E-Control Jahrespressekonferenz 2013

DI Walter Boltz und Mag. (FH) Martin Graf präsentieren den Jahresbereicht 2012 und geben einen Ausblick auf das Jahr 2013.

 

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Die Zahlen der Lieferantenwechsel im vergangenen Jahr bereiteten der Regulierungsbehörde E-Control ein Wechselbad der Gefühle: Während die Gaskunden so wechselfreudig wie noch nie waren und 2012 mit einer Wechselrate von 1,7 Prozent aller Endkunden (Haushalte, Gewerbe und Industrie) der höchste Wert seit der Liberalisierung des heimischen Gasmarktes 2002 – wenngleich noch immer auf einem niedrigen Niveau – erreicht wurde, nahm die Wechselbereitschaft der Stromkunden im vergangenen Jahr deutlich ab.


DI Walter Boltz bei der Jahrespressekonferenz der E-Control 2013 zur Präsentation des Jahresberichts 2012

„Die Wechselrate aller Endkunden sank von 1,5 auf 1,1 Prozent – das ist der niedrigste Wert seit sieben Jahren“, sagt Martin Graf, Vorstand der E-Control, anlässlich der Präsentation des heute veröffentlichten zwölften Jahresberichts der Behörde. „Für den heimischen Wettbewerb ist das kein gutes Zeugnis“, zeigt sich der Regulator besorgt. In den ersten zwölf Jahren des liberalisierten Strommarkts wechselten insgesamt gerade einmal zwölf Prozent der Haushalte ihren Stromlieferanten. „Ein beschämend niedriger Wert“, sagt Graf.

 

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E-Control hofft auf steigende Wechselzahlen

Doch die zu Beginn des Jahres intensive Berichterstattung über den Stromanbieterwechsel, die zu Rekordzugriffen auf den Tarifkalkulator der E-Control führte, gibt dem Regulator Anlass zur Hoffnung. „Neben den Kunden, die seit Jänner durch die Hofer-Grünstromaktion bereits gewechselt haben, hoffen wir, dass sich zahlreiche weitere Kunden ebenfalls einen neuen Stromanbieter gesucht haben und dadurch die Wechselzahlen steigen“, sagt Graf.


Mag.(FH) Martin Graf bei der Jahrespressekonferenz der E-Control 2013 zur Präsentation des Jahresberichts 2012

Positiv stimmt den Regulator auch eine im Februar durchgeführte Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens Peter Hajek. Diese zeigt, dass sich fast jeder fünfte Haushalt (18 Prozent) im heurigen Jahr einen Wechsel des Strom- oder Gaslieferanten vorstellen kann. Das sind knapp 660.000 Haushalte. „Wenn nur 20 Prozent dieser Haushalte tatsächlich wechseln, würde dies die Wechselzahlen im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppeln“, rechnet Graf vor. Auszahlen tut sich ein Wechsel in jedem Fall: Bis zu 400 Euro kann sich ein durchschnittlicher Haushalt pro Jahr mit dem Wechsel des Strom- und Gaslieferanten aktuell sparen (Netzgebiet Linz). „Das sind die höchsten Einsparungen seit vier Jahren“, sagt Graf.

Strom- und Gaspreise für Haushalte weiterhin auf Rekordhöhe

Die Verbraucherpreisindexe für Strom und Gas erreichten 2012 ihren höchsten Stand seit der Liberalisierung und sind seither auf diesem Rekordniveau geblieben. „Die Belastung der Haushalte durch die Kosten für Strom und Gas ist unverändert hoch“, betont Vorstand Walter Boltz, und das obwohl insbesondere bei Strom Luft für Preissenkungen vorhanden wäre. Boltz: „Tatsache ist, dass die Großhandelspreise für Strom seit 2008 im Jahresdurchschnitt um mehr als 25 Prozent gesunken sind – an die Haushalte wurden diese Preissenkungen aber kaum weitergegeben.“ Auch im EU-Vergleich liegen die Strom- und Gaspreise für heimische Haushalte über dem Durchschnitt der 27 Mitgliedsländer.

Gas zu Industriepreisen würde Haushalten 80 Millionen Euro bringen

Für Industriebetriebe sind die Strom- und Gaspreise wesentlich günstiger als jene der Haushalte. „Insgesamt ist die Industrie sicherlich der größte Profiteur der Liberalisierung der Strom- und Gasmärkte“, unterstreicht Walter Boltz. Würden die österreichischen Haushalte alleine bei Gas die gleichen Konditionen erhalten wie Industriekunden könnten sich die Haushalte mindestens 80 Millionen Euro pro Jahr sparen. „Zusätzlich ist anzunehmen, dass die Haushalte auch für die satten Verluste der Lieferanten im Großkundengeschäft herhalten müssen“, sagt Boltz. Aufgrund der niedrigen Preise an den Großhandelsmärkten müssen Gaslieferanten, die teure ölpreisindexierte Langfristverträge haben, ihr Gas an Großkunden sogar mit Verlust verkaufen, um nicht darauf sitzen zu bleiben. „Diese Verluste wollen natürlich in anderen Bereichen kompensiert werden. Auch dies könnte die hohen Gaspreise für Haushalte erklären“, erläutert Boltz.