Kapazitätsmärkte und -mechansimen

Der Einfluss erneuerbarer Energien auf den Stromgroßhandel aber auch das hohe Gaspreisniveau und energiepolitische Entscheidungen, wie der Kernenergieausstieg in Deutschland, haben im letzten Jahr eine europäische Diskussion über Kapazitätsmärkte und –mechanismen im Erzeugungsbereich in Gang gesetzt.
Kapazitätsmechanismen in Europa, Quelle: E-Control
Abb 1: Kapazitätsmechanismen in Europa, Quelle: E-Control
Diese Diskussion hat die Europäische Kommission dazu veranlasst, eine Public Consultation unter dem Titel „Generation adequacy, capacity mechanisms and the internal market in electricity“ durchzuführen, um die Notwendigkeit eines solchen Markteingriffs in Erfahrung zu bringen. Die E-Control hat im Rahmen eines gemeinsamen Antwortschreibens mit CEER an der Befragung teilgenommen und ihre Position eingebracht. Diese sieht eine Stärkung des derzeitigen Marktmodells statt vorschnelle Entscheidungen für alternative Konzepte, wie Kapazitätsmärkte und –mechansimen, vor.

Generation adequacy, capacity mechanisms and the internal market in electricity

Informationen zur Public Consultation auf der Website der Europäischen Kommission
-> ec.europa.eu/energy/gas_e...eneration_adequacy_en.htm
icon

Neben dieser offiziellen Stellungnahme CEERs wird das Thema „Kapazitätsmärkte und –mechanismen“ derzeit auch im Rahmen einer ACER- Arbeitsgruppe unter intensiver Einbindung nationaler Regulatoren untersucht. Der Fokus der Betrachtung liegt hierbei speziell auf möglichen grenzüberschreitenden Effekten, den Auswirkungen dieser Mechanismen auf die europäische Marktintegration sowie deren Einfluss auf die Effizienz des Strommarktes. Dabei geht es um Auswirkungen auf die kurzfristige Effizienz, wie z.B. Einsatzentscheidungen von Erzeugern, sowie auf die langfristige Effizienz, wie z.B. Investitionsentscheidungen von Erzeugern. Erste Zwischenergebnisse werden für April 2013 erwartet und die weitere Vorgehensweise der Arbeitsgruppe bestimmen.

E-Control Veranstaltung „Benötigen Energiemärkte Kapazitätsmechanismen? Was können wir von den Erfahrungen in den USA lernen?“

Das Thema Kapazitätsmärkte wurde auch beim zweiten Energiewendefrühstück der E-Control Mitte Februar angeregt diskutiert. Für Österreich sind Kapazitätsmechanismen nicht nötig, stellte E-Control Vorstand Martin Graf im Rahmen der Veranstaltung fest. „Österreich ist mit Stromerzeugungskapazitäten gut ausgestattet.“ Eine Diskussion über Kapazitätsmechanismen ist nur auf europäischer Ebene sinnvoll.

2. Energiewendefrühstück der E-Control

Informationen, Präsentationen und Bilder von der Veranstaltung
-> /de/marktteilnehmer/infos...ts/kapazitaetsmechanismen
icon


Auf grenzüberschreitende Lösungen setzen

In Mitteleuropa gibt es durchaus Kapazitätsreserven. Nationale Alleingänge machen daher keinen Sinn. „Anstelle von Kapazitätsmärkten sollten vor allem grenzüberschreitende Lösungen in Betracht gezogen werden, etwa dass Länder, die gerade zusätzliche Energie benötigen, auf Erzeugungskapazitäten von Nachbarländern zurückgreifen können“, erläuterte Graf. „Es gilt, das Energiesystem für die nächsten Jahrzehnte zukunftsfit zu machen.“ Kapazitätsmechanismen gibt es derzeit in Schweden, Finnland, Polen, Griechenland, Italien, Spanien, Portugal und Irland – teils mit strategischen Reserven, teils mit Kapazitätszahlungen. In Diskussion sind Kapazitätsmechanismen unter anderem in Deutschland, Frankreich oder Großbritannien. Reine Energiemärkte gibt es unter anderem in Österreich, den Niederlanden oder Ungarn.

Österreich hat Hausaufgaben gemacht

Zur Diskussion um eine "Strompreisbremse" wie sie aktuell in Deutschland stattfindet, sagte Graf, dass Österreich bereits einige Hausaufgaben gemacht hat, die in Deutschland noch diskutiert werden. Als Beispiele gab Graf an, dass die Ökostromförderung in Österreich seit Beginn gedeckelt ist und die Garantie für Einspeisetarife in Österreich für 13 Jahre, in Deutschland hingegen für 20 Jahre läuft. „Auch gibt es hierzulande noch keine `toten Anlagen´ wie in Deutschland und bisher auch keine Probleme mit dem Netzanschluss der Ökostrom-Anlagen. Außerdem ist bei uns die Aufteilung der Kostenlast zwischen Haushalten und Industrie `gerechter´ als in unserem Nachbarland“, so Graf.

Amerikanische Kapazitätsmärkte fokussieren großteils auf Nachfrageseite

Gastreferent Jürgen Weiss, Energieökonom und Leiter des Bereichs „Klimawandel“ bei der Brattle Group, einem international tätigen Beratungsunternehmen mit Sitz in den USA, erklärte bei der Veranstaltung, dass in den USA ein guter Teil des Kapazitätsmarktsystems von der Nachfrageseite getragen wird. Dabei verpflichtet sich beispielsweise ein Verbraucher zu einer bestimmten Zahl von Abschaltungen, wenn dies nötig ist. Er wird dafür jedoch entschädigt, zum Beispiel mit dem Strompreis, den er erhält.

Für Martin Graf ist das amerikanische Modell nicht auf Europa übertragbar: „Ich halte ein Kapazitätsmarktmodell wie in den USA in Europa für nicht notwendig. Davor sollten andere Maßnahmen gesetzt werden, etwa im Bereich der Netze oder der Effizienz.“ Dennoch könne aus den Erfahrungen in den USA viel gelernt werden.


Zurück zur Übersicht