Versorgungssicherheit

Damit Österreich auch in Zukunft bestens funktioniert, muss die lückenlose Versorgung des Landes mit Strom und Gas rund um die Uhr gesichert sein. Um dies zu gewährleisten, müssen technische Störungen schnellstmöglich beseitigt, Ausfälle von Lieferanten durch andere Bezugsquellen ersetzt und zukünftige Bezugsquellen gesichert werden.

Die Aufgaben der E-Control im Bereich der Versorgungssicherheit sind vielfältig: Der Status der Versorgungssicherheit wird jährlich überprüft. Durch die Energielenkungsverordnung ist die E-Control in Mechanismen zur Krisenbewältigung eingebunden. Dem Aspekt der langfristigen Versorgungssicherheit trägt die E-Control sowohl bei der Netzregulierung als auch bei der Genehmigung neuer Infrastrukturprojekte, die die Strom- und Gasversorgung der Zukunft sichern werden, Rechnung. Die Langfristplanung der Austrian Gas Grid Management (AGGM) AG, des Regelzonenführers Gas in der Regelzone Ost, muss von der Regulierungskommission genehmigt werden, im Strombereich hat die E-Control in diesem Bereich dagegen nur beratende Funktion.

Bei der Stromversorgung gehört Österreich zu den Spitzenreitern in Europa.
Wir arbeiten dafür, dass dies so bleibt.

Die E-Control Ausfalls- und Störungsstatistik, die seit 2002 gem. Elektrizitätsstatistik-Verordnung durchgeführt wird, bestätigt sowohl eine hohe Versorgungsqualität als auch Kontinuität in der Zuverlässigkeit der heimischen Stromversorgung. Elektrizität ist in Österreich weiterhin zu mehr als 99 Prozent verfügbar. Im Vergleich zur jährlichen Nichtverfügbarkeit der Stromversorgung einzelner europäischer Länder zeigt sich, dass Österreich, wie schon in den letzten Jahren, im europäischen Ranking weit vorne ist. So lag die Nichtverfügbarkeit 2007 in Österreich bei nur 45,47 Minuten.

Ob wir morgen noch genug Energie haben, entscheidet sich heute.

Im Strommarkt wurden bis zum Jahr 2016 Kraftwerksinvestitionen in einem Wert von etwa 4 Mrd. Euro und mit Kapazitäten von 6.441 MW (Mega-Watt) angekündigt. Mit wesentlichen Kraftwerksschließungen wird nicht gerechnet. Weitere 1.300 MW dürften an Wind- und Biomasseanlagen errichtet werden. Insgesamt hätte Österreich bei Realisierung aller Projekte im Jahr 2016 eine installierte Kraftwerksleistung von 26.810 MW bei einer Jahreslastspitze von etwa 12.200 MW. Die Regulierungsbehörde geht deshalb davon aus, dass Österreich in den nächsten zehn Jahren keine Versorgungsengpässe haben wird. Für die nachhaltige Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit ist aber eine Straffung und Beschleunigung der Genehmigungsverfahren erforderlich.

Versorgungssicherung, die an kommende Generationen denkt.

Ein Anreiz für Investitionen in die Gasnetz-Transportinfrastruktur wurde durch den § 19a (2) GWG geschaffen. Darin ist der Netzausbauvertrag definiert. Es handelt sich dabei um eine wechselseitige Verpflichtung zwischen Netzbenutzer und Netzbetreiber zwecks besserer Planbarkeit von Investitionen und Transportleitungen. Vorraussetzung für die sichere Umsetzung der Investition ist auch die Genehmigung der entsprechenden Projekte in der langfristigen Planung durch die Regulierungskommission, die der Regelzonenführer durchzuführen hat. Durch dieses Verfahren erhält der Netzbetreiber die Zusicherung, dass er die Investitionen über regulierte Tarife finanzieren kann. Der Netzbenutzer und der Endkunde bekommen Sicherheit für geplante Projekte.

Europa spricht mit einer Stimme: Bei der Prognose für Versorgungssicherheit.

Die Versorgungssicherheits-Task-Force der europäischen Energieregulatoren, die von der E-Control geleitet wird, hat in Zusammenarbeit mit den europäischen Übertragungsnetzbetreibern eine einheitliche Versorgungssicherheitsprognose für die gesamte EU im Strombereich eingeleitet, die ab Mitte 2010 jeweils für eine Zeit von zehn Jahren veröffentlicht werden soll. Die Prognose bildet somit eine wichtige Grundlage für die Marktteilnehmer und Investorenentscheidungen in der Zukunft.

Die Lehre aus der Gaskrise: Wenn sich zwei streiten, muss der Dritte trotzdem gut versorgt sein.

Auch wenn alle Maßnahmen zum Infrastrukturausbau greifen, können kurzfristige Versorgungsstörungen entstehen, die überbrückt werden müssen.

Im Rahmen des Krisenmonitorings werden vor allem im Gasbereich insbesondere die Analysemöglichkeiten ständig weiter ausgebaut. Die E-Control sammelt von allen Marktteilnehmern aktuelle Ist-Daten und kurzfristige Vorschaudaten, um abschätzen zu können, ob die Versorgung weiterhin gesichert ist. Unvorhergesehene Ereignisse zu Beginn des Jahres 2008, wie etwa eine neuerliche Diskussion der Erdgaspreise für die Ukraine oder ein technisches Problem auf einer internationalen Transitleitung, zeigten auf, dass sich eventuell daraus ergebende Auswirkungen auf die Erdgaslieferungen zwar relativ gut abgeschätzt, aber datenmäßig nicht genügend rasch über die vorhergesehenen Abläufe abgebildet werden können.

Um auch bei unvorhergesehenen Ereignissen zügig eventuelle Auswirkungen auf die Erdgasversorgung abschätzen zu können, wird zur wöchentlichen Vorschau zur Versorgungsbilanz auch eine Szenariorechnung erstellt. Dadurch kann sehr rasch auf unterschiedliche Rahmenbedingungen reagiert werden.

Diese Szenariorechnung wurde erstmals bei einer Krisenübung getestet und hat sich für die Erstbeurteilung der Lage als genügend aussagekräftig erwiesen. Die erste Krisenübung der E-Control wurde im Rahmen einer größeren Übung der OMV Gas im November 2008 durchgeführt, wobei erstmals Annahmen getroffen wurden, die eine krisenhafte Situation im Sinne des Energielenkungsgesetzes nach sich ziehen könnten.

Ende 2008 begann ein erneuter Streitfall zwischen Gazprom und der ukrainischen Naftogas, der im Jänner 2009 zu einem kompletten Ausfall der russischen Lieferungen über den ukrainischen Transitweg geführt hat. Es hat sich gezeigt, dass durch die intensiven Vorbereitungsarbeiten und die durchgeführten Krisenübungen die Situation für die österreichischen Gaskunden nicht eskaliert ist.

Darüber hinaus konnte die Regulierungsbehörde durch die im Jahr 2003 begonnene und im Jahr 2008 weitaus abgeschlossene Zusammenarbeit mit Netzbetreibern und Marktteilnehmern allfällige Vorbereitungsarbeiten im Rahmen der Krisenvorsorge auch im Bereich Strom abschließen. Ein wichtiger Aspekt dabei ist, dass auch die Stromversorgungssituation und insbesondere Gaskraftwerke entsprechend im Hinblick auf die Strom- und Wärmeproduktion monitort und evaluiert werden.