Graustromanteil im vergangenen Jahr weiter gesunken

Der Anteil von Strom unbekannter Herkunft (Graustrom) in der österreichischen Stromkennzeichnung hat sich im vergangenen Jahr halbiert und ist auf 7,3 Prozent gesunken. 2011 betrug der Anteil noch 13,9 Prozent.

„Die zukünftige vollständige Stromkennzeichnung wirft bereits ihre Schatten voraus. Der Anteil von Graustrom und damit der Anteil von Atomstrom haben einen neuen Tiefstand erreicht“, kommentiert E-Control-Vorstand Martin Graf die Ergebnisse des neuen Stromkennzeichnungsberichts der Energieregulierungsbehörde, der heute präsentiert wurde. Durch die im Juli vom Parlament beschlossene vollständige Stromkennzeichnungspflicht ist bis Ende 2015 jede Kilowattstunde Strom mit einem Nachweis zu versehen, es darf kein Strom unbekannter Herkunft (Graustrom) mehr ausgewiesen werden (für Haushaltskunden gilt die Regelung bereits ab Ende dieses Jahres, für die Industrie ab Ende 2015). Auch Strom aus Pumpspeicherkraftwerken muss gekennzeichnet werden. Strom unbekannter Herkunft bestand 2012 laut ENTSO-E-Mix (ohne Erneuerbare) zu 35,7 Prozent aus Atomenergie. Der Anteil von Atomstrom ist auch in Europa leicht gesunken. Rein rechnerisch lag der Anteil von Atomstrom in Österreich im vergangenen Jahr bei 2,6 Prozent, 2011 waren es noch 4,9 Prozent. „In den vergangenen Jahren ist der Atomstromanteil in Österreich kontinuierlich gesunken“, sagt Graf. Die Stromkennzeichnung wird von der E-Control als einzige dafür zuständige Stelle administriert und überwacht.

Anteil Erneuerbarer gestiegen
Der mit erneuerbaren Energieträgern gekennzeichnete Strom hat im vergangenen Jahr um zehn Prozentpunkte zugelegt. Drei Viertel (74,5 Prozent) des an österreichische Haushalte, Gewerbe- und Industriebetriebe gelieferten Stroms stammte 2012 aus Erneuerbaren. 2011 waren es 64,4 Prozent. Vor allem der Anteil der Wasserkraft hat im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. „Im vergangenen Jahr gab es deutlich mehr Wasser als 2011. Dadurch konnte mehr Strom aus Wasserkraft erzeugt werden und es standen mehr heimische Wasserkraftzertifikate zur Verfügung“, erläutert Vorstand Martin Graf. Zugleich sind im vergangenen Jahr die Importe von norwegischen Wasserzertifikaten stark angestiegen. Der Anteil der fossilen Energieträger ist 2012 leicht gesunken und lag bei 17,9 Prozent, im Jahr zuvor waren es 21,4 Prozent.

Weniger CO2-Emissionen durch höheren Einsatz von Wasserkraftnachweisen
Die Umweltbilanz hat sich im vergangenen Jahr durch den gestiegenen Anteil der Erneuerbaren verbessert. Aufgrund des vermehrten Einsatzes von Wasserkraftnachweisen haben sich die CO2-Emissionen um rund ein Drittel reduziert. 2012 fielen für die Produktion einer Kilowattstunde Strom im Durchschnitt 129 Gramm CO2 und 0,05 Milligramm radioaktiver Abfall an. 2011 waren es noch 192,5 Gramm CO2 und 0,1 Milligramm radioaktiver Abfall.

93 Prozent der Strommenge mit Nachweisen belegt
Mittlerweile sind 92,7 Prozent der für österreichische Endkunden (Haushalte, Gewerbe und Industrie) eingesetzten und in der Überprüfung erfassten Strommengen mittels Nachweisen belegt. „Strom hat damit schon jetzt fast durchgängig ein Mascherl“, sagt Vorstand Martin Graf. Die restlichen 7,3 Prozent sind nicht mit Nachweisen belegt und als Strom unbekannter Herkunft zu deklarieren. Dreiviertel der für die Stromkennzeichnung eingesetzten Nachweise stammen aus Österreich (74,99 Prozent). Etwas mehr als ein Fünftel der Nachweise kommt aus Norwegen (22,16 Prozent). Danach folgen kleinere Mengen an Zertifikaten aus Deutschland, der Schweiz, Schweden und den Niederlanden.

Zahl der Grünstromanbieter gestiegen
Die Zahl der Ökostromanbieter hat sich in Österreich erhöht. Insgesamt 56 Lieferanten haben im vergangenen Jahr Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Energien angeboten. Im Jahr 2011 waren es noch 47 Grünstromanbieter. Die Gesamtabgabemenge aller Ökostromanbieter (inklusive Landesenergieversorger, die reine Grünstromanbieter sind) hat sich mehr als verdoppelt und lag 2012 bei 9.184 Gigawattstunden, 2011 waren es noch 4.137 Gigawattstunden. „Dieser Anstieg liegt hauptsächlich am Umstieg des Kärntner Landesenergieversorgers KELAG auf einen reinen Grünstrommix“, erläutert Harald Proidl, Leiter der Abteilung Ökoenergie und Energieeffizienz.

Transparentes und vertrauenswürdiges System
Das österreichische Stromkennzeichnungsmodell ist ein nachweisbasiertes System. Alle Stromlieferanten, die in Österreich Endverbraucher mit Strom beliefern, müssen gesetzeskonforme Nachweise vorlegen. Kann für eine Strommenge kein Nachweis vorgelegt werden, so ist dieser als „Strom unbekannter Herkunft“ auszuweisen. „Durch unseren nachweisbasierten Ansatz und die Abwicklung über eine zentrale österreichische Datenbank haben wir ein äußerst transparentes und vertrauenswürdiges System, das Betrugsrisiken, wie Doppelausgabe und -verwendung, praktisch ausschließt“, betont Harald Proidl.

Stromkennzeichnungsbericht

Der vollständige Stromkennzeichnungsbericht 2013 kann unter folgendem Link heruntergeladen werden:
-> www.e-control.at/de/publi...tromkennzeichnungsbericht
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