wünscht sich, dass der von ihnen bezogene Strom zu 100 Prozent aus Ökostrom besteht, zu 100 Prozent mit Nachweisen belegt ist und die Nachweise zu 100 Prozent aus Österreich stammen. Dieser Wunschzustand heimischer Stromkunden wurde 2014 zu rund 90 Prozent erreicht, wie ein von der E-Control entwickelter Stromkennzeichnungsindex zeigt, der verschiedene Parameter je nach Wichtigkeit gewichtet. „Die Bevölkerung wünscht sich heimischen Ökostrom und volle Transparenz. Diesem österreichspezifischen Idealzustand sind wir schon sehr, sehr nahe“, betont Martin Graf. „Man darf aber zwei Dinge nicht vergessen: Wir haben uns zu einem liberalisierten europäischen Markt bekannt und 100 Prozent Ökostrom ist kein Projekt, das sich über Nacht und völlig kostenlos realisieren lässt.“