Fragen und Antworten zur deutsch-österreichischen Strompreiszone

Der seit rund 15 Jahren unbegrenzte Handel am deutsch-österreichischen Strommarkt wird mit 1. Oktober 2018 beschränkt. Die Spitzen im Stromaustausch werden zukünftig gekappt, der Stromhandel zwischen den traditionell gut integrierten Märkten wird jedoch auch künftig in großem Umfang möglich sein. Nachfolgend die häufigsten Fragen und Antworten in diesem Zusammenhang.

Was ist die Strompreiszone?

Derzeit kann zwischen Deutschland und Österreich unbegrenzt Strom gehandelt werden, es ist also eine gemeinsame Preiszone. Der deutsche Energieregulator Bundesnetzagentur und die europäische Regulierungsagentur ACER möchten den Stromhandel einschränken und damit die seit rund fünfzehn Jahren bestehende gemeinsame Preiszone aufteilen.

Österreich wollte den gemeinsamen Strommarkt beibehalten. Im Mai 2017 einigte sich Österreich aber mit Deutschland darauf, den Stromhandel zu beschränken, der Stromhandel zwischen den traditionell gut integrierten Märkten wird jedoch auch künftig in großem Umfang möglich sein. Ohne Einigung hätte Deutschland die Trennung der Preiszone einseitig fortgesetzt, was für österreichische Kunden und den Markt deutlich schlechtere Bedingungen gebracht hätte. Durch die einvernehmliche Lösung wurde erreicht, dass der Stromhandel zwischen Deutschland und Österreich auch künftig weitgehend im vom Markt benötigten Ausmaß möglich sein wird.

Warum möchte Deutschland den Stromhandel einschränken?

Durch die deutsche Energiewende verschieben sich die Erzeugungsschwerpunkte in Deutschland signifikant. Dies führt zu einer stärkeren Belastung des Stromnetzes. Die deutsche Bundesnetzagentur hofft, dass durch eine Trennung Engpässe im deutschen Stromnetz reduziert werden und die Netzsicherheit verbessert werden kann. Die einzige langfristige Lösungsmöglichkeit ist, dass Deutschland seine Stromnetze von Nord nach Süd stärker ausbaut. Zusätzlich wird die Grenzkapazität mit dem Leitungsausbau von Oberösterreich nach Bayern erhöht.

Wann kommt es zu den Stromhandelsbeschränkungen?

Der derzeit unbegrenzte Handel am deutsch-österreichischen Strommarkt wird mit 1. Oktober 2018 geringfügig beschränkt. Die Stromgrenze bleibt aber in einem großen Umfang offen, es können bis zu 4,9 Gigawatt Strom gehandelt werden. Das entspricht in etwa der Hälfte des österreichischen Verbrauchs zu Spitzenzeiten.

Steigt durch die Trennung der Strompreis?

Wird der Stromhandel zwischen Deutschland und Österreich eingeschränkt, ist davon auszugehen, dass die Strompreise in Österreich steigen. Denn Stromlieferanten, die ihren Strom an der Börse einkaufen, müssen für Strom zukünftig mehr bezahlen, weil damit zu rechnen ist, dass der Großhandelspreis steigen wird. Diese höheren Kosten könnten die Lieferanten zum Teil an die Konsumenten weitergeben.

Um wieviel wird der Strompreis steigen?

Die E-Control hat erreicht, dass der Stromhandel zwischen Deutschland und Österreich auch künftig weitgehend im vom Markt benötigten Ausmaß möglich sein wird. Für die österreichischen Stromkunden werden die Mehrkosten durch die Handelsbeschränkungen erheblich geringer ausfallen als bisher angenommen.

Ein höherer Strompreis bedeutet gleichzeitig, dass die von den Konsumenten zu tragenden Ökostromförderkosten sinken. Denn die Höhe der ausbezahlten Ökostromförderungen hängt vom Marktpreis für Strom ab: Ist der Strompreis höher, fallen die Förderkosten niedriger aus.

Der gelieferte Strom, den ein Konsument von seinem Stromlieferanten bezieht, macht etwa ein Drittel der gesamten Stromrechnung aus. Der Rest entfällt auf Netzkosten sowie Steuern und Abgaben.

Strompreiszusammensetzung

Wie funktioniert eine Strompreiszonentrennung technisch?

Die bestehenden Stromleitungen zwischen Deutschland und Österreich bleiben aufrecht, es werden keine Leitungen gekappt. Es werden aber Maßnahmen gesetzt, um den Stromhandel zu reduzieren.

Warum gibt es überhaupt einen gemeinsamen Strommarkt zwischen Österreich und Deutschland?

Zwischen Deutschland und Österreich gibt es gut ausgebaute Stromleitungen. Mit der Liberalisierung der Energiemärkte vor rund fünfzehn Jahren gründeten daher Deutschland und Österreich einen gemeinsamen Strommarkt. Dieser gemeinsame Markt gilt in der Europäischen Union als beispielhaft für eine gelungene Marktintegration. Österreich kann einfach Strom aus Deutschland importieren, und umgekehrt kann auch Deutschland derzeit problemlos Strom aus Österreich beziehen.

Wer möchte die Trennung der Preiszone? Wer möchte sie nicht?

Der deutsche Energieregulator Bundesnetzagentur und die europäische Regulierungsagentur ACER möchten die Strompreiszone trennen. Österreich wollte den gemeinsamen Strommarkt beibehalten, einigte sich im Mai 2017 aber mit Deutschland darauf, den Stromhandel zu beschränken. Der Stromhandel zwischen den traditionell gut integrierten Märkten wird jedoch auch künftig in großem Umfang möglich sein.

Polen und Tschechien befürworten ebenfalls eine Trennung des deutsch-österreichischen Strommarktes. Die Länder erhoffen sich dadurch eine Entlastung ihrer Stromnetze.