Versorgungssicherheit im österreichischen Gasmarkt

Der seit Monaten anhaltende Konflikt zwischen Russland und der Ukraine über die Zahlungen der Gaslieferungen hat eine Diskussion über die Folgen einer Einschränkung der Gaslieferungen aus Russland entfacht.

Seit 16. Juni 2014 hat nunmehr Gazprom die Lieferungen an die Ukraine eingestellt, die Belieferung von Vertragspartnern in der EU ist bislang von diesen Einschränkungen nicht betroffen, da die Transite durch die Ukraine ungestört abgewickelt werden.

Abb 1: Gasnetzleitwarte
Für den Fall von allfälligen Lieferengpässen ist die österreichische Gaswirtschaft dabei im Vergleich zu anderen mittel- und osteuropäischen Ländern in einer komfortablen Situation, da die Infrastruktur ausreichend vorhanden ist, um russische Gaslieferungen zu ersetzen: die Importkapazitäten aus Deutschland und Italien, die Speicherentnahme und die inländische Produktion können diese Ausfälle kompensieren.

Voraussetzung dafür ist, dass die Gaslieferanten diese Optionen nutzen. Daher hat E-Control ein Schreiben an alle in Österreich tätigen Gasversorger gesandt, in dem diese auf die gesetzliche Verpflichtung (§ 5 Abs 2 Z 1 GWG 2011) zur Erreichung und Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit auch im Falle von allfälligen Lieferunterbrechungen am Entry-Exit Punkt Baumgarten hingewiesen werden.
Des weiteren wird E-Control auch dieses Jahr wieder im Detail kontrollieren, ob die Gasversorger auch im Falle eines extrem langen oder kalten Winters über ausreichende Gasmengen verfügen, um die Versorgung ihrer Haushaltskunden mit Gas gesichert aufrechterhalten und somit auch die Vorgaben der Europäischen Union erfüllen zu können.

Die Verordnung der EU zum Versorgungsstandard Gas definiert Extremszenarien, für die die Versorger entsprechend gewappnet sein müssen. Demnach muss etwa die Versorgung auch dann gewährleistet sein, wenn extreme Temperaturen an sieben aufeinanderfolgenden Tagen zusammen mit einem Spitzenverbrauch auftreten oder wenn ein außergewöhnlich hoher Gasverbrauch über einen Zeitraum von mindestens 30 Tagen verzeichnet wird. Beide Verbrauchsszenarien sind Extremfälle, mit deren Eintritt auf Basis von statistischen Wahrscheinlichkeiten nur einmal in 20 Jahren gerechnet werden muss. Als dritte Anforderung besagt die Verordnung der EU zudem, dass die Versorgung der Haushaltskunden für mindestens 30 Tage gewährleistet sein muss, auch wenn es zu einem Ausfall der größten einzelnen Gasinfrastruktur unter durchschnittlichen Winterbedingungen kommt.

Mittlerweile hat der Befüllungsstand der Speicher in Österreich, die direkt an das Marktgebiet Ost angeschlossen sind (ohne Speicher Haidach), mit 71% der gesamten Speicherkapazität ein sehr hohes Niveau erreicht und liegt deutlich über dem Speicherstand zum gleichen Zeitpunkt im letzten Jahr. Auch in den an Österreich angrenzenden Ländern wie Deutschland und Italien haben die Speicherstände das Vorjahresniveau bereits deutlich überschritten. Zudem ist die Einspeichersaison noch nicht zu Ende.



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