Essay: ...beat the target!

Mag. Norbert Fürst, Leiter der Abteilung Tarife


Abb 1: Mag. Norbert Fürst
Mag. Norbert Fürst ist seit 2005 bei der E-Control tätig und leitet seit Juli 2011 die Abteilung Tarife. Im nachfolgenden Essay erläutert er die Regulierungssystematik für die dritte Regulierungsperiode der Stromverteilernetzbetreiber.

Zur Förderung der produktiven Effizienz, werden regulierte Stromverteilernetzbetreiber mit 1.1.2014 neuerlich „beanreizt“, die Unternehmensführung in diesem Sinne auszugestalten. Während diese Anreize für einige Unternehmen bereits zum dritten Mal gewährt wurden, erfolgte durch das ElWOG 2010 eine Ausdehnung auf alle Stromverteilernetzbetreiber mit einer Abgabemenge von über 50 GWh des Kalenderjahres 2008. Zusätzlich stellen sich auch noch weitere 11 oberösterreichische Verteilernetzbetreiber freiwillig dieser Systematik, die es den jeweiligen Unternehmen erlaubt, mittels einer zwischenzeitlichen unternehmensindividuellen Entkopplung der tatsächlichen Kosten von einem ex-ante determinierten Kostenpfad über einen fünfjährigen Zeitraum (bis 31.12.2018) Übergewinne (über die regulatorisch zugestandenen kalkulatorischen Kapitalkosten hinausschießende) zu erzielen. Im Sinne der Symmetrie dieses Ansatzes, resultieren „Minderleistungen“ in eine Schmälerung der regulatorisch zugestandenen Rendite (WACC in der Höhe von 6,42%), analog zu den Ergebnissen wettbewerblicher Märkte, die die Regulierung zu imitieren trachtet.

Der Kostenpfad, d.h. die regulatorische Einschätzung eines realistischen und übertreffbaren Kostenverlaufes beinhaltet einen Netzbetreiberpreisindex mittels dessen einerseits die exogenen Preissteigerungen und andererseits auch die generellen Produktivitätsvorgaben (1,25 Prozent p.a.) abgebildet werden. Für ineffiziente Unternehmen besteht mit der unternehmensindividuellen Effizienzvorgabe ein weiterer Anpassungsfaktor. Letzterer wurde auf Basis eines Effizienzvergleiches abgeleitet und es gilt, die ermittelten Ineffizienzen über einen zehnjährigen Zeitraum abzubauen, wenngleich nach fünf Jahren eine neuerliche Effizienzeinschätzung vorgenommen werden kann, um zu neuerlichen, aktualisierten Effizienzvorgaben zu gelangen. Der moderate Zeitraum zum Abbau gemessener Ineffizienzen soll die regulierten Verteilernetzbetreiber dazu animieren, aus eigener Kraftanstrengung ihre Potentiale zu heben. Sollte sich die gewünschte Wirkung durch die moderaten Vorgaben nicht materialisieren, kann für zukünftige Regulierungsperioden auch ein auf effiziente Kosten basierendes Yardstick-System ins Auge gefasst werden. Im Laufe der nächsten Jahre werden entsprechende Analysen durchgeführt, um wieder ein zur Förderung der produktiven Effizienz geeignetes Regulierungssystem zu implementieren. Die beschriebenen Auf- und Abschlagsfaktoren wirken jedenfalls auf eine geprüfte Ausgangskostenbasis, die das Geschäftsjahr 2011 umfasst.

Um den Veränderungen der Versorgungsaufgabe während einer Regulierungsperiode weitgehend gerecht zu werden, kommen sogenannte Erweiterungsfaktoren zur Anwendung. Hierzu zählt der Investitionsfaktor, welcher die Kapitalkostenentwicklung abbildet und Investitionen während einer Regulierungsperiode als vorübergehend effizient –bis zur Durchführung eines neuerlichen Effizienzvergleiches – wertet. Betriebskostenseitig werden Veränderungen bei den Zählpunkten oder der nach Netzebenen differenzierten Leitungskilometern mit durchschnittlichen Preisansätzen remuneriert und die mit der Einführung von Smart-Metering bedingten operativen Mehrkosten in einem separaten Kosten-Plus Modell abgebildet.

Die Entwicklung der beschriebenen Systematik wurde von mehr als zwei Jahre andauernden Gespräche mit Branchenvertretern begleitet und zwei öffentlichen Konsultationen zugeführt. Letztere boten neben den betroffenen Netzbetreibern auch den Legalparteien die Möglichkeit, die entsprechenden Sichtweisen einzubringen. Die Regulierungssystematik für die beschriebene dritte Anreizregulierungsperiode ist unter http://www.e-control.at/de/marktteilnehmer/strom/netzentgelte/entgeltermittlungsverfahren abrufbar und stellt auch eine Beilage zu den jeweiligen Kostenbescheiden der Verteilernetzbetreiber dar.

Trotz zahlreicher Gespräche und öffentlicher Konsultationen sind einige Beschwerdeverfahren beim mittlerweile zuständigen Bundesverwaltungsgericht anhängig. Diese betreffen nicht nur unternehmensindividuelle Kostenfeststellungen im Rahmen der Ausgangskostenbasis sondern vor allem auch Themengebiete rund um den relativen Effizienzvergleich. Geänderten Entscheidungen der nachgelagerten Instanzen können somit wesentlichen Einfluss auf das gesamte Regulierungssystem haben und können derzeit noch nicht abgeschätzt werden. Inwiefern die bislang im Vorfeld der Bestimmung des Regulierungssystems geführten Diskussionen und Konsultationen parallel zu den individuellen Kostenverfahren für zukünftige Entwicklungen der Regulierungssystematik geeignet sind, wird eine umfassende Beurteilung der höchstgerichtlichen Entscheidungen zeigen.



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