Grenzüberschreitende Lieferungen
Marktintegration ist ein wesentliches strategisches Ziel der Regulierungsbehörde E-Control. Mit 15.500 MW technischer Übertragungskapazität an grenzüberschreitenden Leitungen zu Nachbarländern, ist Österreich für eine starke Integration des Großhandelsmarktes prädestiniert und an einer erheblichen Verbesserung bezüglich der Marktsituation interessiert.Rahmenbedingungen in Österreich
Die Engpasssituationen zu den benachbarten Ländern haben sich für Österreich in den letzten Jahren nicht wesentlich verändert. Die Engpässe bestehen zu Tschechien, Ungarn, Slowenien, Italien und der Schweiz und werden mittels expliziter Auktionen bewirtschaftet.Für alle mit Engpass behafteten Grenzen werden bilateral koordinierte, gemeinsame Vergaben durchgeführt. Die verfügbaren grenzüberschreitenden Kapazitäten haben sich mit Tschechien und Ungarn in den jeweils bevorzugten Handelsrichtungen erhöht, an den anderen Grenzen sind sie weitgehend unverändert geblieben.
Für die schweizerische Grenze erfolgt die Ermittlung der verfügbaren Kapazitäten auf Schweizer Seite, aus österreichischer Sicht bestehen keine Engpässe. Zwischen Österreich und der Slowakei gibt es keine direkte Netzverbindung. Abbildung 1 zeigt das österreichische Stromnetz und die Kuppelstellen zu den Nachbarstaaten.
Die verfügbaren Übertragungskapazitäten pro Grenzübergabestelle mit Engpass, können der nachfolgenden Tabelle entnommen werden. Die für den Markt verfügbaren Übertragungskapazitäten wurden in der Regel gemäß der “NTC Methode“ bilateral zwischen den involvierten Übertragungsnetzbetreibern ermittelt und sind durch diverse Einflussfaktoren deutlich geringer als die tatsächlich installierte Kapazität.
Verfügbare Übertragungskapazitäten
| Grenzübergabestellen | Jahreskapazität 2008 in MW |
|---|---|
| Österreich - Schweiz | 130 |
| Schweiz - Österreich | 450 |
| Österreich - Slowenien baseloaded | 200 |
| Österreich - Slowenien peakloaded | 50 |
| Slowenien - Österreich baseloaded | 250 |
| Slowenien -Österreich peakloaded | 300 |
| Österreich - Ungarn | 300 |
| Ungarn - Österreich baseloaded | 200 |
| Ungarn - Österreich peakloaded | 150 |
| Österreich - Tschechien | 300 |
| Tschechien - Österreich | 200 |
| Österreich - Italien | 182 |
| Italien - Österreich | 70 |
Quellen: Homepages der Netzbetreiber, eigene Auswertungen
Um das Ziel des EU-Binnemarktes über den Zwischenschritt mit regionalen Märkten zu erreichen und praktische Probleme bei der Umsetzung der Rahmenbedingungen für die Verstärkung der Marktintegration zu lösen, wurden von ERGEG (European Regulators Group for Electricity and Gas) regionale Initiativen initiiert. Die Arbeitsschwerpunkte in den Regionen, welchen Österreich angehört, sind mit Engpassmanagement, Markttransparenz und Etablierung bzw. Zusammenarbeit von Großhandelsmarktplätzen weitgehend ähnlich. In der Region Central East Europe hat die E-Control die Rolle des „Lead Regulators“.
Zum regional koordinierten grenzüberschreitenden Engpassmanagement nach den Leitlinien gemäß Art. 8 der VO (EG) 1228/2003, laut denen eine lastflussbasierte Kapazitätsvergabe an allen Grenzübergabestellen erforderlich ist, konnten im Jahr 2008 wesentliche Meilensteine erreicht werden. Im Sommer 2008 wurde als dafür vorgesehene operative Einheit das Auction Office in Freising bei München als Tochterunternehmen der involvierten Regelzonenführer gegründet.
Dafür war es erforderlich, wettbewerbsrechtliche Genehmigungen durch die Regelzonenführer zu erhalten. In einer externen Studie wurden zudem die Machbarkeit und Vorteile des lastflussbasierten Verfahrens evaluiert. Da dabei eindeutig Vorteile aus der Methode dargestellt wurden, haben die Regulierungsbehörden aus der CEE Region den Regelzonenführern bei weiteren Schritten zur Umsetzung, wie z. B. Softwareanschaffung, klare Unterstützung zugesagt. Laut den vorliegenden Projektplänen soll im Jahr 2009 das entsprechende Projekt weitergetrieben werden, und nach einer umfassenden Testphase ist für Herbst 2009 die Einführung vorgesehen.
Die Verbindungsleitungen mit Tschechien wurden im Herbst 2008 durch ein zweites 380-kV-System verstärkt. Die Investitionen in die Steiermarkleitung erfolgen teilweise aus Erlösen aus den Auktionen der grenzüberschreitenden Kapazitäten. Damit wird den Vorgaben von Artikel 6 der Verordnung (EC) 1228/2003 betreffend die Verwendung der Auktionserlöse gefolgt. Dort ist vorgesehen, dass die Erlöse für die Gewährleistung der Verfügbarkeit bestehender Kapazitäten, zum Beispiel durch Kraftwerksredispatch, die Schaffung neuer Kapazitäten, zum Beispiel Ausbau von Leitungsinfrastruktur, oder zur Reduktion von Netztarifen verwendet werden dürfen.
2007 betrugen die Erlöse an den österreichischen Grenzen insgesamt etwa 44 Mio. Euro. Davon wurde knapp die Hälfte für Maßnahmen zur Gewährleistung der Verfügbarkeit bestehender Kapazitäten eingeplant. Die verbleibenden Mittel flossen in Neuinvestitionen bzw. wirkten reduzierend bei der Netztariffestlegung. Es ist zu erwarten, dass durch die erwähnten Neuinvestitionen die verfügbaren Kapazitäten an den Grenzen im Osten Österreichs erhöht werden können.
Von den drei österreichischen Regelzonenführern führen Verbund Austrian Power Grid (APG) und die Vorarlberger Kraftwerke Netz AG (VKW- Netz AG) Kapazitätsvergaben durch. Die relevanten Daten zu den Erlösen aus grenzüberschreitendem Engpassmanagment werden von beiden Unternehmen der Energie-Control Austria zur Verfügung gestellt.
Bericht über die Verwendung von Auktionserlösen aus den Kapazitätsvergaben an österreichischen Grenzen - Auktionserlöse des Jahres 2006 ist hier verfügbar.
| Erlöse aus grenzüberschreitendem Engpassmanagement Bericht gemäß Punkt 6.5 der Engpassmanagement-Leitlinien ecg_bericht_erl-366se_2006_v07_final.pdf - 122.3kB |