Grenzüberschreitende Lieferungen
Marktintegration ist ein wesentliches strategisches Ziel der Regulierungs-behörde E-Control. Durch die geografische Lage im Zentrum Europas und maßgebliche technische Übertragungskapazitäten zu den Nachbarländern ist Österreich prädestiniert für eine starke Integration des Großhandelsmarktes und an laufenden Verbesserungen der Marktsituation interessiert. Durch die Inbetriebnahme neuer 380-kV-Leitungssysteme zu Tschechien und Ungarn konnte die thermische Übertragungskapazität an den grenzüberschreitenden Leitungen zu den Nachbarländern im Jahr 2009 auf insgesamt ca. 24 000 MW gesteigert werden.Rahmenbedingungen in Österreich
Engpässe bestehen zu Tschechien, Ungarn, Slowenien, Italien und der Schweiz und werden mittels expliziter Auktionen bewirtschaftet. Für alle mit Engpass behafteten Grenzen werden derzeit bilateral koordinierte, gemeinsame Vergaben durchgeführt. Die verfügbaren grenzüberschreitenden Kapazitäten haben sich zuletzt mit Tschechien und Ungarn durch Leitungsinvestitionen erhöht. Für die schweizerische Grenze erfolgt die Ermittlung der verfügbaren Kapazitäten auf Schweizer Seite, aus österreichischer Sicht bestehen keine Engpässe. Zwischen Österreich und der Slowakei gibt es keine direkte Netzverbindung. Abbildung 1 zeigt schematisch die Kuppelstellen zu den Nachbarstaaten.| Schematische Darstellung der technisch installierten, grenzüberschreitenden Kapazitäten im Übertragungsnetz (2009), Quelle: E-Control Durch Klicken auf das Symbol öffnen Sie das Diagramm |
Verfügbare Übertragungskapazitäten
| Jahreskapazität 2008 in MW | |
|---|---|
| Österreich - Schweiz | 110 |
| Schweiz - Österreich | 450 |
| Österreich - Slowenien | 350 |
| Slowenien -Österreich | 350 |
| Österreich - Ungarn baseloaded | 120 |
| Österreich - Ungarn peakloaded | 120 |
| Ungarn - Österreich baseloaded | 80 |
| Ungarn - Österreich peakloaded | 80 |
| Österreich - Tschechien | 200 |
| Tschechien - Österreich | 300 |
| Österreich - Italien | 182 |
| Italien - Österreich | 70 |
Quellen: Homepages der Netzbetreiber, eigene Auswertungen
Die Investitionen in neue Leitungssysteme (wie z.B. der Steiermarkleitung) erfolgen teilweise aus Erlösen aus den Auktionen der grenzüberschreitenden Kapazitäten. Im Jahr 2009 betrugen die Erlöse an den österreichischen Grenzen insgesamt etwa 54 Mio. Euro. Davon floss gemäß der Vorgaben von Artikel 16 Absatz 6 der Verordnung (EC) 714/2009 der überwiegende Teil der Erlöse in Investitionen für den Erhalt und Ausbau von Verbindungskapazitäten. Die verbleibenden Mittel wurden für Gewährleistung der tatsächlichen Verfügbarkeit der zugewiesenen Kapazitäten bzw. für die Reduktion der Netztarife verwendet.
Die relevanten Daten zu den Erlösen aus grenzüberschreitendem Engpassmanagement werden von beiden Unternehmen der Energie-Control Austria zur Verfügung gestellt.
Um das Ziel des EU-Binnemarktes über einen oder mehrere Zwischenschritte mit regionalen Märkten zu erreichen und praktische Probleme durch Verstärkung der Marktintegration zu lösen, wurde von ERGEG (European Regulators Group for Electricity and Gas, www.energy-regulators.eu) 2006 der Prozess der „Electricity Regional Initiatives“ initiiert. Das im Juli 2009 verabschiedete 3. Energiebinnenmarktgesetzespaket sieht erstmals eine rechtliche Verpflichtung für Regulierungsbehörden vor, auf regionaler und überregionaler Ebene zusammenzuarbeiten. Durch diese Verpflichtung kann der Prozess effizienter gestaltet werden. Weiters kann die Europäische Agentur für die Zusammenarbeit der Regulierungsbehörden (ACER) Empfehlungen zur Verbesserung der Kooperation zwischen Regulierungsbehörden abgeben.
Die Arbeitsschwerpunkte in den Regionen welchen Österreich angehört, sind mit Engpassmanagement, Verbesserung der Markttransparenz und Etablierung bzw. weiterer Ausbau und Integration von Großhandelsmarktplätzen weitgehend ähnlich.
Österreich und die Energie-Control Austria beteiligen sich dabei aktiv in der Region Central Eastern Europe (CEE) – in der die österreichische Regulierungsbehörde auch die Koordinationsrolle als „Lead Regulator“ übernimmt. Die Region umfasst die Länder Polen, Deutschland, Tschechische Republik, Slowakei, Ungarn, Slowenien und Österreich. Mit der Etablierung eines gemeinsamen Auktionsbüros (Central Allocation Office – CAO) als Tochterunternehmen aller Übertragungsnetzbetreiber der Region im Sommer 2008 wurde die Entwicklung eines koordinierten grenzüberschreitenden Engpassmanagemen-tmechanismus in Form einer lastflussbasierten Kapazitätsvergabe an allen Grenzübergabestellen verstärkt. Die CAO nimmt in diesem Prozess seit 2009 eine zentrale Rolle ein, da es die Implementierung der neuen Vergabemethode durch die Definition sämtlicher Geschäftsprozesse des lastflussbasierten Systems federführend betreut.
Projekte in Central East Europe
Weiterführende Informationen
www.energy-regulators.eu/...tiatives/eri/central-eastDarüber hinaus ist Österreich aktiv in die Region Central Southern Europe (CSE) eingebunden. Diese umfasst Frankreich, Deutschland, Österreich, Slowenien, Italien und Griechenland, sowie auch Schweiz als Beobachterland. Die Regelzonenführer der Region Central South Europe haben im Mai 2010 ein Memorandum of Understanding unterzeichnet, in dem sie sich auf die zukünftige gemeinsame Abwicklung der Auktionen über das Auktionsbüro CASC (Capacity Allocating Service Company) der Region Central West Europe verständigt haben, welches ab Jänner 2011 alle expliziten Auktionen übernehmen soll.
Durch die weit reichende Marktintegration mit Deutschland hat Österreich eine Reihe von natürlichen Anknüpfungspunkten zur Region Central Western Europe – CWE – bestehend aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Niederlande. Seit 2007 ist Österreich deshalb durch das Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend, die österreichischen Regelzonenführer, die österreichische Strombörse und die Energie-Control Austria auch als Beobachter in der sog. „Pentalateralen Initiative“ der zuständigen Ministerien vertreten.