Spezial: Der Energie-Blog der E-Control

Energie Blog Profitieren, wo immer Fragen zum Thema Energie auftauchen. Zum Beispiel bei den aktuellen Diskussionen rund um die Themen Energieverbrauch, Energieeffizienz, Klimaschutz und Klimawandel.
In Zusammenarbeit mit www.kurier.at teilt Dr. Harald Proidl von der E-Control in diesem Blog Informationen und Hintergrundwissen mit allen Lesern, damit diese bei der täglichen Berichterstattung, beispielsweise zur UN Klimakonferenz in Kopenhagen, besser durchblicken und diese wichtigen Zukunftsthemen fundiert mitdiskutieren können.

ENERGIE!

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  1. Energie – sparen – warum? (Beitrag vom 07.12.2009)
  2. Die Geschichte des Klimaschutzes (Beitrag vom 08.12.2009)
  3. Eh nur CO2 oder: Was sind Treibhausgase? (Beitrag vom 09.12.2009)
  4. Wirtschaftskrise = Klimachance? (Beitrag vom 11.12.2009)
  5. CO2 reduzieren! Schön und gut - aber wie? (Beitrag vom 14.12.2009)
  6. Die große Kluft (Beitrag vom 15.12.2009)
  7. Welt - Europa - Österreich (Beitrag vom 16.12.2009)

  • Energie – sparen – warum? (Beitrag vom 07.12.2009)

    Manche Dinge weiß man einfach oder sie gehören zum guten Ton. „Political Correctness“, wie es neu-deutsch heißt. Dass man keinen Müll aus dem fahrenden Auto wirft, ist ziemlich jedem in Fleisch und Blut übergegangen (vor 20 Jahren war das noch keinesfalls selbstverständlich), dass man den Müll trennt (oder trennen sollte), ist heutzutage auch jedem klar. Und natürlich nicken wir alle, wenn es heißt, dass Energie sparsam und effizient verwendet werden soll. Aber sind wir davon schon so richtig überzeugt? Alle?

    Bei manchen Dingen, ist es sicherlich angebracht, ab und zu noch mal nach dem Warum zu fragen? Klar, sparen ist immer gut. Schließlich geht’s auch um die eigene Brieftasche. Aber:

    Warum eigentlich Klimaschutz und Klimapolitik? 

    Nun, die Mehrheit der Wissenschaftler weltweit geht davon aus, dass der enorme Anstieg der Treibhausgasemissionen nachhaltigen Einfluss auf Umwelt, Natur, Klima und Wetter hat – dabei steht der Begriff der „globalen Erwärmung“ im Vordergrund. Damit ist vereinfacht gesagt ein unnatürlich schneller Anstieg der Durchschnittstemperaturen am Land und auch der Meere gemeint.

    Die Folgen dieses Temperaturanstieges für den Planeten sind enorm und beinhalten unabsehbare Implikationen für Natur, Menschen, Gesellschaft, Wirtschaft, etc. Dies reicht vom Abschmelzen der Polkappen und dem Anstieg des Meeresspiegels, über unübliche Wetterphänomene, Verschiebung der Klimazonen, Aussterben von Tier- und Pflanzenarten bis hin zu Wasser- und Nahrungsmittelmangel.

    Das Resultat daraus wären unkalkulierbare volkswirtschaftliche Kosten zur Abdeckung von Schäden (z.B. nach Stürmen und Überschwemmungen) und Schutzmaßnahmen (z.B. vor Hochwasser), gesellschaftliche und soziale Spannungen und Unruhen (z.B. bei der Verteilung von Wasser und Nahrungsmittel), Konflikte um fruchtbare Gebiete und Wasservorkommen, etc.

    Grundsätzlich geht die Mehrheit der Wissenschaftler davon aus, dass der Klimawandel bzw. der Anstieg der Durchschnittstemperaturen nicht mehr rückgängig gemacht werden kann – letztendlich geht es nur noch um Schadensbegrenzung. Unterschiedliche Modellrechnungen ergeben bis zur Jahrhundertwende einen Anstieg der Temperatur von 2 bis 7 Grad.

    Die führenden Wirtschaftsnationen haben sich im Prinzip bereits darauf verständigt, dass Maßnahmen zu ergreifen sind, um den Anstieg auf zumindest 2 Grad einzuschränken. Die Meinungen darüber, wie dies zu erreichen sei, gehen jedoch zum Teil noch weit auseinander. Einige Informationen und Fakten dazu, sollen im Lauf der nächsten Tage hier angebracht, erläutert und diskutiert werden.

  • Die Geschichte des Klimaschutzes (Beitrag vom 08.12.2009)

    Klimaschutz ist keine "Erfindung" des 21. Jahrhunderts, wie man manchmal meinen könnte.

    Der erste Meilenstein im internationalen Klimaschutz wurde bereits 1992 bei der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro gesetzt. Dort wurde unter anderem die Klimarahmenkonvention (UNFCCC) vereinbart - damit wurde erstmals völkerrechtlich verankert, dass es einen menschlich verursachten Eingriff in das weltweite Klima zu verhindern gilt. 1994 trat diese Klimarahmenkonvention in Kraft.

    Kyoto ist noch nicht vorbei

    Die nächsten beiden Konferenzen hießen dann schon UN-Klimakonferenzen und fanden in Berlin (1995) und in Genf (1996) statt. Danach ging es schließlich 1997 in das japanische Kyoto. Dort stand das in den Jahren zuvor erarbeitet Protokoll zur Reduktion der Treibhausgasse zur finalen Diskussion. Schließlich haben sich die versammelten Vertragsstaaten (vorrangig Industriestaaten) darauf geeinigt, ihre Treibhausgasemissionen im Zeitraum von 2008 bis 2012 um durchschnittlich 5,2 % gegenüber dem Basisjahr 1990 zu senken.

    Wir sind also derzeit, obwohl ja allenthalben von einer Nachfolgeregelung für das Kyoto-Protokoll gesprochen wird, mitten in der Kyoto-Phase und haben Ende dieses Jahres gerade mal die Halbzeit erreicht. Was nicht heißen soll, dass man nicht jetzt eine Nachfolgeregelung festlegen müsste. Aber in der öffentlichen Wahrnehmung herrscht oft die Meinung, Kyoto sei mit der aktuellen UN Konferenz in Kopenhagen beendet.

    Von 55 Staaten auf 190

    Beim Kyoto-Protokoll dauerte es wiederum bis zur Konferenz in Marrakesch im Jahr 2001, bis auch noch die allerletzten technischen Details und Fragen geklärt waren.

    Als Bedingung für das in Kraft treten des Abkommens galt damals: mindestens 55 Vertragsstaaten die gemeinsam für mindestens 55 % der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich sind (bezogen auf das Jahr 1990) müssen sich zu dem Abkommen bekannt haben. Erst der Beitritt Russland im November 2004 ebnete schließlich den Weg für das endgültige in Kraft treten des Kyoto-Protokolls am 16. Februar 2005. Heute sind es rund 190 Staaten, die dem Kyoto-Protokoll beigetreten sind (oder zumindest formell zugestimmt haben) - der bislang prominenteste Verweigerer: die USA.

  • Eh nur CO2 oder: Was sind Treibhausgase? (Beitrag vom 09.12.2009)

    Häufig wird bei Diskussionen oder in den Medien immer "nur" von CO2 gesprochen. Aber ist das schon alles?

    Der hohe Anteil von "Treibhausgasen" in der Atmosphäre wird großteils vom Menschen verursacht. Häufig wird dabei - auch in den Medien - nur von CO2 gesprochen. Dies führt in manchen Blogs und Diskussionsforen auch dazu, dass dort kritisiert wird, es würde soviel "Aufhebens" nur um das CO2 gemacht und andere Klimaschadstoffe bei den Verhandlungen ganz außer Acht gelassen würden.

    Dem ist natürlich nicht so. Medial wird das CO2 lediglich als "Pars per totum", also als Platzhalter für die Summe aller "Treibhausgase" verwendet. Sowohl im wissenschaftlichen Diskurs, als auch bei den politischen Verhandlungen geht es letztlich aber immer um die "Treibhausgase" insgesamt. Zu den "Treibhausgasen" zählen im Wesentlichen:

    • CO2 - Kohlenstoffdioxid: entsteht vorwiegend durch die Verbrennung von den fossilen Energieträgern Kohle, Erdöl, Erdgas.
    • CH4 - Methan: entsteht vielfach in der Land- und Forstwirtschaft bzw. bei der sonstigen Nutzung von biogenen Stoffen. Methan wird weiters durch Leckagen bei Förderung, Transport und Verarbeitung von Erdgas in die Atmosphäre abgegeben.
    • N2O - Lachgas: für dieses Treibhausgas zeichnet sich vorrangig die Landwirtschaft verantwortlich (z.B. Viehhaltung, Düngemittel)
    • Fluorkohlenwasserstoffe: dienen als Treibgas, Kühl- oder Feuerlöschmittel.
    • SF6 - Schwefelhexafluorid: wird vorrangig in der Industrie für div. Prozesse genutzt.

    CO2 ist das schwächste "Treibhausgas" - aber das häufigste

    All diese Gase haben unterschiedliche Wirkung und Abbauphasen in der Atmosphäre. Als Referenzwert gilt immer CO2 als schwächstes aller Gase. Das Treibhausgaspotenzial von SF6 ist beispielsweise um 22.800-mal höher als jenes von CO2. Den mit Abstand höchsten Anteil an den gesamten Treibhausgasemissionen hat CO2 - in Österreich liegt der Wert beispielsweise bei 85%.

    Aus sektoraler Sicht sind die größten Emittenten weltweit die Stromproduktion, die Industrie, der Verkehr, Land- und Forstwirtschaft, Haushalte und der Dienstleistungsbereich. Die tatsächliche Verteilung der Anteile in einzelnen Ländern ist von einer ganzen Reihe an Faktoren abhängig: klimatische Bedingungen, Wohlstand, Entwicklung, Grad der industriellen Produktion, etc.

    Einiges an Detailinformationen zum Energieverbrauch, zum Beispiel welche Anteile davon in Österreich auf Haushalte, Industrie, Verkehr usw. entfallen, gibt es auf der Homepage unter Energieverbrauch



  • Wirtschaftskrise = Klimachance? (Beitrag vom 11.12.2009)

    Die weltweite Wirtschaftskrise wirkt sich kurzfristig auch deutlich auf den Energieverbrauch und die Treibhausgasemissionen aus.

    Das chinesische Schriftzeichen für Krise besteht aus zwei Teilen: der eine Teil symbolisiert Gefahr, der andere Chance. Die Lebensweisheit, die sich in diesem Symbol darstellt, gilt in gewissem Sinne auch für die aktuelle, weltweite Wirtschaftskrise. So wirkt sich diese, zumindest kurzfristig, deutlich auf den Energieverbrauch und die Treibhausgasemissionen aus.

    Auswirkungen in Österreich

    In Österreich erwartet man u.a. derzeit für das Jahr 2009 folgende Werte:

    • Stromverbrauch: - 5% im ersten Halbjahr; bis zum Ende des Jahres werden -7% erwartet
    • Gasverbrauch: erwarteter Rückgang bis zum Ende des Jahres zwischen 6 und 8%
    • Dieselverbrauch: Rückgang im 1. Halbjahr um 5,8%
    • Flugbenzin: Rückgang der Nachfrage um 23%

    Weltweite Effekte

    Die IEA (Internationale Energie Agentur) schätzt, die CO2-Emissionen werden im Jahr 2009 weltweit um 2,6 % zurück gehen. Dies wäre die stärkste Verringerung der letzten 40 Jahre! Und immerhin, laut IEA ist rund ein Viertel des Rückganges bereits auf Klimaschutzmaßnahmen zurück zu führen!

    Weiters werden für die CO2-Emissionen international aktuell die folgenden Schätzungen abgegeben:

    • USA: erwarteter Rückgang der CO2-Emissionen im Jahr 2009 um 6 %
    • Europa: erwateter Rückgang der CO2-Emissionen im Jahr 2009 von 4 bis 5 %

    Der CO2-Preis an der Börse liegt derzeit nur bei rund 13 Euro. Zum Vergleich: im Dezember 2008 lag der Preis noch bei rund 15 Euro und im Juni 2008 sogar über 30 Euro je MWh.

    Quellen der o.g. Zahlen: Internation Energy Agency, E-Control, Statistik Austria

    Wird der Aufschwung zum Überholmanöver?

    Offen bleibt natürlich die Frage, wie nachhaltig die Reduktionen bei Energieverbrauch und Emissionen sind. Eine Erholung der Wirtschaft könnte gleichzeitig wieder einen Anstieg der Energienachfrage bedeuten. Es bleibt also abzuwarten, inwieweit das ursprüngliche Niveau wieder erreicht - oder, mit neuer Wirtschaftsdynamik, sogar überholt wird. Die Chance liegt darin, den Aufschwung mit neuen Technologien und effizienteren Maßnahmen zu gestalten, um den kleinen positiven Effekt, den die Wirtschaftskrise mit Blick auf den Klimaschutz gebracht hat, nicht sofort wieder - im wahrsten Sinne des Wortes - zu verheizen.

    Wissenswertes zum Thema Energieverbrauch gibt es übrigens auch unter dem Punkt: Thema Energieverbrauch



  • CO2 reduzieren! Schön und gut - aber wie? (Beitrag vom 14.12.2009)

    Reduzierung der Treibhausgase (THG) ist das große Thema dieser Tage. Nur wie, davon hört man vergleichsweise wenig. 

    CO2-Reduktion, oder genauer, Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen (THG) ist das große Thema, wenn es dieser Tage um Klimaschutz geht. 7%, 30%, 50%, 80%, viele Zahlen schwirren herum. Wenig hört man dabei, wie diese Ziele eigentlich erreicht werden sollen. Hier daher ein kurzer Überblick über die wesentlichen Maßnahmen und Instrumente zur Reduktion der THG-Emissionen.

    In modernen Industrieländern wie Österreich werden Maßnahmen und Instrumente zur Reduktion der Treibhausgasemissionen bereits auf breiter Ebene eingesetzt. Dabei werden vorrangig die folgenden Sektoren unterschieden:
    • Industrie
    • Energiewirtschaft (Strom und Wärmeproduktion, Raffinieren)
    • Verkehr
    • Haushalte und Dienstleistungssektor
    • Landwirtschaft

    Beispiele für die verschiedenen Sektoren

    Zu den zentralen Maßnahmen zählen ganz allgemein die Verringerung des Verbrauches von fossilen und der verstärkte Einsatz von erneuerbaren Energieträgern. Dazu ein paar Beispiele für die einzelnen Sektoren:

    Industrie: energetische Optimierung von Prozessen und Verfahren, Einsatz von modernen und energieeffizienten Technologien, Nutzung von Erneuerbaren Energieträgern, verstärkte Nutzung von KWK-Technologien (Kraft-Wärme-Kopplung, sprich z.B. die Abwärme eines Gaskraftwerkes für Fernwärme nutzen), etc.

    Energiewirtschaft: Steigerung der Wirkungsgrade in Kraftwerken, Modernisierung des Kraftwerksparks, verstärkte Nutzung von KWK-Technologien, verstärkte Nutzung von erneuerbaren Energieträgern bei der Erzeugung von Strom und Wärme, etc.

    Verkehr: Reduktion des Individualverkehrs und Forcierung der öffentlichen Verkehrsmittel, Verhaltensänderungen, Beimengung von biogenen Treibstoffen zu konventionellen Treibstoffen, etc.

    Haushalte: Reduktion des Energieverbrauches durch Sanierung und energieeffizienten Neubau, Nutzung von modernen und effizienten Haushaltsgeräten, Verhaltensänderungen, Heizungstausch, etc.; Nutzung von erneuerbaren Energieträgern beim Heizen (z.B. Pellet, Wärmepumpe)

    Dienstleistungssektor: ähnlich wie bei Haushalten

    Landwirtschaft: Nutzung von landwirtschaftlichen (Abfall-)Produkten zur Strom- und Wärmeerzeugung

    Bund und Länder

    Um die Vielzahl an Maßnahmen auch tatsächlich umzusetzen, wird in Österreich sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene eine Reihe von Instrumenten eingesetzt. Dabei kann es sich um sogenannte "Soft Actions" (Beratungen, Tipps, Verhaltensänderung) handeln, um ordnungspolitische Maßnahmen (Gesetze, Verbote, etc.) oder um öffentliche Investitionen, Förderungen und steuerliche Anreize, etc. Dazu wiederum folgende Beispiele in den einzelnen Sektoren:

    Industrie und Energiewirtschaft: Förderungen für Investitionen in energieeffiziente und erneuerbare Technologien, Steuervergünstigungen, etc. wichtig: energieintensive Industrie und große Anlagen der Energiewirtschaft sind vom europaweiten Emissionshandelssystem erfasst

    Verkehr: Investitionen in den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel, Anpassung der Mineralölsteuer, Anpassung der NOVA, verpflichtende Beimischung von biogenen Treibstoffen, Zuschüsse zu Tickets für die öffentlichen Verkehrsmittel, Mautbestimmungen im hochrangigen Straßennetz, etc.

    Haushalte und Dienstleistungssektor: Förderungen für den Neubau von energieeffizienten Gebäuden und die Sanierung bestehender Gebäude, Förderung des Einbaus von modernen Heizsystemen, energetische Kennzeichnung von elektrischen Geräten, etc.

    Flexible Mechanismen

    Das Kyoto-Protokoll ermöglicht einzelnen Staaten einen Beitrag zur Erfüllung ihrer Klimaziele im Ausland zu realisieren. Dabei handelt es sich um die so genannten flexiblen Mechanismen. Der einfache Hintergrund dazu: je mehr ein Land bereits seine (spezifischen) Emissionen reduziert hat, desto schwieriger zu realisieren und teurer wird jede weitere Einheit CO2 die man sparen muss. Deswegen wird es Staaten ermöglicht außerhalb der eigenen Landesgrenzen Einsparungen zu realisieren und sich diese für die eigene Zielerreichung anrechnen zu lassen.

    Zu diesen Mechanismen zählen:

    Emissionshandelssystem: in Europa wurde ein Emissionshandelssystem mit CO2-Zertifikaten geschaffen. In diesem System werden, nach gewissen vorgegeben Kriterien, die größten Emittenten (anlagenbezogen) aus Industrie und Energiewirtschaft erfasst. Diese haben nun die Wahl, im eigenen Unternehmen CO2-Einsparungsmaßnahmen zu implementieren, oder an der Börse CO2-Zertifikate zu kaufen - am Ende der jeweiligen Handelsperiode müssen sie die vorgegebenen Zielsetzungen nachweisen.

    Joint Implementation (JI): Länder können Emissionsreduktionen in anderen Ländern durchführen und sich die lukrierten Einsparungen für das eigene Ziel anrechnen lassen - Voraussetzung: das Ziel-Land in dem die Investition statt findet, muss auch ein Industrieland bzw. im Kyoto-Prozess integriert sein. Eine zusätzliche Motivation für dieses Instrument ist die Förderung von Investitionen in moderne Technologien und Anlagen in Osteuropa.

    Clean Development Mechanism (CDM): Dieses Instrument ist ähnlich dem zuvor beschriebenen JI - wesentlicher Unterschied: die Investition wird in einem Entwicklungsland durchgeführt.

    In Österreich sollen aktuell rund 47 % der notwendigen Einsparungen über die beschriebenen flexiblen Mechanismen - also außerhalb Österreichs realisiert werden.



  • Die große Kluft (Beitrag vom 15.12.2009)

    Das vergangene Wochenende stand bei der UN Klimakonferenz in Kopenhagen ganz im Zeichen der Kluft zwischen Industrie- und Entwicklungsländern.

    Unbestritten ist die Tatsache, dass die Industrieländer für den Großteil der vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen verantwortlich sind. Die USA, Japan, Kanada, Australien und den EU15 sind für fast die Hälfte der CO2-Emissionen verantwortlich, obwohl sie gerade einmal 15 % der Weltbevölkerung ausmachen. Dazu kommen noch Russland und die wirtschaftlichen Boom-Staaten Indien und China, die enorme Mengen an CO2 emittieren (rund 1,5 Mrd. t pro Jahr im Fall von Russland und Indien sowie gar 6 Mrd. t pro Jahr im Fall von China).

    20 Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr

    Das Gefälle wird vor aber allem bei den Pro-Kopf-Emissionen sehr deutlich: während in den USA je Einwohner rund 20 t pro Jahr emittiert werden, sinkt dieser Wert bereits auf rund 8 bis 10 t in Mitteleuropa und 4,5 t in China. In den meisten Entwicklungsländern betragen die CO2 Emissionen pro Kopf 1 t und weniger. Weltweit liegt der Durchschnittswert bei den Pro-Kopf-CO2-Emissionen bei rund 4,4 t pro Jahr.

    Entwicklungsländer spüren Klimawandel schneller und stärker

    Doch nicht nur bei den "nackten Emissionszahlen" wird die Kluft deutlich. Die Folgen aus dem Klimawandel sind gerade in den Entwicklungsländern bereits am deutlichsten zu spüren. Die Inselstaaten im indischen und im pazifischen Ozean, aber auch viele andere Küstenländer in Asien und Afrika haben mit ersten Folgen des Klimawandels zu kämpfen. Der Anstieg der Meeresspiegel, Wetterkapriolen, Ernteausfälle und ähnliche Phänomene machen wirtschaftlich unterentwickelten Ländern weit mehr Probleme als den Industriestaaten. Die hohen volkswirtschaftlichen Kosten und Schäden können aufgrund von mangelnden Infrastrukturen, Wirtschaftsstrukturen, Sozialsystemen, etc. nur schwer kompensiert werden.

    Dementsprechend wird in Kopenhagen derzeit diskutiert, wie die Entwicklungsländer von den Industrieländern beim Klimaschutz bzw. bei der Bewältigung von Klimaschäden unterstützt werden können.

    Wie bei so vielen Punkten, so konnte auch diesbezüglich bis jetzt noch keine Einigung erreicht werden.


  • Welt - Europa - Österreich (Beitrag vom 16.12.2009)

    Während die Welt bzw. deren Vertreter in Kopenhagen in den Endspurt beim Ringen um die Zukunft sind, wollen wir noch einmal betrachten, "was bisher geschah", beziehungsweise wo Europa und insbesondere Österreich beim Erreichen der bereits gesteckten Ziele stehen.

    Im Zuge des Kyoto-Prozesses hat man sich innerhalb der Europäischen Union auf ein Einsparziel von 8 % geeinigt (für Kyoto-Periode 2008 - 2012 im Vergleich zum Basisjahr 1990). Dieses Ziel umfasst die so genannten ehemaligen EU-15-Länder Österreich, Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Portugal, Spanien, Schweden und Großbritannien.

    Burden-Sharing: individuelle Ziele für jedes Land

    Das Ziel von 8 % wurde im Rahmen eines "Burden-Sharing-Prozesses" auf die einzelnen Länder nicht-linear umgelegt. In einem politischen Diskussionsprozess, wurde für alle teilnehmenden Länder ein individuelles Einsparziel festgesetzt - dabei wurden Faktoren wie Wirtschaftsleistung, Emissionsniveau, etc. berücksichtigt. Für Österreich wurde etwa ein Ziel von -13 % festgelegt, während (zu diesem Zeitpunkt) ökonomisch schwächeren Ländern wie Irland, Griechenland oder Spanien sogar ein Anstieg der Emissionen zugestanden wurde. Die folgende Abbildung 3 zeigt die aktuellsten Entwicklungen der Emissionen (bzw. aktuellsten prognostizierten Werte der Kommission). Aktuell liegt der Einsparwert innerhalb der EU-15 bei -5 % und die Kommission zeigt sich sehr optimistisch, dass im Jahr 2012 das EU-weite Ziel nicht nur erfüllt, sondern sogar übererfüllt wird.
    Treibhausgasemissionen in den EU-15: Ziel und aktuelle Entwicklung
    Abb 1: Treibhausgasemissionen in den EU-15: Ziel und aktuelle Entwicklung; Quelle: Europäische Kommission, Europäische Energieagentur
    Wie in der oben gezeigten Abbildung zu sehen ist, konnten alle Länder ihre Emissionen gegenüber dem Basisjahr verringern oder zumindest stabilisieren - mit einer Ausnahme: Österreich.


    Klimaschutz in Österreich

    Österreich hat sich im Rahmen des EU-weiten "Burden-Sharing-Prozesses" dazu verpflichtet, die Treibhausgasemissionen bis zur Kyoto-Periode 2008/2012 um 13 % gegenüber dem Basisjahr 1990 zu reduzieren.

    1990 lagen die Emissionen bei einem Wert von 79 Mio. t CO2-Äquivalent. Die aktuellsten Daten zeigen einen Wert von 88 Mio. t - damit müssten, um das Kyoto-Ziel zu erreichen, bis zum Jahr 2012 die Emissionen um 19,2 Mio. t auf 68,8 Mio. t reduziert werden. Interessant: allein 9 Mio. t (entspricht fast 47 % der gesamten notwendigen Einsparung) sollten über die flexiblen Mechanismen (JI/CDM) im Ausland realisiert werden.

    Aus sektoraler Sicht, fallen 29 % der Treibhausgasemissionen in Österreich auf die Industrie und das produzierende Gewerbe, knapp 28 % auf den Verkehr, knapp 16 % auf die Energieaufbringung, rund 13 % auf die Raumwärme und weitere kleine Anteile auf Landwirtschaft, Abfallwirtschaft fluorierte Gase sowie sonstige Emissionsquellen.

    Einzig bei dem Bereich der Raumwärme ist man im Sinne des Kyoto-Prozesses auf Schiene - bei allen anderen Sektoren müssen zur Zielerreichung noch deutliche Reduktionen realisiert werden.