Neue Energiekunden oder wie viel Schutz braucht ein Kunde?

Mag. Christina Veigl-Guthann, LL.M.
Leiterin der Abteilung Endkunden

Mag. Christina Veigl-Guthann Mag. Christina Veigl-Guthann ist seit 2005 für die
E-Control tätig und leitet hier seit September 2007 die Abteilung Endkunden. Im Nachfolgenden reflektiert sie einige Fragestellungen und Herausforderungen zur Position der Haushaltskunden im Stom- und Gasmarkt, die derzeit v.a. auch auf europäischer Ebene viel diskutiert werden.

Auf europäischer Ebene ist eines klar: die Energiemärkte performen nicht so, wie sie sollten. Schon gar nicht für Haushaltskunden, die zunehmend in den Fokus der EU-Kommission geraten. Und noch weniger für „schutzbedürftige Kunden“, so der Tenor. Das dritte Binnenmarktpaket für den Energiemarkt hat daran bislang nichts oder zu wenig geändert.

In Brüssel wird daher immer stärker darüber nachgedacht, welche Maßnahmen es braucht, damit der Markt auch tatsächlich die Vorteile in die europäischen Haushalte bringt, die allseits erwartet wurden und werden. Kunden müssen also effektiver geschützt werden – das gilt für einen funktionierenden Markt aber natürlich noch mehr, wenn dieser nicht funktioniert.

Die Bürgerinnen und Bürger werden heute bereits viel stärker mit energierelevanten Themen konfrontiert, als dies noch vor ein paar Jahren der Fall war. Der bevorstehende Einbau von Smart Metern wird diese Tendenz zunehmend beschleunigen, steigende Energiepreise das ihre dazu tun. Müssen wir die Kunden daher noch mehr schützen? Vor wem? Dem Markt? Den Monopolisten? Der Informationsflut? Oder dem Informationsdefizit? Vor neuen Produkten oder davor, dass es keine gibt?

Was kann man Kunden zumuten oder anders gefragt, was darf man auch von ihnen verlangen?
Auf dem Gasmarkt bewegt sich seit geraumer Zeit doch einiges, neue Anbieter treten in den Markt ein, die Hoffnung, dass der Wettbewerb in Österreich doch endlich in Schwung kommt, bekommt neue Nahrung.

Der Kunde soll heute Preise vergleichen, Preismodelle verstehen, Boni durchschauen und Geschäftsbedingungen studieren. Er soll seine Rechnung lesen, mehr noch, sie verstehen, soll sich mit seinem Verbrauch auseinandersetzen, soll einschätzen können, ob dieser hoch oder niedrig ist, welche Maßnahmen gesetzt werden können, um diesen zu verringern. Wir brauchen informierte Kunden, die darum rittern, die wenigsten kWh pro Kopf in der Straße zu verbrauchen. Ist das eine Utopie?

Aus den jüngst veröffentlichten Dokumenten der EU kann eine zunehmende Ungeduld festgestellt werden: Überall dort, wo aus Sicht der Kommission die Resultate nach wie vor nicht so sind, wie sie sein sollten, wird nachgelegt. Noch handelt es sich dabei um unverbindliche Aussagen, nachzulesen etwa im Abschlussdokument des letzten Citizens‘ Energy Forum (London Forum) oder der Mitteilung der Kommission „Making the internal energy market work“ (selten kam in einem energierelevanten Dokument so oft da Wort „Kunde“ vor, dicht gefolgt von „schutzbedürftiger Kunde“), doch was sind die nächsten Schritte?

Wir tun daher gut daran, die Herausforderungen der Zeit besser heute als morgen umzusetzen und den Energiemarkt mit Leben zu erfüllen, denn in 2013 werden auf EU Ebene wichtige Weichenstellungen vorzubereiten sein und es wird für die mittelfristige Zukunft sehr entscheidend sein, in welchem Zustand sich gerade 2013 die Märkte in Europa und damit eben auch in Österreich präsentieren.

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