Stromkennzeichnung

„Der Strom kommt aus der Steckdose und hat kein Mascherl“ – aber wie kann der Verbraucher den Stromanteil aus erneuerbaren Energieträgern erkennen?

In Österreich sind die Lieferanten bereits seit dem Jahr 2001 gesetzlich verpflichtet, die Primärenergieträgeranteile, d.h. aus welchen Energieträgern der Strom produziert wurde, und die Umweltauswirkungen mitzuteilen. Auf der Stromrechnung und auf kennzeichnungspflichtigen Werbematerialien müssen die Mengen an CO2-Emissionen und radioaktivem Abfall angegeben werden, die bei der Erzeugung der elektrischen Energie entstanden sind.

Die E-Control ist mit der Aufsicht über die Stromkennzeichnung betraut. Es wird jährlich eine umfassende Überprüfung aller Lieferanten, die in Österreich Endkunden beliefern, eingeleitet. Die Ergebnisse dieser Evaluierung sowie eine Darstellung der aktuellen Rahmenbedingungen werden im jährlich erscheinenden Stromkennzeichnungsbericht dargestellt.

Das österreichische Stromkennzeichnungsmodell ist ein nachweisbasiertes System. Stromhändler und –lieferanten müssen, um einen bestimmten Primärenergieträgeranteil ausweisen zu können, gesetzeskonforme Nachweise vorlegen. Kann für eine Strommenge kein Nachweis vorgelegt werden, so ist dieser als „Strom unbekannter Herkunft – ENTSO-E-Mix“ (bis Juni 2009 UCTE-Mix), und somit als statistischer Wert, auszuweisen.

Abgewickelt wird die Stromkennzeichnung großteils über die österreichische Stromnachweisdatenbank, in der der gesamte Lebenszyklus eines Nachweises (Ausstellung – Transfer – Einsatz für die Stromkennzeichnung) abgebildet wird. Durch den gewählten nachweisbasierten Ansatz und die Abwicklung über eine zentrale österreichische Datenbank wurde ein äußerst transparentes und vertrauenswürdiges System geschaffen, das Betrugsrisiken, wie Doppelausgabe und -verwendung, praktisch ausschließt. Die Stromkennzeichnung auf der Jahresrechnung eines Endkunden sollte die Informationen enthalten, wie oben stehend gezeigt (Zahlen beispielhaft).

 

Abb. 1: Beispiel der Stromkennzeichnung auf einer Kundenjahresrechnung

durch Klicken auf das Symbol öffnen Sie das Diagramm

 

Die österreichische Stromkennzeichnung für das Jahr 2014

Im Jahr 2014 wurde den österreichischen Konsumenten im Durchschnitt ein Mix aus 89,10 % bekannten erneuerbaren Energieträgern, 10,36 % bekannten fossilen Energieträgern sowie 0,26 % bekannten sonstigen Energieträgern und 0,27 % Strom unbekannter Herkunft (ENTSO-E) geliefert. Es handelt sich hierbei um Näherungswerte, die sich aus der Überprüfung der Stromkennzeichnung im Jahr 2015 ergaben.

Stromkennzeichnung in Österreich 2014

durch Klicken auf das Symbol öffnen Sie das Diagramm

 

Ausweisung von Umweltauswirkungen der Stromerzeugung

Gemäß § 78 Abs 2 ElWOG 2010 sind auf den Rechnungen und auf den Werbe- bzw.
Kommunikationsmaterialien die Umweltauswirkungen, zumindest über CO2-Emissionen und
radioaktiven Abfall, auszuweisen. Laut Stromkennzeichnungsverordnung 2011 § 5 (1) sind
die Angaben zu CO2-Emissionen in Gramm je kWh el (g/kWh) und zu radioaktivem Abfall in
Milligramm je kWh el (mg/kWh) darzustellen.


Die Höhe der Umweltauswirkungen hängt von den eingesetzten Energieträgern und Technologien ab. Nachwachsende Rohstoffe etwa binden bei ihrem Wachstum genauso viel CO2, wie sie bei der energetischen Verwertung wieder freigeben. Insofern werden sie als CO2-neutral (also mit einem Emissionswert von 0 g/kWh Strom) bewertet. Bei fossilen Energieträgern (Erdgas, Erdöl und Kohle) sinken die Emissionen mit einem höheren Wirkungsgrad (Energieoutput im Verhältnis zum dafür aufgewendeten Energiegehalt) sowie mit dem Kohlenstoffgehalt in Relation zum Wasserstoffgehalt des Energieträgers. Ein effizienteres Kraftwerk verursacht folglich weniger Emissionen als ein ineffizientes.

Die Energie-Control Austria empfiehlt, für die Berechnung der Umweltauswirkungen kraftwerksspezifische Daten zu verwenden, so diese vorhanden (und bestätigt) sind. Andernfalls gibt eineTabelle Richtwerte für die einzelnen Energieträger, die mithilfe von Standardwerten berechnet werden.

Laut einer Studie des Umweltbundesamtes (Quelle: „Emissionsfaktoren für Gas-KWK-Anlagen bei der Stromkennzeichnung“, Umweltbundesamt 2013) wurden für die österreichischen Gaskraftwerke neue CO2-Emissionsfaktoren entsprechend der international anerkannten finnischen Methode berechnet:
 
CO2-Emissionsfaktor Gas-KWK-Anlage mit
312 g/kWh KWK Betrieb
332 g/kWh KWK mit Berücksichtigung des Kondensationsbetriebs
347 g/kWh reiner Kondensationsbetrieb für Gas-Kraftwerke

Aufgrund der Berechnungen des Umweltbundesamtes bestätigt die Energie-Control Austria, dass diese Werte für Gas-KWK-Kraftwerke herangezogen werden können.

Für Herkunftsnachweise aller anderen Technologien und aus nicht österreichischen Anlagen gelten die in der Tabelle „Richtwerte Umweltauswirkungen für einzelne Energieträger“ angeführten Werte.
 

Die folgende Tabelle gibt Richtwerte für die einzelnen Energieträger.

Typische Werte der Umweltauswirkungen einzelner Energieträger
Energieträger CO 2 Emissionen
in g/kWh
Radioaktiver Abfall
in mg/kWh
Feste oder flüssige Biomasse 0 0
Biogas 0 0
Deponie- und Klärgas 0 0
Geothermie 0 0
Windenergie 0 0
Sonnenenergie 0 0
Wasserkraft 0 0
Erdgas 440 0
Erdöl und dessen Produkte 645 0
Kohle 882 0
Nuklearenergie 0 2,7
Sonstige 650 0
Strom unbekannter Herkunft    
ENTSO-E-Mix Anteil Wasserkraft 0 0
ENTSO-E-Mix Anteil erneuerbarer Energieträger 0 0
ENTSO-E-Mix Anteil fossiler Brennstoffe 840 0
ENTSO-E-Mix Anteil Nuklearenergie 0 2,7
ENTSO-E-Mix Anteil Sonstige 840 0

Stand: Dezember 2012, Quellen: Umweltbundesamt, Energie-Control Austria


Wenn die Herkunft des Stroms nicht eindeutig feststeht, was zum Beispiel beim Einkauf auf Strombörsen der Fall sein kann, ist dieser Strom unbekannter Herkunft als "ENTSO-E-Mix" auszuweisen. Der ENTSO-E (European Network of Transmission System Operators)-Mix stellt die europaweite Zusammensetzung des Stroms dar und ist als statistischer Näherungswert zu verstehen. Die aktuelle Zusammensetzung, mit den entsprechenden Emissionswerten, wird auf der Homepage der Stromnachweisdatenbank zur Verfügung gestellt.

Stromnachweisdatenbank