Netzkodizes Strom – Was kommt auf uns zu?

Stromnetzkodizes sind Bausteine für sichere, wettbewerbsfähige und klimafreundliche Stromversorgung in der EU – Insgesamt acht Kodizes und Leitlinien, fünf bereits in Kraft

Wien (28. November 2016) – Die europäische Energieversorgung soll sicher, wettbewerbsfähig, leistbar und durch einen möglichst geringen Einsatz von Treibhausgasemissionen (CO2) klimafreundlich sein. Das sind die Vorstellungen der Europäischen Union, die zur Erreichung dieser Ziele einen vollständigen Energiebinnenmarkt schaffen möchte. „Um das zu schaffen, sind sogenannte Netzkodizes nötig“, erklärt Wolfgang Urbantschitsch, Vorstand der österreichischen Energieregulierungsbehörde E-Control. Derzeit wurden im Strombereich acht Kodizes bzw. Leitlinien entwickelt, fünf davon sind bereits in Kraft. Die Kodizes haben einen gesamteuropäischen Ansatz, sie vervollständigen bestehende nationale Regelungen im Energiebereich, um relevante grenzüberschreitende Themen in einer systematischen und koordinierten Weise zu bearbeiten. Urbantschitsch: „Netzkodizes stehen für eine tiefere, engere europäische Zusammenarbeit im Energiebereich.“ Die Netzkodizes regeln nicht nur technik-, sondern auch marktrelevante Themen, sie definieren und harmonisieren zahlreiche Regelungen für den Stromhandel und das Stromnetz, unter anderem in den Bereichen Kapazitätsvergabe und Engpassmanagement, Netzbetrieb, Netzanschluss oder Regelenergie.

Stromkunden profitieren von Versorgungssicherheit und mehr Wettbewerb

Die Netzkodizes im Strombereich sind wesentlicher Bestandteil des 2009 in Kraft getretenen dritten Energiebinnenmarktpakets der EU. Das dritte Paket schuf etwa den Verband für die Stromübertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E), definierte Entflechtungserfordernisse, stärkte die Konsumentenrechte und legte Maßnahmen für die Versorgungssicherheit fest. Die Netzkodizes und Leitlinien sind EU-Verordnungen und daher unmittelbar gültig. „Die Kodizes haben ab jetzt spürbare Auswirkungen auf die heimischen Netzbetreiber, Erzeuger, Händler und Verbraucher“, betont Urbantschitsch. „Die österreichischen Stromkunden sollen letztlich von einer höheren Versorgungssicherheit und einem wettbewerbsfähigeren Markt profitieren.“ So soll durch die Netzkodizes der grenzüberschreitende Handel gefördert werden. Netzkodizes ermöglichen zudem die bessere Einbindung von Ökostrom und bereiten damit den Weg für Strom aus Wind und Photovoltaik.

Wichtige Rolle für Stromübertragungsnetzbetreiber

Bei der Erarbeitung der Netzkodizes hat der Verband der europäischen Stromübertragungsnetzbetreiber, ENTSO-E, die federführende Rolle. ENTSO-E erstellt in Zusammenarbeit mit Experten und Stakeholdern Entwürfe für die Kodizes. „Die Stromübertragungsnetzbetreiber sind eine der wichtigsten Schnittstellen für die Erarbeitung und Umsetzung der Netzkodizes“, sagt Konstantin Staschus, ENTSO-E-Generalsekretär. Die Übertragungsnetze sind die Autobahnen und Bundesstraßen, auf denen der Strom über größere Distanzen transportiert wird, und über die auch der grenzüberschreitende Austausch, wie Stromlieferungen zwischen Mitgliedstaaten, stattfindet. Da die Netzkodizes grenzüberschreitende Themen regeln, beziehen sie sich in erster Linie auf die Übertragungsnetze. Nach Erstellung der Netzkodizes werden diese von der Europäischen Agentur für die Zusammenarbeit der Energieregulatoren (ACER) überprüft, danach an die Europäische Kommission übermittelt und von den EU-Mitgliedstaaten im Rahmen eines Komitologieverfahrens beschlossen. Die Netzkodizes bzw. Leitlinien werden im Anschluss von der Kommission als Verordnungen erlassen.

„Kodizes mit Leben zu füllen, ist die wahre Herausforderung“

Nach dem Beschluss der Netzkodizes geht es an die Umsetzung. Diese Phase hat mittlerweile begonnen und wird weiter Fahrt aufnehmen. „Die Kodizes mit Leben zu füllen, ist die wahre Herausforderung“, sagt Konstantin Staschus. „Jeder Netzkodex muss viele Schritte durchlaufen, bevor er zur vollen Anwendung kommt.“ Es könnten dafür etwa nationale Gesetzesanpassungen oder Vereinbarungen mit anderen Mitgliedstaaten nötig sein. In diesen Prozess sind alle Marktteilnehmer, Netzbetreiber und Regulatoren involviert. „Die Umsetzung erfordert eine umfassende Kooperation unter den Übertragungsnetzbetreibern“, verdeutlicht Staschus. Die Hauptverantwortung für die Umsetzung vieler Aufgaben auf europäischer, zwischenstaatlicher und nationaler Ebene liegt bei den Übertragungsnetzbetreibern. Im Gasbereich gibt es vier Netzkodizes, drei davon sind bereits erlassen. Voraussichtlich bis etwa 2022 werden alle Netzkodizes im Strombereich vollständig umgesetzt sein, im Gasbereich bis 2019.

Auf effiziente Umsetzung achten

Während der Umsetzung ist es Aufgabe der Regulierungsbehörde, Genehmigungen für die detaillierte Umsetzung zu erteilen, die Implementierung der Netzkodizes bzw. Leitlinien zu überwachen oder Berichte und Analysen zu erstellen. Es ist zum Teil erforderlich, den Rechtsrahmen anzupassen. Zudem ist zu prüfen, welche bestehenden Regelungen im Sinne einer Rechtsbereinigung gestrichen werden können. „Für uns ist es wichtig, dass die Umsetzung effizient und ohne große zusätzliche Bürokratie für alle Beteiligten abläuft. Die Zuständigkeiten müssen klar definiert sein“, sagt Urbantschitsch.

 

E-Control: Mehr als 200.000 Strom- und Gaskunden wechselten ihren Anbieter in ersten neun Monaten

Zahl der Anbieterwechsel in ersten drei Quartalen heuer um 40 Prozent gestiegen – 43 Stromlieferanten und zwölf Gaslieferanten senkten dieses Jahr ihre Preise

Wien (10. November 2016) – Der Wettbewerb am heimischen Strom- und Gasmarkt hat sich in vielen Bereichen positiv entwickelt. Das geht aus dem neuen Marktbericht der Energieregulierungsbehörde E-Control hervor, der heute, Donnerstag, auf einem Pressegespräch in Wien präsentiert wurde. „Die Konsumenten haben heuer im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent häufiger ihren Strom- und Gaslieferanten gewechselt, es gibt eine größere Auswahl an Produkten und viele Lieferanten haben ihre Preise gesenkt“, sagte E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch. In den ersten neun Monaten des heurigen Jahres haben rund 205.000 Strom- und Gaskunden ihren Anbieter gewechselt, wie aus der neuen Marktstatistik des Energieregulators E-Control hervorgeht. „Das sind die zweithöchsten Werte seit der Öffnung der Strom- und Gasmärkte“, betonte Urbantschitsch.

Zahl der Anbieterwechsler um 40 Prozent gestiegen

Die Zahl der Wechsler stieg verglichen zum Vorjahreszeitraum um mehr als 40 Prozent. Von Jänner bis Ende September haben heuer 158.500 Stromkunden ihren Anbieter gewechselt, davon rund 122.500 Haushalte. Einen neuen Gaslieferanten suchten sich knapp 46.500 Kunden – davon etwa 42.500 Haushalte. Das entspricht Gesamtwechselraten der Haushalte und Unternehmen in den ersten neun Monaten von 2,6 Prozent bei Strom und 3,4 Prozent bei Gas. Im Vorjahr wechselten in den ersten drei Quartalen rund 145.500 Strom- und Gaskunden. Die bisher höchsten Wechselzahlen wurden 2014 erreicht, als sich in den ersten neun Monaten 228.800 und im gesamten Jahr 263.400 Strom- und Gaskunden für einen neuen Anbieter entschieden haben.

Oberösterreicher wechselten Strom- und Gaslieferanten am häufigsten

Am häufigsten wechselten ihren Strom- und Gaslieferanten heuer in den ersten drei Quartalen im Verhältnis zur Kundenanzahl die Oberösterreicher mit Wechselraten von 4,2 Prozent bei Strom und 5,5 Prozent bei Gas (insgesamt 50.700 Wechsler). Auf Platz zwei folgte die Steiermark mit 3,2 Prozent bei Strom und 4,6 Prozent bei Gas (33.000 Strom- oder Gaswechsler). Rang drei erreichten die Kärntner Strom- und Gaskunden mit knapp 13.000 Wechslern. Am seltensten wechselten die Salzburger, Tiroler und Vorarlberger ihre jeweiligen Strom- oder Gasanbieter, dort lagen die Wechselraten zwischen 1,2 Prozent in Tirol und jeweils 0,8 Prozent in den beiden anderen Bundesländern. In absoluten Zahlen am häufigsten wechselten die Wiener ihre Lieferanten für Strom und Gas (62.500), die Wechselraten lagen in Wien bei 2,8 Prozent (Strom) und 3,1 Prozent (Gas).

Einsparpotenzial auf Rekordhöhe

Derzeit spart sich ein durchschnittlicher Haushalt in Linz und Klagenfurt bei einem Wechsel vom angestammten Versorger zum günstigsten Strom- und Gaslieferanten im ersten Jahr mehr als 900 Euro inklusive Wechselrabatt. Das sind die höchsten Einsparungen seit der Liberalisierung des Strommarktes 2001 und des Gasmarktes 2002. „Wer seinen Strom- und Gaslieferanten wechselt, spart mit wenig Aufwand viel Geld“, sagte Urbantschitsch. Am meisten sparen Kunden, die jedes Jahr ihren Anbieter wechseln. Wer nicht regelmäßig wechseln möchte, kann sich mit einem einfachen Klick online im Tarifkalkulator, dem Preisvergleichsrechner der E-Control, die Ersparnis ohne Neukundenrabatt anzeigen lassen.

43 Stromlieferanten haben heuer ihre Preise gesenkt

Insgesamt haben heuer 43 von 150 Stromlieferanten für Haushalte ihre Preise gesenkt, darunter auch die Landesenergieversorger im Burgenland (Energie Burgenland), in Niederösterreich (EVN), Salzburg (Salzburg AG), Tirol (Tiwag) und Wien (Wien Energie). „Ein Durchschnittshaushalt spart sich durch diese Senkungen zwischen zehn und 16 Euro netto im Jahr“, sagte E-Control-Vorstand Andreas Eigenbauer. Durch die Senkungen reduzierte sich im österreichweiten gewichteten Schnitt der Energiepreis für Strom (ohne Netzkosten sowie Steuern und Abgaben) von 6,9 Cent pro Kilowattstunde im Jänner dieses Jahres auf 6,76 Cent im November. Die Kunden bei den angestammten Anbietern zahlen für den Standardtarif zwischen 5,67 Cent pro Kilowattstunde in Tirol und 8,75 Cent pro Kilowattstunde in Oberösterreich.

Zwölf Gaslieferanten senkten ihre Preise

Insgesamt zwölf Gaslieferanten haben im Laufe des heurigen Jahres aufgrund der gefallenen Großhandelspreise ihre Energiepreise gesenkt, darunter auch große regionale Gaslieferanten wie die Unternehmen der Energie Allianz (Wien Energie, EVN, Energie Burgenland), die Energie Steiermark, die Energie Graz, die Energie AG Power Solutions, die Linz Gas, die Tigas sowie die Salzburg AG. Die Senkungen fielen unterschiedlich aus, von vier Prozent bei der Linz Gas bis 16 Prozent bei eww mit Sitz in Wels. Durch die Senkungen reduzierte sich im österreichweiten Schnitt der gewichtete Energiepreis für Gas (ohne Netzkosten sowie Steuern und Abgaben) im November im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozent. „Insgesamt profitieren von den Preissenkungen sechs von zehn Stromkunden und 84 Prozent aller Gaskunden“, betonte Andreas Eigenbauer.

Acht neue Stromanbieter und drei neue Gaslieferanten

2016 sind acht neue Stromlieferanten für Haushaltskunden in den Markt eingetreten: Aktuell gibt es insgesamt 150 verschiedene Stromlieferanten für Haushalte in Österreich, 42 Lieferanten bieten ihre Produkte österreichweit an, der Rest nur in bestimmten Bundesländern oder Liefergebieten. Im Gasmarkt sind heuer drei neue Lieferanten in den Haushaltskundenmarkt eingetreten, insgesamt gibt es 40 verschiedene Gaslieferanten.

Wiener Stromkunde kann zwischen 42 Lieferanten und 95 Angeboten wählen

Ein Stromkunde in Wien kann zwischen 42 verschiedenen Lieferanten mit 95 unterschiedlichen Stromprodukten wählen. Bei Gas hat ein Kunde in Oberösterreich mittlerweile die Wahl zwischen 25 unterschiedlichen Lieferanten mit 63 verschiedenen Gasprodukten. Die Zahl der Angebote ist abhängig vom Wohnort.

Rund 4,8 Milliarden Euro für Modernisierung der Stromnetze

Von Beginn 2016 bis Ende 2020 werden die heimischen Stromnetzbetreiber innerhalb von fünf Jahren rund 4,8 Milliarden Euro in die Stromnetzinfrastruktur investieren wie aus einer Prognose der E-Control hervorgeht. Investiert wird in die Umstellung von analogen auf digitale Stromzähler (Smart Meter) sowie in Instandhaltung, Modernisierung und Ausbau der Stromnetze (Verteilnetz und Übertragungsnetz). „Um die heimischen Netze zukunftsfit zu machen, sind hohe Investitionen nötig“, sagte Eigenbauer. „Die Kunden profitieren durch die Investitionen von einem effizienteren Netzbetrieb und einer hohen Versorgungssicherheit.“

Rund 22.500 Stromabschaltungen wegen Zahlungsverzug

2015 gab es bei Haushaltskunden 22.509 Abschaltungen bei Strom und 5.970 Abschaltungen bei Gas. Das sind 0,4 Prozent aller Stromkunden und 0,5 Prozent aller Gaskunden, wie aus Meldungen der Netzbetreiber an die E-Control hervorgeht. Abgeschaltet wurde weil die Stromrechnung entweder gar nicht oder verspätet bezahlt wurde. „Die österreichischen Strom- und Gaskunden sind glücklicherweise nur selten von Abschaltungen betroffen. Im EU-Vergleich ist Österreich bei den Ländern mit den niedrigsten Abschaltungsraten“, sagte Wolfgang Urbantschitsch. In Deutschland etwa lag die Stromabschaltungsrate 2015 bei 0,7 Prozent, bei Gas waren es 0,4 Prozent der Kunden. In rund drei Viertel der Fälle war die Stromabschaltung nur vorübergehend und die Belieferung wurde aufgrund bestehender Verträge wieder aufgenommen.

 

E-Control: Ökostromerzeugung 2015 gestiegen

Anteil des mit staatlichen Mitteln geförderten Ökostroms gestiegen – Größten Steigerungen bei Windkraft und Sonnenstrom – Höhere Förderkosten

Der Anteil des mit staatlichen Mitteln geförderten Ökostroms an der Abgabe an Endverbraucher ist in Österreich 2015 im Vergleich zu 2014 erneut gestiegen. Das geht aus dem neuen Ökostrombericht der Regulierungsbehörde E-Control hervor. Der Anteil des geförderten Ökostroms hat sich im vergangenen Jahr auf 15,9 Prozent bzw. 9.168 Gigawattstunden (GWh) erhöht. 2014 lag der Anteil bei 14,5 Prozent bzw. 8.199 GWh. „Der Ökostromanteil ist die vergangenen Jahre kontinuierlich gestiegen. Der Ausbau geht weiter stark voran“, sagt E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch. Gefördert werden bestimmte Ökostromanlagen mittels staatlich garantierter Einspeisetarife, also fixen Abnahmepreisen für den Strom.

Windstrom am stärksten gewachsen

Die größten Steigerungen bei der mit Fördermitteln unterstützen Ökostromerzeugung gab es 2015 bei Strom aus Wind und Sonne. Die Stromerzeugung aus Windkraft stieg um 26 Prozent auf 4.592 GWh, die Stromproduktion aus Photovoltaik erhöhte sich um 24 Prozent auf 437 GWh und jene der festen Biomasse um fünf Prozent auf 2.043 GWh. Die abgenommenen Strommengen erhöhten sich bei der Windkraft um 952 GWh, bei fester Biomasse um 102 GWh und bei Photovoltaik um 85 GWh. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren reduzierte sich der abgenommene Strom aus Kleinwasserkraft um zwölf Prozent von 1.703 GWh 2014 auf 1.519 GWh im Jahr 2015.

Die größten Zuwächse bei mit Fördermitteln unterstützten Ökostromtechnologien von 2014 auf 2015 im Überblick:

Windkraft +26 Prozent

Photovoltaik +24 Prozent

Feste Biomasse +5 Prozent

Photovoltaik Spitzenreiter bei neuen Anlagen

Bei der Zahl der installierten Anlagen, die nach dem Ökostromgesetz gefördert werden, lag erneut die Photovoltaik vorne. Im vergangenen Jahr legten die Photovoltaikanlagen um acht Prozent zu, von 17.597 Photovoltaikanlagen auf 19.021 Anlagen. Windkraftanlagen gab es um 6 Prozent mehr (Anstieg von 375 auf 399 Anlagen/Parks). In absoluten Zahlen betrachtet gab es somit den größten Zuwachs im Bereich der Photovoltaik. 1.424 der gesamten 1.502 im vergangenen Jahr zusätzlich installierten Ökostromanlagen waren Photovoltaikanlagen. Die installierte Leistung innerhalb der Technologieklassen wuchs im Bereich der Photovoltaik 2015 um 21 Prozent, bei der Windkraft waren es 19 Prozent.

Ökostromvergütung um 112 Millionen Euro gestiegen

Durch die gestiegenen Ökostrommengen erhöhten sich die dafür nötigen Förderkosten. Das Vergütungsvolumen – die Summe der ausbezahlten staatlich garantierten Einspeisetarife für Ökostrom inklusive des Marktwertes des geförderten Ökostroms – stieg im vergangenen Jahr um 112 Millionen von 846 Millionen auf insgesamt 958 Millionen Euro. Das ist ein Plus von 13,2 Prozent. Noch größer ist die Steigerung beim Unterstützungsvolumen (exklusive Marktwert). Das Unterstützungsvolumen stieg nach aktuellen Berechnungen um ungefähr 20 Prozent von 631 Millionen auf 755 Millionen Euro. „Hier macht sich der erneut gesunkene Marktpreis vorrangig bemerkbar“, sagt E-Control-Vorstand Andreas Eigenbauer. Der den Berechnungen zugrunde gelegte Marktpreis sank 2014 auf 2015 von durchschnittlich 37 Euro auf 34 Euro pro Megawattstunde. Dieser niedrigere Marktpreis alleine resultierte in zusätzlich notwendigen Förderaufwendungen von 28 Millionen Euro.

 Die Kosten für die Ökostromförderung werden auch zukünftig steigen, prognostiziert Eigenbauer. „Allein aufgrund des weiter gesunkenen Marktpreises ist auch heuer mit einem weiteren Anstieg zu rechnen.“ Dazu kommt, dass die Ökostrommengen weiter steigen werden, was ebenfalls zusätzlichen Förderbedarf bedeutet. Laut Prognose ist für 2016 mit einem Anstieg des Unterstützungsvolumens um 91 Millionen Euro auf 846 Millionen Euro zu rechnen.

Ökostromkosten für Haushalte steigen

Von 2014 auf 2015 erhöhten sich die Ökostromförderkosten für einen Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden um ein Viertel von 82 Euro pro Jahr auf 103 Euro (jeweils inklusive Steuern). Heuer ist laut aktueller Prognose der E-Control mit einem Anstieg auf 120 Euro brutto zu rechnen.

Ausbauziel für 2015 wurde übertroffen

Das im Ökostromgesetz festgelegte Ausbauziel wurde 2015 in Summe deutlich übertroffen. Von 2010 bis 2015 sind 2.379 Megawatt installierte Leistung staatlich geförderter Ökostromanlagen hinzugekommen. Laut Gesetz sollten es 1.650 Megawatt installierte Leistung sein. „Das Ziel wurde somit um 44 Prozent übertroffen“, sagt E-Control-Vorstand Andreas Eigenbauer. „Zurückzuführen ist das vor allem auf den starken Windkraftausbau, wo die Zielerfüllung mehr als doppelt so hoch war.“ Übererfüllt wurde das Ausbauziel auch bei der Kleinwasserkraft. Unter den Zielvorgaben blieben Photovoltaik sowie feste Biomasse und Biogas. Laut derzeitigen Prognosen der E-Control wird das Ausbauziel für 2020 von 4.400 Megawatt installierter Leistung in Summe ebenfalls erreicht werden. Bis 2020 sollten dann auch die Ausbauziele für Photovoltaik erfüllt sein.

Österreich hat traditionell hohen Ökostromanteil

Österreich verfügt traditionell über einen hohen Anteil erneuerbarer Energien bei der Stromerzeugung. 2015 lag dieser nach ersten Auswertungen bei insgesamt 74 Prozent des energetischen Endverbrauchs bei Strom. Dieser Anteil umfasst den gesamten Ökostrom, also sowohl den im Ökostrombericht erfassten Ökostrom, der mit Fördermitteln unterstützt wurde, als auch Ökostrom ohne Förderungen, wie etwa Strom aus großen Wasserkraftwerken.

Kosten für Stabilisierung des Stromnetzes gesunken

Die Kosten für die Stabilisierung des österreichischen Stromnetzes mit Hilfe von Regelreserven konnten von 2014 auf 2015 um fast 30 Prozent reduziert werden, 143 Millionen Euro mussten 2015 für die gesamte Regelreserve aufgewendet werden. Dieser Trend setzte sich auch heuer im ersten Halbjahr fort: Bis Ende Juni wurden rund 50 Millionen Euro für Regelreserve aufgewendet, das ist weniger als im Vorjahr. Die bei der Abwicklungsstelle für Ökostrom (OeMAG) angefallenen Kosten für die Stabilisierung des Stromnetzes sind im vergangenen Jahr ebenfalls gesunken. Die Aufwendungen für Ausgleichsenergie reduzierten sich von 2014 auf 2015 von 65 Millionen auf 61 Millionen Euro, 2012 lagen sie noch bei 28 Millionen Euro, 2013 waren es 39 Millionen.

Geringere Kosten durch mehr Wettbewerb, internationale Kooperationen

Um die Kosten für die Stabilisierung des Stromnetzes zu senken, wurden verschiedenste Maßnahmen getroffen. So wurde der Wettbewerb am Regelreservemarkt belebt, es gibt nun mehr als doppelt so viele Anbieter. Neben den großen Energieversorgern gibt es nun zusätzliche Teilnehmer am Regelreservemarkt, etwa Industriebetriebe, die selber Strom erzeugen oder bei Bedarf ihre Anlagen herunterfahren können, um den Strombedarf zu reduzieren. Dazu wurden etwa die Marktzugangsregeln vereinfacht. Technisch möglich ist die Teilnahme erneuerbarer Erzeugungsanlagen, neben Kleinwasserkraft sind auch andere, z.B. Windanlagen, bereits im Markt. Bei den internationalen Kooperationen trägt vor allem das gegenseitige Anrechnen beim Abruf von Sekundärregelenergie zur Kostensenkung bei. Eine solche Kooperation besteht seit 2013 mit Slowenien, seit Ende April 2014 gibt es eine ähnliche Regelung mit Deutschland. Damit wurden sehr große abgerufene Mengen an Sekundärregelenergie verhindert und die Kosten signifikant eingedämmt.

E-Control – die neuen Vorstände stellen sich vor

Pressegespräch mit DI Andreas Eigenbauer und Dr. Wolfgang Urbantschitsch, LL.M.

Am 25. März hat das neue Vorstandsduo der E-Control, Andreas Eigenbauer und Wolfgang Urbantschitsch, seinen Dienst angetreten. Die Beiden sind für fünf Jahre bestellt und werden in dieser Zeit gemeinsam die Geschicke der österreichischen Regulierungsbehörde lenken. In den vergangenen fünfzehn Jahren hat die E-Control dafür gesorgt, dass es im Strom- und Gasbereich einen funktionierenden Markt gibt und sich ein mittlerweile durchaus reger Wettbewerb entwickeln konnte. „Wir freuen uns sehr über unsere neue Aufgabe als Vorstände der Regulierungsbehörde und sind uns durchaus bewusst, dass in den kommenden Jahren zahlreiche Herausforderungen nicht nur auf die Regulierungsbehörde, sondern auf die gesamte Energiewirtschaft warten.“, betonen die neuen Vorstände der E-Control, Andreas Eigenbauer und Wolfgang Urbantschitsch. Zwischen dem neuen Vorstandsduo herrscht ein sehr gutes Einvernehmen, Entscheidungen werden ausschließlich gemeinsam getroffen, die Abteilungen in der E-Control werden vorerst nicht thematisch zwischen den Vorständen aufgeteilt. Derzeit befindet man sich noch in einer Orientierungsphase, ein Strategieprozess wurde bereits eingeleitet, auf Basis dessen werden weitere Entscheidungen gefällt. Es gehe darum, den gesetzlichen Auftrag vor den heutigen Rahmenbedingungen neu zu interpretieren. Auch der Aufsichtsrat und die Regulierungskommission wurden neu bestellt. Alle Organe haben in neuer Zusammensetzung bereits mit der Arbeit begonnen, um im Sinne der Energiekonsumenten weiterhin positive Schritte im Energiebereich zu setzen.

E-Control agiert unabhängig und neutral

„Die E-Control verfügt mit ihren Experten über viel Know-how und erfüllt ihre Aufgaben – wie in der Vergangenheit auch – völlig neutral und unabhängig. Sie hat immer unabhängig von Marktinteressen agiert und ist per Gesetz an keine Weisungen gebunden.“, so Wolfgang Urbantschitsch.

Aktive Gestaltung des europäischen Regulierungsrahmens

Viele Entscheidungen, die auch den heimischen Energiemarkt betreffen, werden international bzw. auf europäischer Ebene gefällt und nicht in Österreich. „Deshalb ist es unerlässlich, dass die E-Control sich in internationalen Gremien engagiert, um gehört zu werden. Nur so können heimische Interessen im internationalen Kontext wahrgenommen werden.“, so Wolfgang Urbantschtisch.

Neue Vorschläge der EU-Kommission

Ende dieses Jahres möchte die EU-Kommission eine Weiterentwicklung des europäischen Rechtsrahmens mit einem überarbeiteten Strommarktdesign vorstellen. Darin sollen vor allem der geänderten Aufbringungsstruktur durch erneuerbare Energiequellen und einer effizienteren Nutzung der vorhandenen Infrastruktur Rechnung getragen werden. „Da Österreich im Zentrum des eng vermaschten kontinentalen Stromübertragungsnetzes liegt, hat jede Änderung des europäischen Strommarktmodells direkte Auswirkungen auf Unternehmen und Konsumenten in Österreich.“, betont Wolfgang Urbantschitsch. Im Zuge dieses Pakets sollen auch die Verwaltungs- und Verfahrensregelungen für die europäischen Energiemärkte, insbesondere für die Agentur für die Zusammenarbeit der Energieregulatoren (ACER), die Übertragungsnetzbetreiber und andere Marktteilnehmer mit besonderen Funktionen im Binnenmarkt angepasst werden.

Innovative Konzepte zur Marktintegration

Seit März diesen Jahres führt die E-Control gemeinsam mit der tschechischen Regulierungsbehörde eine Konsultation zur Integration der Gasmärkte der Tschechischen Republik und des österreichischen Marktgebiets Ost durch. „Die Intergration der Märkte ist vor allem für kleinere Länder wie Österreich wichtig, um einerseits den Wettbewerb weiter zu stärken und andererseits weniger anfällig für kurzzeitige Lieferschwankungen zu sein“, unterstreicht Wolfgang Urbantschitsch die Bedeutung dieser Bestrebungen.

E-Control bleibt zentrale Anlaufstelle für Konsumenten

Die E-Control hat sich in den vergangenen 15 Jahren als die Informationsstelle und Serviceeinrichtung für die verschiedensten Zielgruppen positioniert und etabliert. Das ist für die Regulierungsbehörde eine essenzielle Aufgabe, ist sie doch vom Gesetz her verpflichtet, die Konsumenten zu informieren, Preisvergleiche zu veröffentlichen und über den Tätigkeitsbereich der E-Control aufzuklären. „Die Konsumentenrechte sind für uns nicht nur gesetzlicher Auftrag, sondern liegen uns sehr am Herzen. Die Konsumenten sollen sich darauf verlassen können, dass wir als unabhängiger Partner für alle Fragen rund um die Themen Strom und Gas zur Verfügung stehen.“, ist sich Vorstand Urbantschitsch der Verantwortung im Sinne der heimischen Konsumenten bewusst. Nur gut informierte Konsumenten können aktiv am freien Energiemarkt teilnehmen und so von diesem profitieren.

Konsumenten noch mehr Transparenz bieten

Bereits in den vergangenen zwei, drei Jahren hat der Wettbewerb am österreichischen Strom- und Gasmarkt deutlich an Fahrt zugenommen. Dies nicht zuletzt durch eine Reihe von neuen Markteintritten. Aber auch bereits lange in Österreich tätige Versorger haben sich in jüngster Vergangenheit mit Produktinnovationen und attraktiven Preisen deutlich stärker um Kunden bemüht, als in früheren Jahren. Dies liegt unter anderem natürlich an den derzeit besonders günstigen Großhandelspreisen sowohl bei Strom als auch bei Gas, die es den Unternehmen ermöglichen, mit günstigen Angeboten zu punkten. Aber auch der sich verändernde Markt, vor allem im Strombereich, bietet eine Vielzahl von Chancen, den Kunden attraktive Angebote zu bieten. So können sich Lieferanten beispielsweise durch zeitabhängige Produkte, spezielle Angebote für Sonnenstrom-Einspeiser und ausführliche Informationen zur Herkunft des Stroms stärker von den Mitbewerbern differenzieren.

Eine der Herausforderungen dabei wird sein, dass der Kunde die Übersicht behalten kann und die Vergleichbarkeit der Angebote weiter gegeben ist. Hier wird die E-Control die Entwicklungen künftig weiter aufmerksam beobachten. „Auch für den Tarifkalkulator, der Verbrauchern bereits seit 2001 kostenlos den neutralen Produktvergleich ermöglicht, stellen sich hier neue, technische Herausforderungen. Bereits seit einiger Zeit wird daher an einem umfassenden Update gearbeitet, damit sich Haushalte, aber auch KMUs weiterhin optimal informieren und orientieren können“, erklärt Urbantschitsch ein zentrales Projekt der kommenden Monate.

Wettbewerb bei Gas erhöht

Besonders bei Gas hat der Wettbewerb zuletzt zugenommen. Während die Wechselrate bei Gas lange Zeit niedriger war als bei Strom, hat sich das in den vergangenen Jahren umgekehrt. „Die Gaskunden haben in den vergangenen Jahren deutlich öfter gewechselt als die Stromkunden, die Wechselrate war pro Jahr um knapp einen Prozentpunkt höher“, sagt Wolfgang Urbantschitsch. 2015 etwa wechselten bei Gas 3,4 Prozent, bei Strom waren es 2,5 Prozent der Haushalte und Unternehmen.

Zieldreieck ergänzt um Energieeffizienz und Leistbarkeit

Das Zieldreieck im Energiebereich, “Versorgungssicherheit-Nachhaltigkeit-Wirtschaftlichkeit“, darf dabei nicht aus den Augen verloren, sondern soll vielmehr um die Bereiche Energieeffizienz und Leistbarkeit ergänzt werden. „Wir müssen uns nicht nur damit befassen, was zu tun ist, damit wir uns auch künftig auf die sichere Versorgung mit Energie verlassen können, sondern auch damit, was getan werden kann, damit mit Energie effizienter umgegangen wird und diese für alle Menschen leistbar bleibt“, so Vorstand Andreas Eigenbauer.

Befreiungen bei den Ökostromförderkosten neuerlich gestiegen

Die Frage nach der Leistbarkeit von Energie nimmt für Vorstand Andreas Eigenbauer eine hohe Bedeutung ein. „Strom und Gas müssen auch für Menschen mit wenig Geld leistbar sein.“ Eigenbauer verweist darauf, dass sich Haushalte mit geringem Einkommen, etwa Pensionisten oder Arbeitssuchende, vom Großteil der Ökostromkosten befreien lassen können. 2015 stieg die Zahl der befreiten Kunden um knapp sechs Prozent auf rund 123.000. Seit 2012, als die Abwicklung der Befreiung geändert wurde, stiegen die Zahlen kontinuierlich an. 2013 gab es 108.000 befreite Haushalte, 2014 waren es bereits 116.000. „Immer mehr anspruchsberechtige Haushalte nutzen ihr Recht auf eine Befreiung von den Ökostromförderkosten“, betont Eigenbauer. Zurückzuführen sei das vor allem auf die sehr einfache Beantragung durch den Kunden. Abgewickelt wird die Befreiung durch die Gebühren Info Service GmbH (GIS), die auch für die Befreiung von den Rundfunk- und Fernsehgebühren zuständig ist. „Anspruchsberechtigte können somit die Befreiung von den Ökostromkosten und den ORF-Gebühren mit einem einzigen Antrag erledigen. Das ist für die Betroffenen sehr einfach und unkompliziert.“ Die befreiten Haushalte zahlen maximal 24 Euro brutto (20 Euro netto) im Jahr für die Ökostromförderkosten. Ein Durchschnittshaushalt ohne Befreiung zahlte im vergangenen Jahr rund 100 Euro Ökostromkosten, im heurigen Jahr sind es rund 120 Euro (jeweils inkl. Steuern). „Mit wenig Aufwand konnten Haushalte, die knapp bei Kasse sind, ihre Stromrechnung im vergangenen Jahr im Durchschnitt um rund 80 Euro senken.“, betont Eigenbauer. „Entscheidend für die Leistbarkeit ist die Höhe der Jahresrechnung.“ Anspruchsberechtigt sind Haushalte, die bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschreiten, etwa Pensionisten mit Mindestrente, Bezieher von Sozialhilfe, Arbeitslose, Pflegegeldbezieher oder Studierende.

Energiemärkte im Umbruch

Die Strom- und Gasmärkte in Europa und dadurch natürlich auch in Österreich befinden sich im Umbruch und verändern sich grundlegend. Und das stellt sowohl Marktteilnehmer als auch die Regulierungsbehörde vor große Herausforderungen, ermöglicht aber gleichzeitig, dass Konsumenten aktiver am Strommarkt teilnehmen. Der europäische Energiemarkt heute ist viel vernetzter, transparenter und diversifizierter als noch vor einigen Jahren. Einst klar verteilte Rollen zwischen Erzeugern und Endverbrauchern verschieben sich immer mehr, und an die Stelle von ehemals passiven Konsumenten treten vermehrt aktive Prosumenten, die selbst lokal Energie erzeugen, verbrauchen und teilweise in das System einspeisen. Das Energiesystem der Zukunft wird vielfältiger, dezentraler und deutlich flexibler sein. Das bringt Änderungen mit sich, die sich auch in der künftigen Struktur der Netztarife wiederfinden müssen.

Neue Netzentgeltstruktur als große Herausforderung

Neben schwer planbarer dezentraler Einspeisung stellen auch die Themen Smart Metering, Energieeffizienz, Kostenverursachungsgerechtigkeit, Verbrauchsflexibilität der Kunden und auch Verteilungsfragen große Herausforderungen für die Netzentgeltstruktur der Zukunft dar. „Es wird eine zentrale Aufgabe der E-Control in den kommenden Monaten sein, auf Basis der erwarteten Stellungnahmen auf den aktuellen öffentlichen Begutachtungsentwurf eine neue Netzentgeltstruktur zu erarbeiten, die sämtliche Herausforderungen der Zukunft ausgewogen abdeckt.“, ist sich Eigenbauer der Veränderung bewusst, die im Bereich der Netztarife zu bewältigen sein wird.

Entwicklung der Regulierungssysteme

Die aktuellen Regulierungssysteme für Strom- und Gasnetzbetreiber laufen in den kommenden Jahren aus. Bereits mit 1.1.2017 wird es neue Vorgaben für Gas-Fernleitungsnetzbetreiber geben und in den beiden darauffolgenden Jahren Aktualisierungen der Regulierungssysteme für die verbleibenden Netzbetreiber. Somit stehen auch in dem Bereich der Kostenermittlung demnächst wesentliche Entscheidungen an.

Weiter Einsatz für Erhalt der Strompreiszone mit Deutschland

„Wir setzen uns weiter für die Erhaltung der deutsch-österreichischen Strompreiszone ein und werden unsere Position auch weiterhin aktiv einbringen. Die Preiszone ist ein Positivbeispiel für grenzüberschreitenden Stromhandel und erfolgreiche Marktintegration. Eine Trennung würde zu wirtschaftlichen Nachteilen auf beiden Seiten führen. Zudem würde eine Aufteilung dem Ziel eines stärker integrierten EU-Energiebinnenmarkts klar widersprechen.“, betont Andreas Eigenbauer. Eine Verbesserung würde hingegen ein stärkerer Ausbau des deutschen Stromnetzes bringen. „Die E-Control unterstützt natürlich weiterhin parallel die Erarbeitung und Koordination kurzfristiger Maßnahmen zur Verbesserung der Netzsicherheit. Der Prozess mit deutschen und anderen benachbarten Partnern zur Erzielung einer nachhaltigen Lösung wird kontinuierlich weiter geführt. Gleichzeitig werden jedoch auch rechtliche Mittel gegen die Trennung der Preiszone an der Grenze weiter verfolgt.“, so Andreas Eigenbauer, der darauf verweist, dass österreichische Kraftwerke einen wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung der gemeinsamen Preiszone und zur Versorgungssicherheit auch in Deutschland leisten.

„Versorgungssicherheit durch Solidarität der Mitgliedstaaten“

Auch im vergangenen Winter hat die Gasbranche wieder bewiesen, dass sich die Endkunden auf eine sichere Versorgung verlassen können. Mit einem Infrastrukturstandard der entsprechend der Berechnungssystematik der EU-Versorgungssicherheits-Verordnung aktuell sogar zu 237 Prozent erfüllt wird und der hohen Verfügbarkeit von Speicherkapazitäten in Österreich, sind dafür die besten Voraussetzungen gegeben. Auf europäischer Ebene wird derzeit eine Überarbeitung der Versorgungssicherheits-Verordnung diskutiert. „Ziel dieser Neufassung der Verordnung muss eine Verbesserung der Risikovorsorge und der Solidarität zwischen den Mitgliedstaaten sein. Entsprechende Regelungen zur Ausgestaltung sind dabei natürlich unerlässlich.“, so Eigenbauer.

Vorschläge des Rechungshofs werden umgesetzt

Die vom Rechnungshof in dessen Bericht im Frühjahr angeregten Verbesserungen wird die E-Control umsetzen. „Wir greifen die Vorschläge gerne auf und arbeiten daran, diese rasch bestmöglich zu verwirklichen“, sagt Eigenbauer. So soll der bereits eingeleitete Unternehmensstrategieprozess sobald als möglich beendet sein. Weit fortgeschritten ist etwa bereits die Umsetzung eines Internen Kontrollsystems des regulatorischen Bereichs und die Etablierung eines Risikomanagementprozesses. Der Rechnungshof bestätigte zudem, dass alle Tätigkeiten der E-Control auf Basis geltender Gesetze erfolgen.

Märkte integrieren, Konsumenten informieren, Infrastrukturinvestitionen

Insgesamt waren die vergangenen fünfzehn Jahre davon gekennzeichnet, die Rahmenbedingungen für einen liberalisierten Strom- und Gasmarkt zu schaffen und weiterzuentwickeln. „Die Herausforderung für die zumindest fünf kommenden Jahre wird darin bestehen, den österreichischen Strom- und Gasmarkt mit den benachbarten Märkten noch besser zu integrieren, um liquidere Märkte zu schaffen, einen effektiven Regulierungsrahmen für Infrastrukturinvestitionen bereit zu stellen, der eine sichere, zuverlässige und nachhaltige Energieversorgung gewährleistet und die Endkunden über ihre Chancen und Rechte im liberalisierten Markt noch besser zu informieren.“, sind sich die beiden Vorstände einig.

Selbstverständlich ist, dass die E-Control auch in den kommenden Jahren weiterhin im Sinne einer modernen und effizienten Behörde agieren und eine qualitativ hochwertige Erfüllung der gesetzlichen Aufgaben gewährleisten wird. „Wir sehen spannende Herausforderungen auf uns zukommen, denen wir uns natürlich gerne stellen.“, so Andreas Eigenbauer und Wolfgang Urbantschitsch abschließend.

 

E-Control – die neuen Vorstände stellen sich vor (0,1 MB)

  • Pressegespräch mit DI Eigenbauer und Dr. Wolfgang Urbantschitsch, LL.M.
 

Die neuen E-Control Vorstände stellen sich vor (. jpg ) (1,1 MB)

  • Dr. Wolfgang Urbantschitsch (links) und DI Andreas Eigenbauer

 

15 Jahre Strommarktliberalisierung / Präsentation Jahresbericht 2015

Energiemarktliberalisierung erhöhte Bruttoinlandsprodukt um 1,3 Prozent

Wien (14. März 2016) – Seit 15 Jahren können österreichische Stromkunden ihren Lieferanten frei wählen. Die Öffnung des Strommarktes 2001 und des Gasmarktes 2002 erhöhte das heimische Bruttoinlandsprodukt kumuliert um 1,3 Prozent und schuf 17.000 neue Jobs. Das sind die Ergebnisse einer Studie des Wirtschaftsforschers Kurt Kratena im Auftrag der Energieregulierungsbehörde E-Control. Durch die Strommarktliberalisierung ist die gesamte Stromrechnung für einen Haushaltskunden 2014 um 60 Prozent niedriger als in einem Szenario ohne Liberalisierung, für einen Industriebetrieb ist die Stromrechnung um 70 Prozent niedriger. „Der freie Markt hat die Strompreise ordentlich gedrückt. Ohne die Liberalisierung wären die Strompreise deutlich höher als heute“, so Martin Graf, Vorstand der E-Control. Die Preise sind gesunken, weil die Energieunternehmen geringere Gewinnaufschläge erzielten und effizienter wurden.

Durch Liberalisierung Bruttoinlandsprodukt um 1,3 Prozent höher, 17.000 neue Jobs
Durch die Öffnung des Strom- und Gasmarktes erhöhte sich das Bruttoinlandsprodukt kumuliert um 1,3 Prozent im Vergleich zu einem Szenario ohne Liberalisierung. Rund 17.000 Jobs sind neu entstanden. Im Elektrizitäts- und Gassektor sind entgegen früheren Berechnungen1 nur 400 Stellen weggefallen. „Dieser Arbeitsplatzverlust wurde aber durch neue Jobs in anderen Bereichen mehr als wettgemacht.“ So sind etwa in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Verwaltung 9.000 neue Arbeitsplätze entstanden, in Handel und Verkehr 3.000. Da die Konsumenten und Betriebe weniger Geld für Energie ausgeben mussten, floss das verfügbare Geld in die Wirtschaft und schuf dort neue Arbeitsplätze. „Die Liberalisierung brachte positive Effekte für die Energiekunden, den Wirtschaftsstandort und den Arbeitsmarkt“, betont Graf. „Die Energieunternehmen mussten ihre Strukturen weiterentwickeln und große Herausforderungen meistern. Die E-Wirtschaft ist auch jetzt stark gefordert, etwa durch die neue Konkurrenz von IT-Firmen.“

Stromnetzentgelte seit 2001 um ein Viertel niedriger
Mit der Liberalisierung ging auch die Regulierung der Netzbetreiber einher. Seit 2001 wurden in Summe um insgesamt rund 6,7 Milliarden Euro weniger Stromnetzentgelte bezahlt und die aktuellen Entgelte liegen im Schnitt um 23,8 Prozent niedriger als zu Beginn der Regulierung. Da die Netzbetreiber natürliche Monopolbetriebe sind, werden die Netzentgelte von der Regulierungsbehörde E-Control festgelegt. Die Stromnetzentgelte machen rund ein Viertel der gesamten Stromrechnung aus. „Die Netzbetreiber sind effizienter und schlanker geworden. Diese Einsparungen wurden durch die Regulierung an die Kunden weitergegeben. Gleichzeitig wurde weiterhin viel in die Netze investiert und Österreich hat nach wie vor eine sehr hohe Versorgungssicherheit und eine der geringsten Stromausfallsdauern Europas“, so Graf.

Österreichs Stromkunden praktisch atomstromfrei
Seit 2004 überprüft die E-Control jährlich die Stromkennzeichnung der Lieferanten. 2014, zehn Jahre nach der ersten Überprüfung, war der an österreichische Kunden gelieferte Strom erstmals praktisch atomstromfrei. Der Anteil von Strom aus erneuerbaren Energieträgern betrug knapp 90 Prozent. Der Anteil von Graustrom und damit auch der Anteil von Atomstrom in Österreich sind in den vergangenen Jahren stark gesunken. Seit 2007 ging der Anteil von unbekanntem Graustrom von 20 Prozent auf nahezu null zurück, faktisch der gesamte an Endverbraucher gelieferte Strom in Österreich ist mittlerweile gekennzeichnet. „Die Entwicklung der vergangenen Jahre ist beeindruckend. Der Strom in Österreich hat nun endgültig durchgehend ein Mascherl. Bei so gut wie jeder Kilowattstunde ist bekannt, um welchen Strom es sich handelt“, betont E-Control-Vorstand Martin Graf.

Intensiverer Wettbewerb am Strom- und Gasmarkt
Der Wettbewerb am heimischen Strom- und Gasmarkt ist zuletzt intensiver geworden, betont Graf. „Immer mehr neue Lieferanten drängen auf den Markt, die Anbieter übertrumpfen sich mit unterschiedlichen Angeboten.“ Am Strommarkt sind seit vergangenem Jahr neun neue Anbieter in den Markt eingetreten (MeinAlpenStrom, aWATTar, TopEnergy, Montana, Care Energy, E-wie Einfach, Mc Strom, Sturm Energie, Gutmann). Am Gasmarkt sind zwei neue Lieferanten hinzugekommen (Leu Energie, Sturm Energie), der Tiroler Gasanbieter Gutmann weitete zudem sein Angebot auf ganz Österreich aus. Insgesamt gibt es in Österreich für Haushalte derzeit 147 verschiedene Stromlieferanten und 33 Gaslieferanten. Die genaue Zahl der Lieferanten und Angebote ist abhängig vom Wohnort. Ein Haushalt in Wien beispielsweise kann mittlerweile zwischen 79 unterschiedlichen Stromprodukten von 38 Lieferanten wählen. Vor zehn Jahren gab es nur elf verschiedene Angebote in Wien. Ein Gaskunde in Oberösterreich hat mittlerweile die Wahl zwischen 49 verschiedenen

Vor zehn Jahren gab es gerade einmal sechs verschiedene Angebote. Ein Drittel der Produkte sind Onlineprodukte, bei denen die gesamte Kommunikation per E-Mail erfolgt, 80 Prozent der Stromprodukte sind Ökostromprodukte. Zur Wahl stehen auch Produkte mit oder ohne Preisgarantie oder sogenannte Floater-Tarife, deren Preise in regelmäßigen Abständen an den ausgewählten Indizes wie z.B. den aktuellen Börsenpreisen angepasst werden. Über ihre Rechte als Energiekonsumenten hat die E-Control Bürger umfassend informiert, zuletzt verstärkt im persönlichen Kontakt. Seit Oktober 2012 wurden in 300 Gemeinden in ganz Österreich Strom- und Gaskunden vor Ort beraten. Auf Publikumsmessen wurden alleine im vergangenen Jahr 650 Einzelberatungen durchgeführt.

Hohe Investitionen in Gasnetze, Speicherkapazität verdreifacht
Der Gasmarkt habe sich seit der Liberalisierung gut entwickelt, sagt E-Control-Vorstand Walter Boltz. „Seit der Gasmarktliberalisierung sind die Investitionen in die Netze signifikant angestiegen. Die heimischen Gasspeicherkapazitäten haben sich seit der Liberalisierung 2002 fast verdreifacht.“ 2002 erfolgte die Beschaffung von Gas nahezu ausschließlich über langfristige Verträge mit Ölpreisbindung. „Das hat sich enorm geändert, die flexible Beschaffung an Gashandelsplätzen, sogenannten Hubs, wird immer bedeutender“, erläutert Boltz. Die Liquidität dieser Handelsplätze ist seit 2008 deutlich gestiegen, auch am Virtuellen Handelsplatz in Österreich. Seit 2009 gibt es zudem eine Gasbörse (CEGH, Central European Gas Hub), an der unterschiedliche Gasprodukte gehandelt werden.
Boltz: „Bedingungen für Gaskunden so gut wie nie“

Die Ölpreisbindung in den langfristigen Verträgen wurde teilweise durch eine Gaspreisbindung ersetzt, die Abnahmeflexibilität in den Verträgen hat sich verändert. Gasgroßhändler haben in Europa weit mehr Optionen als früher. Auch die Gaskunden können von diesen Entwicklungen stärker profitieren: Die größeren Beschaffungsoptionen haben es neuen Anbietern erleichtert, in den Markt für Endkunden einzusteigen und neue Produkte anzubieten. „Die Bedingungen für Gaskunden sind so gut wie nie zu vor seit Beginn der Liberalisierung“, betont Boltz. Kunden können mittlerweile aus vielen verschiedenen Lieferanten und Produkten auswählen, bei Alternativlieferanten sind die Preise sehr niedrig. „Wer wechselt, kann von günstigen Preisen profitieren. Wer nicht wechselt, muss auf Preissenkungen hoffen, diese erfolgen aber nur zögerlich.“

1,6 Millionen wechselten Strom- und Gasanbieter seit Liberalisierung
Ihr Recht, den Lieferanten frei zu wählen, nutzen die Strom- und Gaskunden seit der Liberalisierung immer stärker. Insgesamt wechselten seit 2001 rund 1,6 Millionen Haushalte und Betriebe. Bei Strom wechselten 1,3 Millionen, knapp die Hälfte davon in den vergangenen fünf Jahren. Bei Gas suchten sich seit der Liberalisierung 2002 mehr als 250.000 Gaskunden einen neuen Lieferanten, mehr als zwei Drittel der Wechsel erfolgten in den vergangenen fünf Jahren. „Vor allem in den letzten Jahren wechselten die Österreicher immer häufiger“, so Boltz. Dementsprechend stiegen auch die Wechselraten an. Vergangenes Jahr wechselten bei Strom 2,5 Prozent – deutlich mehr als im Jahresschnitt seit der Liberalisierung (1,5 Prozent). Bei den Gaskunden lag die Wechselrate 2015 bei 3,4 Prozent und war damit mehr als doppelt so hoch wie der langjährige Schnitt von 1,4 Prozent. Insgesamt wechselten im vergangenen Jahr 198.000 Haushalte und Unternehmen ihren Strom- oder Gaslieferanten. Walter Boltz: „Was bei Handyverträgen gang und gäbe ist, wird nun auch bei Strom und Gas immer üblicher. Nämlich Preise zu vergleichen und zu dem für sich günstigsten Anbieter zu wechseln.“

Ersparnisse bei Wechsel binnen fünf Jahren verdreifacht
Warum die Österreicher immer häufiger wechseln, lässt sich zum Teil durch die zuletzt gestiegenen Ersparnisse bei einem Wechsel erklären. „Das Einsparpotenzial hat sich zuletzt rasant nach oben entwickelt. Die Ersparnisse haben sich bei Strom und Gas in den vergangenen fünf Jahren teils verdreifacht“, sagt Boltz. 2011 betrug die maximale Gesamtersparnis bei einem gleichzeitigen Wechsel von Strom und Gas 220 Euro inklusive Neukundenrabatt (Netzgebiet Oberösterreich). Derzeit sind es in Klagenfurt rund 750 Euro, wie aus dem Preismonitor der E-Control für März 2016 hervorgeht (siehe Beilage). Alleine in den vergangenen zehn Jahren sparten sich alle Haushalte und Gewerbebetriebe, die sich einen neuen Lieferanten suchten, rund 174 Millionen Euro bei Strom und rund 55 Millionen Euro bei Gas. Boltz rät angesichts der höchsten Einsparpotenziale seit der Liberalisierung zum Anbieterwechsel: „Wer seinem alten Lieferanten treu bleibt, zahlt drauf.“

48 Stromlieferanten senkten seit 2015 ihre Preise
Seit 2015 haben 48 Stromlieferanten ihre Preise gesenkt, darunter auch die Landesenergieversorger in Salzburg, Steiermark, Niederösterreich, Burgenland, Wien und Vorarlberg. „Der Preisdruck ist deutlich gestiegen“, sagt Walter Boltz. „Viele der Lieferanten haben nun endlich die gesunkenen Einkaufspreise für Strom an ihre Kunden weitergegeben. Besonders von den Senkungen der großen Versorger profitieren viele Kunden.“ Am Gasmarkt senkten seit 2015 neun Gasanbieter ihre Preise, darunter die sechs Landesenergieversorger in Tirol, Steiermark, Vorarlberg, Burgenland, Wien und Niederösterreich. (Eine detaillierte Aufstellung der Preissenkungen findet sich am Ende der Pressemappe.) Weitere Gaspreissenkungen haben Energie AG, Energie Burgenland, Wien Energie und EVN per 1. Mai angekündigt.

Freier Wettbewerb durch Liberalisierung ermöglicht
Ermöglicht wurde der freie Wettbewerb am Energiemarkt durch die Liberalisierung, erinnert Boltz. „Vor der Liberalisierung wurden die Strom- und Gaspreise, die Verbraucher an ihren jeweiligen Versorger zahlten, gesetzlich geregelt. Die Strompreise etwa legte der Energieminister auf Vorschlag einer Preiskommission, in der unter anderem die Sozialpartner und die Stromwirtschaft vertreten waren, fest.“ Es gab in jedem Bundesland einen Monopolversorger, der Kunde hatte keine freie Wahl. „Auch wenn der Kunde mit dem Service unzufrieden war, konnte er den Anbieter nicht wechseln. Von Kunden war damals auch noch gar nicht die Rede – diese wurden als ‚Tarifabnehmer‘ bezeichnet.“ Erst seit der Liberalisierung bilden sich die Preise frei nach dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage.

Umfrage: Jeder fünfte Haushalt kann sich heuer Wechsel vorstellen
Knapp 800.000 Haushalte können sich heuer einen Wechsel des Strom- oder Gasanbieters vorstellen, wie eine Hochrechnung auf Basis einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Peter Hajek im Auftrag der E-Control unter 1.000 Personen besagt. „Das Potenzial an wechselwilligen Haushalten ist noch lange nicht erschöpft. Jeder fünfte ist grundsätzlich für einen Wechsel heuer offen“, betont Boltz. Für jene, die gewechselt haben, war der Umstieg leichter als gedacht. Für 81 Prozent der Befragten, die bereits gewechselt haben, ging der Umstieg auf einen neuen Lieferanten „sehr rasch und unkompliziert“. Weitere 13 Prozent stimmten dieser Aussage ebenfalls weitgehend zu. „Neun von zehn Wechslern waren mit Schnelligkeit und Einfachheit des Anbieterwechsels sehr zufrieden oder zufrieden“, fasst Boltz die Umfrageergebnisse zusammen.

Hälfte wechselte online
Mehr als die Hälfte der Befragten, die schon einmal einen Anbieterwechsel durchführten, wechselte den Strom- oder Gaslieferanten online (per Ausfüllen eines Webformulars oder Rücksenden des unterschriebenen Vertrags per E-Mail). „Der Anbieterwechsel wird immer einfacher und kann bei den meisten Anbietern mittlerweile bequem online erledigt werden“, ergänzt dazu Walter Boltz. Neben dem Lieferantenwechsel ist auch der Produktwechsel ein Indikator für den vorherrschenden Wettbewerb. 16 Prozent der Befragten gaben an, bereits einmal bei ihrem bestehenden Anbieter den Stromtarif gewechselt zu haben, auf einen anderen Gastarif sind drei Prozent umgestiegen, so die Ergebnisse der Hajek-Umfrage. Rechnet man Anbieterwechsel und Produktwechsel zusammen, ist seit der Strommarktliberalisierung etwa jeder dritte Haushalt bereits aktiv zu einem günstigeren Stromangebot (bei einem neuen oder einem bestehenden Lieferanten) gewechselt.

Streitschlichtungsstelle der E-Control Anfang des Jahres aufgewertet
Mit Anfang des Jahres wurde die Streitschlichtungsstelle der E-Control aufgewertet. Konsumenten, die sich wegen Problemen mit ihrem Strom- oder Gasunternehmen an die Schlichtungsstelle der E-Control wenden, profitieren von einem verbesserten Verfahren und häufigeren Informationen. Die bisherige Leiterin der Schlichtungsstelle, Gabriele Guggenberger, wurde im Jänner als unabhängige Schlichterin neu bestellt. Hilft die Schlichtungsstelle Konsumenten bei Streitigkeiten mit einem Energieunternehmen, darf sie das Gütesiegel für eine staatlich anerkannte Verbraucherschlichtungsstelle führen. Das Verfahren selbst ist für den Konsumenten kostenlos. 2015 gab es rund 2.400 Anfragen an die Schlichtungsstelle. Die meisten Anfragen und Beschwerden gab es zu Stromrechnungen und dem Lieferantenwechsel. An der Energie-Hotline der E-Control (0810 10 25 54 zum Tarif von 4,40 Cent/Minute) wurden 2015 rund 6.100 Anrufe bearbeitet, um 13 Prozent weniger als im Vorjahr.

Onlineservices werden rege genutzt
Die E-Control-Homepage verzeichnete 2015 rund 925.000 Besuche, das ist ein leichter Rückgang von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Strom- und Gaspreisvergleichsrechner der E-Control (www.e-control.at/tarifkalkulator) wurde im vergangenen Jahr 430.000-mal abgerufen. Die im vergangenen Jahr neu eingeführte Onlineplattform „frag.e-control.at“ wird rege genutzt und verzeichnet im Durchschnitt pro Tag ein bis zwei neue Fragen. Die Zahl der mit der E-Control verbundenen Facebooknutzer verdreifachte sich von 2.000 auf mehr als 6.000. Die am häufigsten genutzte Online-Applikation der E-Control war 2015 neuerlich der auf Initiative des Wirtschaftsministeriums eingeführte Spritpreisrechner (www.spritpreisrechner.at). Rund 5,2 Millionen Mal haben sich Autofahrer damit die günstigsten Tankstellen in ihrer Umgebung anzeigen lassen. Der Strom- und Gaspreisvergleichsrechner für Gewerbebetriebe (www.e-control.at/gewerbe-tarifkalkulator) wurde wie im Jahr zuvor rund 20.000-mal genutzt.

 

Studienpräsentation: Volkswirtschaftliche Bedeutung der Stromnetze

Heimische Stromnetze schaffen jährliche Wertschöpfung von 2,5 Milliarden Euro

Wien (2. März 2016) – Die heimischen Stromnetze haben eine hohe Bedeutung für die österreichische Volkswirtschaft. Das zeigt eine Studie des Economica-Instituts für Wirtschaftsforschung im Auftrag der Energieregulierungsbehörde E-Control, bei der die 30 größten österreichischen Stromnetzbetreiber untersucht wurden. Der Betrieb der Stromnetze schafft eine gesamte jährliche Wertschöpfung[1] von rund 2,54 Milliarden Euro, das entspricht einem Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt von etwa 0,86 Prozent[2]. „Ohne die heimischen Stromnetze wäre es dunkel in Österreich. Nicht nur der Strom würde uns fehlen, auch die positiven wirtschaftlichen Effekte würden Österreich ganz stark abgehen“, sagt E-Control-Vorstand Martin Graf. „In den vergangenen Jahren hat die Energieversorgung insgesamt überdurchschnittlich zur Entwicklung des Bruttoinlands-produkts beigetragen und so die in den vergangenen Jahren schwache Konjunktur stabilisiert“, so Wirtschaftsforscher Christian Helmenstein vom Economica-Institut für Wirtschaftsforschung. Das Bruttoinlandsprodukt soll laut jüngsten Prognosen des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) erst 2016/2017 wieder um etwa 1,7 Prozent steigen.

Wertschöpfung des Stromnetzbetriebs über dem Tiefbau

Von den rund 2,54 Milliarden Euro Wertschöpfung des Stromnetzbetriebs pro Jahr wird die Hälfte direkt bei den Stromnetzbetreibern generiert, mehr als eine Milliarde Euro entlang der Wertschöpfungskette von Zulieferern und 250 Millionen Euro durch induzierte Effekte, sogenannte Einkommenseffekte. Die Wertschöpfungseffekte sind damit höher als in der Tiefbaubranche oder dem Telekommunikationssektor. Zum Vergleich: Im Tiefbau waren es laut volkswirtschaftlicher Gesamtrechnung 2014 2,2 Milliarden Euro, und in der Telekommunikation 2,4 Milliarden Euro.

Betrieb des Stromnetzes sichert mehr als 20.000 Jobs in Österreich

Der Stromnetzbetrieb hat auch eine große Bedeutung für den Arbeitsmarkt und sichert 20.200 Arbeitsplätze direkt und indirekt ab. Die größten Beschäftigungseffekte in der Betriebsphase gibt es in Wien mit rund 4.000 Arbeitsplätzen (nach Köpfen; siehe Grafik), gefolgt von Tirol mit 2.600 und Oberösterreich mit 2.400, so die Ergebnisse der Studie. „Die Stromnetze sind ein wichtiger Faktor für die Volkswirtschaft. Sie schaffen und sichern zahlreiche heimische Arbeitsplätze und generieren eine außerordentlich hohe Wertschöpfung in den Regionen durch Aufträge etwa an lokale Handwerks- und Bauunternehmen“, betont Graf.

Auch das Steueraufkommen beim Betrieb des Stromnetzes ist beträchtlich. Die lohnabhängigen Steuern und Sozialversicherungsbeiträge der 30 größten Netzbetreiber belaufen sich aufrund 550 Millionen Euro jährlich.

Hohe Investitionen in die Stromnetze

Von 2001 bis 2014 wurden preisbereinigt 8,4 Milliarden Euro in die Stromnetze investiert. Diese Investitionen generierten eine Wertschöpfung von sechs Milliarden Euro und sicherten 72.000 Jahresarbeitsplätze (in Köpfen) ab. „Die Netzbetreiber haben seit der Liberalisierung 2001 sehr hohe Investitionen getätigt. Entgegen mancher Unkenrufe kam es zu keinerlei Investitionsstau“, sagt Graf.

Höhere Investitionen in die Netzinfrastruktur bedeuten normalerweise auch höhere Kosten für die Stromkunden in Form von höheren Netzkosten. Seit der Liberalisierung zahlen alle Stromkunden in Österreich laut Berechnungen der E-Control aber jährlich rund ein Viertel weniger Netzkosten als noch auf Basis der Entgelte im Jahr 2001. Das ist eine jährliche Ersparnis von mehr als 500 Millionen Euro (ohne Berücksichtigung der Inflation). Die Reduktionen erfolgten, weil die Netzbetreiber effizienter geworden sind.

Von 2015 bis 2020 Investitionen von 5,7 Milliarden in die Stromnetzinfrastruktur

Die Investitionen der Netzbetreiber werden auch in den zukünftigen Jahren hoch bleiben, erwartet Martin Graf. „Von 2015 bis 2020 ist mit Gesamtinvestitionen von 5,7 Milliarden Euro für die Modernisierung und den Ausbau der Stromnetzinfrastruktur zu rechnen.“ Diese Investitionen schaffen eine Wertschöpfung von 4,2 Milliarden Euro. Das entspricht einem jährlichen Beitrag zum BIP von 0,23 Prozent. „Die Netzinvestitionen sind ein wichtiger Konjunkturmotor“, sagt Martin Graf.

Hohe Versorgungssicherheit

Die Effizienzsteigerungen bei den Netzbetreibern gingen aber nicht zulasten der Stromversorgungssicherheit, betont Martin Graf. „2013 waren die österreichischen Haushalte im Durchschnitt aufgrund ungeplanter Ausfälle gerade mal 34 Minuten ohne Strom. Österreich hat bei der Versorgungssicherheit ein sehr hohes Niveau und liegt im europäischen Vergleich im Spitzenfeld.“ Die Verfügbarkeit der heimischen Stromversorgung lag seit der Liberalisierung stets bei 99,99 Prozent.

Netzkosten für Haushalte und Industrie niedriger als in Deutschland

Die Netzkosten machten 2014 für einen österreichischen Haushalt laut der EU-Statistikbehörde Eurostat im Schnitt 5,89 Cent pro Kilowattstunde aus. In Deutschland waren es 6,68 Cent. Von der gesamten Stromrechnung entfallen für einen heimischen Durchschnittshaushalt rund 30 Prozent auf die Netzkosten. Damit liegt Österreich genau im EU-Schnitt. Für einen durchschnittlichen Industriebetrieb lagen die Netzkosten 2014 in Österreich bei 2,52 Cent pro Kilowattstunde. Der Durchschnitt der EU-28-Staaten belief sich auf 2,94 Cent. „Industriekunden müssen in Österreich für die Netzkosten deutlich weniger zahlen als im EU-Schnitt“, sagt Martin Graf. In Deutschland lagen die Netzkosten für ein durchschnittliches Industrieunternehmen 2014 bei 2,89 Cent pro Kilowattstunde.

Über die Studie

Die Untersuchung erfolgte durch eine Simulationsmethode anhand ökonometrischer Makromodelle. Angewandt wurde auch eine Input-Output-Analyse, dabei handelt es sich um eine der ältesten und am weitesten verbreiteten Methoden der Ökonomie. Die wirtschaftlichen Effekte des Übertragungsnetzbetreibers Austrian Power Grid in der Betriebs- und Investitionsphase wurden ganz Österreich zugeordnet.

Economica: Nationale und internationale Wirtschaftsforschung seit 2005

Das Economica-Institut für Wirtschaftsforschung wurde 2005 als gemeinnütziger Verein gegründet und hat seinen Sitz in Wien. Das unabhängige Institut betreibt Forschung auf nationaler und internationaler Ebene. Economica zählt zum Institutskreis des Cognion-Forschungsverbundes mit sozio-ökonomischen Instituten in Österreich, Deutschland und der Slowakei.

Über E-Control: Wettbewerb stärken, Energiekonsumenten informieren

Die Energie-Control Austria ist die unabhängige Regulierungsbehörde für den österreichischen Strom- und Gasmarkt. Sie wurde mit der Liberalisierung des Strommarktes 2001 und des Gasmarktes 2002 geschaffen. Hauptaufgabe der E-Control ist es, den Wettbewerb zu stärken, Spielregeln für den Markt festzulegen und deren Einhaltung zu überwachen.

 

[1] Durchschnittliche preisbereinigte Wertschöpfung der Jahre 2012 bis 2014.

[2] In Relation zum Bruttoinlandsprodukt 2014.

[3] Die Effekte des Übertragungsnetzbetreibers APG sowie alle Effekte, die nicht einem einzelnen Bundesland direkt zugeordnet werden können, wurden unter der Position „Österreich“ erfasst.

 

Studienpräsentation: Volkswirtschaftliche Bedeutung der Stromnetze (0,3 MB)

  • Studie des Economica Wirtschaftsforschungsinstituts – Betrieb des Stromnetzes schafft jährliche Wertschöpfung von 2,5 Milliarden Euro und sichert 20.000 Arbeitsplätze